Kanzlerin : Charme-Offensive im Reich der Mitte

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Kanzlerin : Charme-Offensive im Reich der Mitte

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Kanzlerin Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao bei der der deutsch-chinesischen Regierungskonsultation

von Henning Krumrey

Es ist noch eine Stunde bis zum offiziellen Beginn der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen, und die Gastgeber spielen noch einmal alles durch. Das Musikcorps übt die Hymnen, die Ehrenformation steht stramm, der Kommandeur bellt seine Befehle und paradiert im Stechschritt über den roten Teppich. Die Begrüßung von Staatsgästen findet in Peking seit einigen Jahren stets in der Großen Halle des Volks statt. Das schützt genauso vor Regen wie vor Hitze. Zwei Soldaten messen den Bodenbelag nach und bringen kleine Markierungen für den Laufweg an.

Jenseits aller Drangsalierungen lassen sich Diktaturen leicht erkennen: an ihrer Architektur und ihrem Zeremoniell. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Je erdrückender die Gebäude, je lauter das Kommandogebrüll, desto unfreier das Regime. Das gigantische Symbol aus Beton, in den fünfziger Jahren im chinesisch-stalinistischen Stil errichtet, macht jeden Menschen klein.

Aber ein wenig legerer als früher geht es schon zu. Weil der Andrang der Journalisten so groß ist, schleppen die Beamten immer neue Absperrkordeln heran, um das Aufstellungsabteil für die Presse zu vergrößern. Früher hätte man alle auf dem einmal festgelegten Raum zusammengepfercht. Und ich darf noch herumspazieren, in Nebenräume schauen, die mehr als mannshohen Vasen bestaunen, die die Gigantomanie des Gebäudes beim Interieur fortsetzen.

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Wie es sich gehört

Als Merkel am Morgen gegen sieben Uhr auf dem Flughafen in Peking landete, gab es nur eine so genannte stille Ankunft. So heißt das Zeremoniell, wenn nur protokollarisch Nachrangige – in diesem Fall der Staatssekretär im Außenministerium und der stellvertretende Protokollchef - den Gast in Empfang nehmen. Zwar ist eine kleine Formation aller Waffengattungen als Ehrenspalier aufmarschiert, mit aufgepflanztem Bajonett, aber es fehlt das Tschingderassabumm. Das soll ja später erst stattfinden.

In der großen Halle des Volkes haben inzwischen die Delegationen Aufstellung genommen. Links vom mittleren Teppichband die Gastgeber, rechts davon die Zugereisten. Die Reihenfolge richtet sich normalerweise nach der Geschäfts- und damit Hackordnung der Bundesregierung, doch Merkel handhabt es anders. An erster Stelle steht nicht der Außenminister, sondern der Vizekanzler, den es in der deutschen Verfassung gar nicht gibt: Also erst Philipp Rösler, dann Guido Westerwelle, dann Wolfgang Schäuble, und so weiter.

Bildungsministerin Annette Schavan ruft gut gelaunt zu mir herüber: „Stellen Sie sich doch mit dazu, wir erklären Sie zum Staatssekretär für Irgendwas.“ Das gäbe einen schönen Eklat, wenn die Kanzlerin beim Vorstellen Ihrer Regierung plötzlich den eingeschmuggelten Journalisten erklären müsste. Und überhaupt: Krumrey als Staatssekretär? „Das wäre für beide Seiten nicht gut“, antworte ich, und Schavan weist „diese Distanzierung von der Regierung“ zurück. Aber genau das soll es sein – wie es sich für Journalisten gehört.

Als Ministerpräsident Wen Jiabao erscheint, wird es urplötzlich still.

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