Kampf um Aleppo: Die Schlacht vorbei, der Krieg geht weiter

Kampf um Aleppo: Die Schlacht vorbei, der Krieg geht weiter

, aktualisiert 13. Dezember 2016, 11:43 Uhr
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Ein Sieg der syrischen Armee in Aleppo ist praktisch schon besiegelt.

von Pierre HeumannQuelle:Handelsblatt Online

Die syrische Armee jubelt: Mit der Einnahme der ehemaligen Metropole Aleppo kann das Assad-Regime einen wichtigen Sieg im Syrien-Konflikt verbuchen. Ein Ende des Bürgerkriegs bedeutet das aber noch lange nicht.

Tel AvivDie Rebellen sind geflohen, die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad feiern dagegen bis in die tiefe Nacht im Freudentaumel: Die Schlacht um Aleppo tritt in ihre letzte Phase. Das syrische Regime kontrolliere bereits 99 Prozent der ehemaligen Metropole, heißt es in Militärkreisen in Damaskus. Kugeln seien wie Regentropfen vom Himmel gefallen, nachdem Soldaten Freudenschüsse in den Himmel abgaben, berichtete am Dienstag ein Reuters-Reporter aus dem Westteil der Stadt.

Nachdem die von Rebellen gehaltenen Gebiete nach Regierungs- und Oppositionsangaben durch die Offensive von Sonntag und Montag um die Hälfte geschrumpft war, ließen die Bombardierungen auf Stützpunkte der Regime-Gegner durch syrische und russische Streitkräfte nach. Der Artilleriebeschuss und die Luftangriffe auf Rebellenstellungen im Osten der Großstadt hätten spürbar nachgelassen, berichtete der Reuters-Reporter weiter.

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Doch bei dem Sturm auf Aleppo wendete das Regime grausamste Methoden an, um sich den Sieg zu sichern: Nach Angaben der Vereinten Nationen seien in den vergangenen Tagen mindestens 82 Zivilisten im Ostteil Aleppos durch Regierungstruppen getötet worden. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Montag, allein seit Sonntag seien rund 13.000 Zivilisten in die von der Regierung kontrollierten Gebiete geflohen.

Unterstützt wird das Regime von der russischen Luftwaffe und schiitischen Verbündeten. So sei es der syrischen Armee am Montag unter heftigen Luftangriffen und Artilleriebeschuss gelungen, mehrere Viertel von den Rebellen zurückzuerobern, berichtete die in England ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bezeichnet die humanitäre Lage in Aleppo indes als „katastrophal“: Es gebe kaum noch Medikamente, viele Menschen hielten sich wegen der anhaltenden Kämpfe versteckt und hätten weder Nahrung noch Wasser. Über soziale Medien dringen verzweifelte Hilferufe nach außen. Familien würden zusammenkommen und gemeinsam auf den Tod warten, heißt es zum Beispiel in einer Whatsapp-Botschaft an Journalisten.

Syrische Menschenrechtsorganisationen beschreiben Aleppo als „Schlachthaus“ – Leichen würden auf den Straße liegen. Auch die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Der humanitäre Uno-Berater für Syrien, Jan Egland, macht Syrien und Russland für die Brutalitäten verantwortlich, die Assads Vormarsch unterstützen.


Was ein Sieg in Aleppo für Assad bedeutet

Doch mit der absehbaren Rückeroberung von Aleppo sichert sich Assad einen wichtigen Sieg. Er kontrolliert wieder 70 Prozent der Bevölkerung und beherrscht die wichtigsten Regionen des Landes. Die Föderalisierungslösung, bei der die Regionen Syriens weitgehende Autonomie von der Zentralregierung in Damaskus erhielten, werde damit unrealistisch, sagen Experten.

Während Assads Truppen Aleppo unter ihre Gewalt bringen, müssen sie in Palmyra einen Rückschlag hinnehmen. Terroristen der Miliz Islamischer Staat haben die antike Stadt zurückerobert und syrische Regierungstruppen verdrängt. Assads Niederlage in Palmyra zeige, wie schwach das syrische Militär ist, wenn es weder von Russland noch vom Iran unterstützt werde, sagen Militärbeobachter in Tel Aviv. Von Assads absehbarem Sieg in Aleppo dürfe deshalb nicht auf ganz Syrien geschlossen werden.

Sollten die Rebellen in Aleppo endgültig besiegt werden, käme Assad aber seinem Ziel einen großen Schritt näher, auch den Krieg um Syrien für sich zu entscheiden. Mit Aleppo würde er mit russischer und iranischer Hilfe eine der wichtigsten Metropolen zurückerobern, die in den vergangenen Jahren das Zentrum der Rebellen war. Damit würde die Opposition zwar massiv geschwächt, aber nicht ausgeschaltet. Rebellen kontrollieren nach wie vor große Teile der Provinz Aleppo sowie weitere Teile des Landes. Ein Ende der syrische Tragödie zeichnet sich mithin nicht ab – selbst wenn Assad Aleppo erobert.

Der Ausgang der Schlacht um Aleppo wird den weiteren Verlauf der Wirren im ganzen Land beeinflussen. Sollte Assad in Aleppo siegen, schwinden die letzten Hoffnungen auf eine politische Lösung des Konflikts.

Quelle:  Handelsblatt Online
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