Kampf um Kobane: USA und Türkei unterstützen Kurden

ThemaNaher Osten

Kampf um Kobane: USA und Türkei unterstützen Kurden

Bild vergrößern

US-Jet über Kobane: Amerikanische Transportflugzeuge haben erstmals Waffen für die Verteidiger der nordsyrischen Stadt abgeworfen.

Im Kampf um die nordsyrische Stadt Kobane hoffen die Kurden auf eine Wende. US-Flugzeuge werfen erstmals Waffen für sie ab. Auch die Türkei scheint zu Zugeständnissen bereit.

Überraschende Hilfe im Kampf um Kobane: US-Transportflugzeuge haben erstmals Waffen für die Verteidiger der nordsyrischen Stadt abgeworfen. Und die Türkei gestattet, dass Peschmerga-Soldaten aus dem Nordirak den Kurden im belagerten Kobane zu Hilfe eilen. Im Irak zogen sich Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) laut Medienberichten aus der Provinz Salaheddin nördlich der Hauptstadt Bagdad zurück.

Rund fünf Wochen nach Beginn der Kämpfe warfen Transportflugzeuge nahe Kobane außer Waffen auch Munition und medizinisches Material ab, wie das US-Zentralkommando in Tampa in der Nacht zum Montag mitteilte. Die Lieferungen stammen nach US-Angaben von kurdischen Stellen im Irak und wurden nur transportiert.

Anzeige

Die syrischen Kurden bestätigten, dass sie die Lieferung erhalten hätten. „Ohne Zweifel wird die Ankunft der Waffen den Verlauf des Kampfes verändern“, sagte der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Es seien leichte und mittelschwere Waffen, Maschinengewehre, panzerbrechende Waffen, Munition und medizinische Hilfsgüter geliefert worden.

Fakten zum Terror im Irak

  • Wer verbirgt sich hinter ISIS/IS?

    Die Terrorgruppe ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) ist eine im Syrienkrieg stark gewordene Miliz. Die Gruppe steht seit 2010 unter Führung eines ambitionierten irakischen Extremisten, der unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi bekannt ist. Die USA haben zehn Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt. Ihm ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, aus einer eher losen Dachorganisation eine schlagkräftige militärische Organisation zu formen. Ihr sollen bis zu 10.000 Kämpfer angehören.

    Die Gruppe nannte sich Ende Juni in IS um, da sie die Einschränkung auf den Irak und Syrien aufheben wollte.

  • Was sind die Ziele von ISIS?

    ISIS sind Dschihadisten, Gotteskrieger. Sie kämpfen für eine strikte Auslegung des Islam und wollen ihr eigenes „Kalifat“ schaffen. Ihre fundamentalistischen Ziele verbrämt Isis bisweilen - wenn es in einzelnen Regionen gerade opportun erscheint. „Im Irak gerieren sie sich als Wahrer der sunnitischen Gemeinschaft“, weiß Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak. „In Syrien vertreten sie ihre Ideologie und ihr Projekt weit offener.“ In der syrischen Stadt Rakka beispielsweise setzen die Extremisten ihre strikte Auslegung islamischer Gesetze durch. Aktivisten und Bewohner in der Stadt berichten, dass Musik verboten wurde. Christen müssen eine „islamische Steuer“ für ihren eigenen Schutz zahlen.

  • Welche Taktik verfolgt ISIS?

    Ihre Taktik ist eine krude Mischung von brutaler Gewalt und Anbiederung - alles zwischen Abschreckung durch das Köpfen von Feinden und Eiscreme für die Kinder in besetzen Gebieten. Das alles dient der Al-Kaida-Splittergruppe Isis nur zu einem Ziel: den Islamischen Staat im Irak und Syrien zu bilden, den ihr Name verheißt. Die Gruppe, der bis zu 10.000 Kämpfer angehören sollen, hat diese Woche die irakischen Städte Mossul und Tikrit überrannt und den Marsch auf Bagdad angekündigt.

  • Wie weit ist ISIS damit gekommen?

    Zu Jahresbeginn hatte Isis bereits die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen hat ISIS maßgeblichen Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht. Der einstige Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, den US-Truppen vor ihrem Abzug aus dem Irak 2011 besiegt zu haben meinten, blüht in einer neuen Inkarnation wieder auf. Dabei profitiert Isis von den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, die ihre sunnitische Anhängerschaft radikalisieren.

    Bislang drangen ISIS-Kämpfer bis zur Provinz Dijala knapp 60 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Mittlerweile haben die Kämpfer die Städte Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

  • Wie finanziert sich ISIS?

    Nach dpa-Informationen erbeuteten ISIS-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro. Auch schweres Kriegsgerät soll ISIS erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

  • Welche Auswirkungen hat der Feldzug von ISIS auf die Bevölkerung?

    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

  • Warum ruft der Irak nicht den Notstand aus?

    Ministerpräsident Al-Malikis Versuch, am 12. Juni 2014 den Notstand auszurufen, war am Parlament gescheitert, das eine Abstimmung wegen mangelnder Beteiligung verschob. Seit Monaten zeigt sich Al-Maliki praktisch machtlos gegen den Terror sunnitischer Extremisten im Land. Dieser kostete seit April 2013 Tausenden Menschen das Leben.

  • Bekommt der Irak Unterstützung?

    Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu. Die Nato und Großbritannien schlossen einen militärischen Eingriff aus. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Mittlerweile prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

US-Außenminister John Kerry betonte bei einem Indonesien-Besuch, es handele sich nicht um einen Wandel in der US-Politik. Aber: „Es wäre unverantwortlich von uns und moralisch äußerst problematisch, uns von einer Stadt abzuwenden, die gegen Isil (eine frühere Bezeichnung der Gruppe Islamischer Staat) kämpft.“

Die USA setzten zugleich ihre Luftangriffe am Montag fort. Dabei wurde in Syrien unter anderem eine herrenlose Ladung Waffen zerstört, um zu verhindern, dass diese in die falschen Hände geraten, wie das Zentralkommando mitteilte. Im Irak griff das Bündnis IS-Stellungen nahe Amirijat al-Falludscha sowie eine Ölraffinerie in Baidschi an.

Nutzung von Stützpunkten USA und Türkei streiten weiter

Washington und Ankara sind sich weiterhin uneinig, wie sie die türkischen Stützpunkte im Kampf gegen die IS-Terroristen nutzen wollen. Die Türkei weigert sich gegen eine Öffnung – und stellt nun Bedingungen.

Die USA und die Türkei streiten weiter über die Stützpunkte. Quelle: dpa

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte am Montag in Ankara an, Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak die Einreise nach Kobane erlauben zu wollen, um die dortigen Volksschutzeinheiten zu unterstützen. Zugleich schloss er weiterhin jede direkte türkische Unterstützung für die syrisch-kurdische Partei PYD aus. Die in Kobane kämpfenden Volksschutzeinheiten (YPG) sind die Miliz der PYD, die eng mit der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich am Wochenende gegen internationale Waffenlieferungen ausgesprochen. Die PYD sei aus Sicht der Regierung ebenso eine „Terrororganisation“ wie die PKK, hatte Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu gesagt. US-Präsident Barack Obama besprach am Wochenende mit Erdogan am Telefon die Lage in Syrien und besonders in Kobane. Das Weiße Haus teilte mit, beide Präsidenten hätten zugesichert, im Kampf gegen den IS eng zusammenzuarbeiten.

weitere Artikel

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hielt sich beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg mit einer Einschätzung der Lage in Kobane bedeckt. Auf die Frage, ob es mehr Spielraum für EU-Engagement gebe, antwortete er: „Das kann ich jetzt vor der Debatte nicht beurteilen. Aber ganz sicherlich ist das, was jetzt in Kobane stattfindet, noch nicht die Wende des Kriegsgeschehens. Aber es scheint sich in den letzten Tagen so darzustellen, dass die Abwehrfähigkeit der Kurden in Kobane jedenfalls erhöht worden ist.“

Aus dem Irak hieß es, Dutzende IS-Anhänger hätten von ihnen kontrollierte Gebiete rund um die Stadt Tikrit in Richtung der Provinz Ninive im Norden des Landes verlassen. Das berichtete die unabhängige irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News unter Berufung auf örtliche Quellen. Die Region um das 160 Kilometer nördlich Bagdads gelegene Tikrit war in den vergangenen Tagen verstärkt von Flugzeugen der internationalen Allianz bombardiert worden. Das dänische Verteidigungsministerium teilte mit, dänische F16-Flugzeuge hätten im Kampf gegen den IS im Irak erstmals Bomben abgeworfen.

Der IS war in dem Land monatelang auf dem Vormarsch. Dabei ging die Gruppe äußerst brutal gegen die Bevölkerung vor. Wie die UN-Organisation für Migration (IOM) mitteilte, leben in dem Land 1,8 Millionen Vertriebene.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%