Kampf um Mossul: Irakisches Militär befürchtet viele Opfer

Kampf um Mossul: Irakisches Militär befürchtet viele Opfer

, aktualisiert 30. November 2016, 15:05 Uhr
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Laut Offizieren gibt es zahlreiche Tote und Verwundete unter den irakischen Spezialeinheiten.

Quelle:Handelsblatt Online

In Mossul will das irakische Militär die Herrschaft der IS-Terroristen beenden. Aber die meist unerfahrenen Soldaten geraten im Häuserkampf an ihre Grenzen – noch immer hält sich eine Million Zivilisten in der Stadt auf.

BagdadSechs Monate – so viel Zeit gaben sich die irakischen Generäle, als sie ihren Plan zur Eroberung von Mossul ausarbeiteten. „Das war das Maximum“, sagt der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi. „Wir mussten uns auf das Schlimmste vorbereiten, damit wir nicht unangenehm überrascht werden.“ Vor sechs Wochen begann die Operation gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in der nordirakischen Stadt. Und wie es aussieht, haben die Generäle nicht zu großzügig geplant.

Die Truppe, die aus 50.000 Soldaten sowie schiitischen und sunnitischen Milizionären und kurdischen Peschmerga-Kämpfern besteht, ist noch weit davon entfernt, die Kontrolle über Mossul zu übernehmen. Die Gefechte zeigen die Grenzen der irakischen Sicherheitskräfte auf, die sich offenbar immer noch nicht vollständig von der Niederlage gegen den IS vor zwei Jahren erholt haben. Damals nahmen die Islamisten innerhalb von kurzer Zeit weite Teile des West- und Nordiraks ein.

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Wie nicht anders erwartet wurde, verteidigen die IS-Kämpfer mit aller Kraft ihre letzte große Basis im Irak. Und die eine Million Zivilisten, die sich noch in Mossul aufhalten, machen den massiven Einsatz von Waffen unmöglich.

Irakische Kommandeure vor Ort bezeichnen es als alarmierend, dass die Fortschritte bisher eher einseitig ausfallen: Die kampferprobten Spezialkräfte übernehmen die meisten Gefechte und rücken in der Stadt langsam voran; andere Einheiten stecken dagegen außerhalb von Mossul fest. Sie kommen nicht voran, weil sie auf Widerstand treffen, zu unerfahren oder übermüdet sind oder nicht über die passenden Waffen für einen Häuserkampf verfügen.

Eine weitere Herausforderung für die Iraker ist das Kommando über eine so große und heterogene Truppe, die koordiniert eine Stadt übernehmen soll. Das sagt der amerikanische Generalleutnant außer Dienst, Mark Hertling, der ranghöchste US-Soldat im Nordirak während der Aufstockung der amerikanischen Truppen von 2007 bis 2008. „Das bleibt ein harter Kampf“, ist Hertling überzeugt. Viele der irakischen Kommandeure hätten zwar militärische Erfahrung, „aber die meisten Soldaten sind jung, unerfahren und haben noch keine Gefechte erlebt“.

Die Spezialkräfte, die die Vorhut bilden, stehen unter großem Druck, weiter vorzurücken: durch schmale Straßen und Gassen, wo sie sich täglich Selbstmordattentaten und Artilleriebeschuss ausgesetzt sehen. Opferzahlen veröffentlicht das irakische Militär nicht. Aus den Reihen der Offiziere verlautet jedoch, es gebe zahlreiche Tote und Verwundete.


„Es wird erhebliche Opfer geben“

„Wir müssen weiter vorangehen, denn wir erleiden weniger Verluste, als wenn wir still stehen und auf das Vorrücken anderer Einheiten in ihren Sektoren warten“, erklärt Brigadegeneral Haidar Fadhil von den Spezialkräften. „Wir versuchen, langsam vorzurücken, um die Zahl der Opfer zu minimieren und wir sind überzeugt, dass wir am Ende den Befehl erhalten, den westlichen Sektor der Stadt zu befreien, wenn wir hier fertig sind.“

Das könnte noch eine Weile dauern. Die Spezialkräfte haben die IS-Kämpfer aus rund 15 der 39 Viertel im Osten von Mossul vertrieben. Einige dieser Viertel bestehen aus nicht mehr als einer Handvoll Gebäuden. Die Truppen stehen nun etwa drei Kilometer vom Tigris entfernt, der die Stadt in zwei Hälften teilt. Allerdings ist das Gebiet dicht besiedelt und die Männer müssen ständig ihre Flanken sichern.

Im Ostteil der Stadt leben mehr Menschen als im Westen. Positiv lässt sich vermerken, dass die Luftangriffe der Koalition, mit denen die vier Brücken über den Tigris zerstört wurden, dazu beitrugen, die Zahl der Autobombenanschläge zu reduzieren, wie Kommandeure erklären. Gleichzeitig sitzen jetzt die regulären Einheiten am Stadtrand fest. Mühsam hatten sie sich zuvor wochenlang durch Dörfer in der Umgebung gekämpft, nun blicken sie einem ungewissen Häuserkampf entgegen.

So erging es etwa der 16. Infanteriedivision, die rund zehn Kilometer nördlich von Mossul auf heftigen Widerstand traf und ihre Position seitdem nur noch hält. Im Süden steht die 9. Division mit rund 10.000 Mann vier Kilometer vor der Stadtgrenze und ruht sich nach dem langen Kampf dorthin aus.

„Wir sind weder ausgerüstet noch ausgebildet, um innerhalb von Städten zu kämpfen“, sagt ein Mitglied der 9. Division, das seinen Namen nicht nennen will. „Wir sind eine Einheit mit Panzern.“ Gebraucht würden Soldaten, die die eroberten Gebiete halten könnten. Die eigenen Männer seien erschöpft.

Die IS-Kämpfer leisten erbitterten Widerstand. Sie verfügen über ein riesiges Waffenarsenal und kämpfen in einer Stadt, in der sie seit zwei Jahren zuhause sind. Die Extremisten haben ein Netzwerk aus Tunneln angelegt, von denen manche bis zu drei Kilometer lang sind. Bis zu 6.000 IS-Kämpfer werden in der Stadt vermutet, rund 1.500 sollen aus dem Ausland stammen, meist aus Frankreich und Belgien. „Ihre Flucht aus Mossul ist schwierig geworden, also werden sie entweder bis zum Tod kämpfen oder Selbstmordattentäter werden“, sagt ein Soldat.

Der Kampf um Mossul „verlangt eine Kombination aus einem Belagerungskrieg und ständiger Angriffe auf Ziele, die vom Geheimdienst identifiziert wurden und all das, während sich noch Zivilisten in der Stadt und der Umgebung aufhalten“, erklärt Hertling. „Es wird länger dauern, als alle vorhergesagt haben – und es wird erhebliche Opfer geben.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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