ThemaKonjunktur

Kampf gegen Deflation: Japans Notenbank öffnet den Geldhahn

22. Januar 2013
Die Bank of Japan in Tokio - ihre expansive Geldpolitik stößt auf Kritik. Quelle: REUTERSBild vergrößern
Die Bank of Japan in Tokio - ihre expansive Geldpolitik stößt auf Kritik. Quelle: REUTERS

Um die Konjunktur anzukurbeln, schmeißen Japans Notenbanker die Drucker an und fluten die Märkte mit Geld. Während Dax und Co. kaum reagieren, fürchtet Bundesbankpräsident Weidmann um die Unabhängigkeit der Notenbanken.

Die Drucker der Bank of Japan laufen wieder heiß: Regierung und Notenbank in Tokio wollen den stotternden japanischen Wachstumsmotor mit einer wahren Geldschwemme wieder auf Touren bringen. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten sie am Dienstag an, dass die japanische Zentralbank im Kampf gegen Deflation und Konjunkturflaute ab dem kommenden Jahr unbegrenzt Anleihen ankauft. Ab Januar 2014 wollen die Währungshüter monatlich Wertpapiere für umgerechnet rund 109 Milliarden Euro erwerben - eine Methode, wie sie ähnlich auch die Kollegen der Fed in den USA anwenden.

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Zugleich erhöhte die Notenbank ihr mittelfristiges Inflationsziel von ein auf zwei Prozent. Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte einen "Paradigmenwechsel" in der makroökonomischen Strategie an. Es bestehe aber kein Grund, das Notenbankgesetz zu ändern, um die Kontrolle der Regierung über die Zentralbank zu stärken. Die Entscheidung der Notenbank stellt einen Bruch mit der bisherigen Strategie dar, die Käufe schrittweise auszuweiten. Mehrere Analysten wiesen allerdings darauf hin, dass die Notenbank mehr hätte tun können. Zudem dürften Politiker, Volkswirte und einige Notenbankmitglieder den Druck weiter aufrecht erhalten, den Geldhahn noch weiter aufzudrehen.


Denn es ist vor allem Ministerpräsident Abe, der mit den geldpolitischen Maßnahmen die stagnierende Konjunktur ankurbeln will. Zur Bekämpfung der anhaltenden Deflation forderte der Politiker, dass die Zentralbank die Geldschleusen öffnet - ungeachtet der gewaltigen Staatsverschuldung von bereits 235 Prozent des BIP. Vor allem die hartnäckige Deflation ist ein massives Problem für die japanische Wirtschaft. Seit Ende der 1990er Jahre sind die Verbraucherpreise nur in wenigen Monaten stärker als zwei Prozent gestiegen. Häufiger waren dagegen fallende Preise. Diese sind gefährlich, weil sich die Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit Einkäufen zurückhalten und so eine Abwärtsspirale in Gang kommt.

Scharfe Kritik von Weidmann

Bundesbankpräsident Jens Weidmann kritisiert eine derartige Einflussnahme von Regierungen auf Notenbankentscheidungen scharf. Der Deutsche sieht die Unabhängigkeit der Zentralbanken weltweit in Gefahr und warnt vor den Folgen ihrer schleichenden Überfrachtung und Politisierung im Zuge der Krise. "Den Notenbanken wird immer mehr Verantwortung zugeschoben, auch für Aufgaben, die außerhalb ihres Kernmandats liegen", beklagte er beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse am Montagabend in Eschborn bei Frankfurt. "Eine mittelfristige Folge dieser Entwicklung könnte sein, dass Preisstabilität als Hauptziel der Geldpolitik zunehmend infrage gestellt wird und die unabhängige Notenbank aus der Mode kommt."

Japans Lage

  • Schuldenstand 2013

    245,0

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

  • Neuverschuldung 2013

    -9,1

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

  • Leistungsbilanzsaldo 2013

    2,3

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF


Schon heute seien, etwa in Ungarn oder Japan, "bedenkliche Übergriffe" zu beobachten. "Eine Folge, ob gewollt oder ungewollt, könnte eine zunehmende Politisierung der Wechselkurse sein", warnte der Bundesbank-Chef. Experten fürchten, dass die lockere Geldpolitik in den USA, Europa und Japan zu Gegenreaktionen bei Ländern führt, deren Exporteure durch das viele billige Geld massiv belastet werden - Politiker in manchen Schwellenländern sprechen bereits vom Beginn eines Währungskrieges.

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