Kampf gegen den IS: Die abgeschnittenen Bärte

Kampf gegen den IS: Die abgeschnittenen Bärte

, aktualisiert 14. August 2016, 17:55 Uhr
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A man cuts the beard of a civilian who was evacuated with others by the Syria Democratic Forces (SDF) fighters from an Islamic State-controlled neighbourhood of Manbij, in Aleppo Governorate, Syria, August 12, 2016. The SDF has said Islamic State was using civilians as human shields. REUTERS/Rodi Said TPX IMAGES OF THE DAY

Quelle:Handelsblatt Online

Menschen weinen vor Freude, Frauen verbrennen ihre Schleier, Männer schneiden sich den Bart ab. Der Erfolg über den IS in Manbidsch ist eine Befreiung. Doch bis zum endgültigen Sieg ist es noch ein weiter Weg.

Die Menschen in Manbidsch atmen auf. Die Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben sich aus der nordsyrischen Stadt zurückgezogen. Videos zeigen feiernde Syrer. Männer schneiden sich gegenseitig ihre langen Bärte ab, die der IS ihnen vorschrieb. Menschen liegen sich weinend in den Armen.

Eine Frau ist außer sich. Vor Freude, sagt sie in einem Video der Nachrichtenagentur der syrischen Kurdenpartei PYD. „Ich kann nicht glauben, dass es passiert ist“. Die Dschihadisten hätten die Stadt mit Gewalt besetzt. Und den Sohn ihres Bruders genommen. Sie redet sich in Rage, bis sie sich erschöpft zu Boden wirft.

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Seit 2014 war der Ort in Nordsyrien unter Kontrolle der IS-Terrormiliz. Mehr als zwei Jahre, in denen die Extremisten die Bevölkerung ihrer Ideologie unterwarfen. Am Freitag wurde Manbidsch von kurdischen Truppen für erobert erklärt.

Andere Aufnahmen zeigen eine Kurdenkämpferin, die einen offensichtlich gerührten alten Mann auf die Stirn küsst. Am Straßenrand brennen Nikabs, schwarze Gesichtsschleier. Die Bilder, deren Echtheit sich nicht unabhängig überprüfen lässt, sind mit Musik unterlegt. Die Kurden wissen den Sieg über den IS zu inszenieren.

Im Kampf gegen die Terrormiliz ist die Eroberung Manbidschs aber nur ein Etappensieg. Die Kurden starteten die Offensive auf Aleppo mit US-Luftunterstützung Anfang Juni. Sie zielte auf die Nachschubwege des IS. Denn über Manbidsch lief die Versorgungsroute von der Türkei nach Al-Rakka, der inoffiziellen Hauptstadt des IS in Syrien. Noch gibt es einen anderen Weg für die Dschihadisten, doch die Kurden wollen weiter vorrücken und Al-Rakka von der Versorgung abschneiden.

Die gefürchtetste Terrororganisation der Welt steht nicht nur in Nordsyrien unter Druck. Noch vor zwei Jahren schien ihr Vormarsch kaum aufzuhalten. Dann verstärkte die internationale Gemeinschaft ihr Engagement. Luftschläge und ein Vorrücken am Boden stoppten den IS.

Mittlerweile ist der Islamische Staat überall auf dem Rückzug: Falludscha und Ramadi im Irak sind verloren, genauso die Oasenstadt Palmyra in Syrien. Die IS-Hochburg im libyschen Sirte steht kurz vor der kompletten Einnahme durch lokale Milizen. Es sind nicht nur die Kurden oder die US-geführte Militärkoalition, sondern auch syrische Regimetruppen, Russland und die irakische Armee, die aus allen Richtungen vorrücken.

Auch wenn die Vielzahl an teilweise schweren Anschlägen in Europa, im Irak und in Syrien, zu denen sich der IS bekennt, ein Bild der Terrormiliz auf der Höhe ihrer Macht vermitteln soll, scheint das Ende der Dschihadisten als Territorialmacht absehbar. Doch auch wenn der Kampf gegen den IS mit gleichbleibender Intensität geführt wird, dürfte die Eroberung von Al-Rakka und Mossul noch Monate, vielleicht sogar Jahre, dauern.

Auch dann bliebe der Islamische Staat noch gefährlich, sagt William McCants von der US-Denkfabrik Brookings. Die IS-Führung könnte sich auf das zurückbesinnen, was sie vor ihren Eroberungen war: Eine Terrorgruppe ohne Land. „Auch wenn der Islamische Staat sich nicht sofort vom Ende seiner Herrschaft erholt, wird er jahrelang Auftrieb erhalten durch spektakuläre Anschläge im Ausland“, fürchtet McCants.

In einer IS-Audiobotschaft vom Mai machte ein Sprecher den möglichen Verlust der Gebiete der Terrormiliz zum Thema. „Glaubst Du, Amerika, dass Niederlage der Verlust einer Stadt oder eines Gebietes bedeutet?“, fragte er rhetorisch. Den Dschihadisten ihr Land zu nehmen, würde schließlich nicht ihren Willen zum Kampf zerstören.

Quelle:  Handelsblatt Online
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