ThemaUSA

Kanada-Wahl: Öl oder Öko

Bild vergrößern

Der kanadische Sozialdemokrat Mulcair setzt die Klimaziele des Landes an erste Stelle

von Tim Rahmann

Kanada wählt ein neues Parlament und entscheidet indirekt über seine künftige Wirtschafts- und Energiepolitik.

Als „tree hugger“ verspotten die USA-Amerikaner gerne ihre nördlichen Nachbarn. Die Kanadier, so das Klischee, seien so umweltbewusst, sie würden am liebsten die Bäume umarmen. Tatsächlich zieht es die Kanadier oft in die Natur, sie trennen ihren Müll und kaufen gerne Bio-Produkte. Ihre Öko-Bilanz ist dennoch katastrophal. Kanada ist – gemessen am Pro-Kopf-Ausstoß – einer der größten CO2-Emittenten der Welt. Das liegt vor allem an der Produktion von Rohöl, das Kanada zu über 50 Prozent aus Teersanden gewinnt. Der Prozess ist extrem energieaufwändig und damit klimaschädlich.

Bisher hat sich die Mehrheit der Kanadier damit arrangiert, schließlich sorgte die Ölindustrie für zahlreiche Jobs, gute Löhne und hohe Einnahmen des Landes. Doch der Preisverfall des Rohstoffs hat Kanada, fünftgrößter Ölproduzent der Welt, in die Rezession gestürzt – und zum Nachdenken gebracht. Die Parlamentswahlen am Montag sind nicht nur eine Abstimmung über eine neue Regierung, sondern auch ein Votum über die künftige Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik des Landes.

Anzeige

Wer spart Treibhausgase - wer nicht?

  • Deutschland

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 1,0 (EU Gesamt: 4,3)

    2012: 0,8 (EU Gesamt: 3,7)

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 12,7 (EU Gesamt: 9,1)

    2012: 9,7 (EU Gesamt: 7,4)

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Frankreich

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,4

    2012: 0,4

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 6,9

    2012: 5,9

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Großbritannien

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,6

    2012: 0,5

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 10,3

    2012: 7,7

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Polen

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,3

    2012: 0,3

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 8,1

    2012: 8,5

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Schweden

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,06

    2012: 0,05

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 6,7

    2012: 4,8

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Indien

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,7

    2012: 2,0

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 0,8

    2012: 1,6

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Japan

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 1,2

    2012: 1,3

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 9,5

    2012: 10,4

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Russland

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 2,4

    2012: 1,8

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 16,5

    2012: 12,4

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Brasilien

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,2

    2012: 0,5

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 1,5

    2012: 2,3

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • Südkorea

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 0,3

    2012: 0,6

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 5,8

    2012: 13,0

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • China

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 2,5

    2012: 9,9

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 2,2

    2012: 6,9

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

  • USA

    CO2-Emissionen insgesamt (in Milliarden Tonnen)

    1990: 5,0

    2012: 5,2

    CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen)

    1990: 19,6

    2012: 16,4

    Quelle: EU-Kommission, Emission Database for Global Atmospheric Research (Edgar)

„Es ist eine Richtungswahl“, sagt Politikbeobachter und Energieexperte Benjamin Dachis von der kanadischen Denkfabrik „C.D. Howe Institute“. „Und der Ausgang ist völlig offen.“

Stephan Harper, seit 2006 Ministerpräsident des Landes, setzt weiter auf die Ölindustrie. „Wir können unsere langfristige Politik nicht von Marktschwankungen abhängig machen“, findet der Amtsinhaber bei einem Wahlkampfauftritt nahe Toronto. Die Branche sorge für Wohlstand und mache Kanada unabhängig von Importen aus Krisenländern. Die Ölkonzerne sollen deshalb weiter Steuerrabatte für die Erforschung neuer Ölfelder bekommen; höhere Unternehmenssteuern sollen per Gesetz ausgeschlossen werden. Vor allem aber: Neue Pipelines sollen gebaut und den Rohstoff schneller und kostengünstiger in die USA und an die kanadischen Küsten bringen, von wo aus das Öl über den Pazifik nach Asien gelangen soll.

Den Kanadiern ist der Klimaschutz wichtiger als die Ölförderung

Seine politischen Gegner wollen der Ölindustrie klare Grenzen setzen. Die Liberalen können sich mit „Keystone XL“, einer Pipeline gen Texas, anfreunden, nicht aber mit den Fernleitungen gen Küste; die Sozialdemokraten wollen jedwede Pläne nur realisieren, wenn es die kanadischen Klimaziele nicht gefährdet, so Spitzenkandidat Thomas Mulcair. Und die Grünen wollen die Abhängigkeit vom Öl drastisch verringern und ganz unbescheiden zum weltweiten Vorreiter bei Erneuerbaren Energien werden.

Bei den Wählern dürften die Töne der Opposition gut ankommen. Laut einer Umfrage finden 61 Prozent der Kanadier den Klimaschutz wichtiger als Pipelinebau und die Ölförderung aus Teersand. 70 Prozent wollen, dass ihr Land international eine Führungsrolle im Klimaschutz übernimmt.

„Kanada muss sich entscheiden. Man kann nicht gleichzeitig die Ölförderung aus Teersanden ausweiten und den Ausstoß von Treibhausgasen um 15 oder 20 Prozent reduzieren“, sagt Dachis.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%