Kampf gegen IS: Angriff aus der Luft

ThemaNaher Osten

Kampf gegen IS: Angriff aus der Luft

Angeführt von den USA haben mehrere westliche Staaten Jagdbomber, Aufklärungsflugzeuge und Tanker in die Region verlegt: Der Kampf gegen die Dschihadisten wird aus der Luft geführt. Deutsche Tornados sind nur bedingt geeinigt.

Militärisch gesehen ist die internationale Koalition gegen die „IS“-Milizen eine Koalition der Luftstreitkräfte. Angeführt von den USA, haben mehrere westliche Staaten Jagdbomber, Aufklärungsflugzeuge und Tanker in die Region verlegt: Der Kampf gegen die Dschihadisten wird aus der Luft geführt – am Boden sollen die irakische Armee und vor allem die Kurden sowohl im Irak als auch in Syrien die Gotteskrieger zurückdrängen.

An Luftschlägen könnte sich auch die Bundeswehr beteiligen, wenn es politisch gewünscht wäre – denn auch Deutschland betrachtet sich als Teil der Anti-„IS“-Koalition, die die USA im September auf dem Nato-Gipfel in Wales ins Leben gerufen haben. Die deutschen Streitkräfte wären dann mit Einheiten beteiligt, die in den Einsätzen der vergangenen Jahre kaum gefordert waren: Im Kampf setzte die Luftwaffe ihre Tornado-Kampfjets zuletzt 1999 in den Nato-Angriffen auf Serbien ein. Über Afghanistan wurden die Tornados ausschließlich für die Aufklärung genutzt.

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Was Deutschland im Irak leistet und nicht leistet

  • Hilfszahlungen

    Die Bundesregierung hat im Zuge der Krise 24,4 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. 4,4 Millionen sind für dringende Maßnahmen wie den Bau von Unterkünften, die Trinkwasserversorgung und medizinische Hilfe vorgesehen. 20 Millionen stehen für längerfristige Infrastrukturprojekte bereit, zum Beispiel den Bau von Unterkünften für Flüchtlinge.

  • Transport von Hilfsgütern

    Die Bundeswehr hat am 15.08.2014 mit Hilfsflügen in die nordirakische Kurden-Hauptstadt Erbil begonnen. Fünf Transall-Flugzeuge haben bereits 36 Tonnen Lebensmittel, Sanitätsmaterial und Decken in die Krisenregion gebracht. Weitere 100 Tonnen sollen in den nächsten Tagen folgen.

  • Ausrüstung

    Die Bundesregierung hat sich bereiterklärt, Rüstungsgüter wie Kleinlastwagen, Schutzwesten, Helme oder Nachtsichtbrillen aus Bundeswehrbeständen an die kurdischen Streitkräfte im Nordirak zu liefern. Die Lieferungen werden voraussichtlich nächste Woche beginnen.

  • Waffen

    Mitte August beschloss der Bundestag, Waffen in die Krisenregion zu liefern. Es geht um Handwaffen und Panzerabwehrwaffen, die von den Kurden für die wirksame Bekämpfung der von der ISIS-Miliz erbeuteten Panzerfahrzeuge benötigt werden.

  • Militärausbilder

    Einige dieser Waffen können nicht ohne Schulung bedient werden. Die Bundesregierung prüft deshalb, auch Ausbilder in den Irak zu entsenden. Es könnten aber auch irakische Ausbilder außerhalb des Iraks geschult werden.

  • Bundeswehreinsatz

    Die Luftschläge der USA gegen die IS begrüßt die Bundesregierung zwar, die Bundeswehr beteiligt sich daran allerdings nicht. Einen späteren Blauhelmeinsatz hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Nach dem Muster der anderen beteiligten Länder – neben den USA sind das Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Belgien und Dänemark sowie mehrere arabische Staaten und Australien – kämen für Angriffe am Boden nur diese jahrzehntealten Maschinen infrage, obwohl diese nicht über Panzerabwehr-Lenkraketen verfügen. Die neueren Eurofighter-Kampfjets, ursprünglich als Abfangjäger vorgesehen, werden noch auf die Möglichkeiten des Luftangriffs vorbereitet.

Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 in Büchel in Rheinland-Pfalz ist die Heimatbasis der Tornado-Jagdbomber, mehrere Maschinen könnten rasch in die Region verlegt werden. Allerdings sind diese Jagdbomber für die Art des Luftkrieges, wie sie derzeit im Irak und in Syrien gefordert ist, nur bedingt geeignet. Die Luftwaffen-Tornados können ihre Ziele mit lasergelenkten Präzisionsbomben angreifen – doch für Angriffe auf bewegliche Ziele wie Fahrzeugkonvois sind solche Bomben wenig sinnvoll. Angriffe auf Ölfelder aber könnten die Deutschen starten – die USA und arabische Kampfjets hatten diese und auch Raffinerien gezielt angegriffen, um eine Einkommensquelle der „IS“ in den von ihr kontrollierten Gebieten zu zerstören.

Rüstungsausgaben ausgewählter Länder 2013

  • Saudi-Arabien

    9,0% des Bruttoinlandprodukts

    Quelle: Weltbank

  • Israel

    5,6% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Vereinigte Arabische Emirate

    5,0% des Bruttoinlandsprodukts.*

    *2012

  • Russland

    4,2% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Bahrain

    3,8% des Bruttoinlandsprodukts.

  • USA

    3,8% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Großbritannien

    2,3% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Türkei

    2,3% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Frankreich

    2,2% des Bruttoinlandsprodukts.

  • China

    2,1% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Italien

    1,6% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Deutschland

    1,3% des Bruttoinlandsprodukts.

  • Japan

    1,0% des Bruttoinlandsprodukts.

Eine Einsatzbasis für die deutschen Tornados wäre zu finden, selbst wenn der Nato-Partner Türkei keinen Flugplatz zur Verfügung stellen will. Die Briten starten ihre Tornado-Flüge auf einer eigenen Basis in Zypern, die möglicherweise auch Platz für die Luftwaffe hätte. Wenn nicht, käme der Flugplatz Decimomannu auf Sardinien infrage. Für den Einsatz über dem Irak und vielleicht auch Syrien müssten die Tornados allerdings in der Luft betankt werden.

Wie alle Kampfjets der beteiligten Nationen hätten aber auch die deutschen ein Problem: Die Ziele im selbst ernannten „Islamischen Staat“ mit seiner wenig staatlichen Infrastruktur müssen erst einmal erkannt und geortet werden. Den USA, erst recht den anderen Staaten, fällt es aber schwer, mit ihrer Luftaufklärung die wirklich wichtigen Ziele auszumachen – vor allem, wenn es darauf ankommt, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

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Ohne die berühmten „Boots on the ground“, die Soldaten im Kampfgebiet, können die Flugzeuge nur eingeschränkt operieren: Spezialkräfte am Boden könnten die Jets per Funk an ein erkanntes Ziel lotsen und außerdem mit Lasergeräten diese Ziele so markieren, dass die lasergesteuerten Bomben exakt treffen. Angeblich sollen sowohl die USA als auch die Briten solche Spezialkräfte im Irak im Einsatz haben, bestätigt wurde das bisher nicht.

Rein militärisch gesehen, wäre auch die Bundeswehr in der Lage, mit Spezialkräften solche Aktionen durchzuführen. Doch das wäre ein noch viel weiter gehender Schritt als eine Beteiligung an einem Luftkrieg – und deshalb noch unwahrscheinlicher. Denn mit Bodentruppen, und dazu müsste auch der Einsatz von Spezialkräften gezählt werden, will offiziell kein westliches Land in diesen Konflikt eingreifen. Zu groß ist die Furcht, damit in eine neue, nicht mehr kontrollierbare Auseinandersetzung hineinzugeraten.

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