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Kommentar Kanzlerin in den USA: Schwiegermama ante Portas: Merkel besucht Obama

von Christian Ramthun aus Washington

Bei ihrer USA-Reise trifft die Bundeskanzlerin auf den amerikanischen Präsidenten. Es dürfte ein nüchternes bis gegensätzliches Gespräch über die globalen Krisenherde werden.

Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Ramthun
Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Ramthun

Es ist der erste Besuch von Bundeskanzlerin Merkel beim neuen US-Präsidenten, der immerhin schon fünf Monate regiert. Die Deutsche hat sich Zeit gelassen, und in Washington hat sie kaum jemand vermisst. Nun kommt Merkel, und die Freude darüber entspricht ungefähr der Begeisterung, als wenn die Schwiegermutter im Anmarsch wäre.  Tatsächlich besteht die Gefahr, dass die Gespräche sperrig verlaufen. Und dass die Kanzlerin die Amerikaner wieder belehrt. Nicht vergessen haben die Washingtoner die Kritik Merkels an der ihrer Meinung nach zu lockeren Geldpolitik von US-Notenbankchef Ben Bernanke, der die Finanzmärkte mit billigem Geld flutet.

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Krisenherde im Fokus

Damit beginnen die unterschiedlichen Meinungen und Interessen. Die Deutschen fürchten Inflation, die Amerikaner Deflation. Die Deutschen haben die Regulierung der Finanzmärkte und die Wirtschaftskrise samt freiem Handel oben auf ihrer Agenda, die Amerikaner denken dagegen (neben ihrem Gesundheitssystem) an Afghanistan. Obama wird Merkel auf ein stärkeres Engagement am Hindukusch verpflichten wollen, und es wird schwer werden, dies abzulehnen. Argwöhnisch vermerken die Amerikaner, wie sehr sich die Deutschen dort bislang zurückhalten – und zwar gemessen in der „Währung“ Blut.

Schwieriges Themenfeld Wirtschaft

Was die Kanzlerin auf wirtschaftlichem Felde erreichen wird, ist schwer zu sagen. Die Sorge über protektionistische Tendenzen wird der smarte Obama zu zerstreuen wissen – obwohl die amerikanische Regierung ihre „Buy American“-Klausel im fast 800 Milliarden Dollar schweren Konjunkturprogramm nur diplomatisch entschärft („im Einklang mit internationalen Vereinbarungen“). Auch bei der Regulierung der Finanzmärkte wird Obama die Kanzlerin beruhigen und auf seine eigene Initiative hinweisen. Doch ist fraglich, wie viel von der angepeilten umfassenden Kontrolle der amerikanischen Finanzwirtschaft am Ende realisiert wird. Denn kaum geht es der Wallstreet wieder etwas besser, laufen die Bankenlobbyisten und auch die republikanische Opposition Sturm gegen jede substanzielle Regulierung.

Vielleicht wird Präsident Obama der Kanzlerin noch mit auf den Rückweg nach Berlin geben, mehr Geld zur Wiederankurbelung der deutschen Wirtschaft auszugeben. Und am Ende werden alle Beteiligten aufatmen, wenn der Besuch vorüber ist.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 25.06.2009, 12:44 UhrEsther

    Dem Schreiben ist zu entnehmen, daß wenig Vertrauen in die Kanzlerin Frau Merkel vorhanden ist was Kommunikation, auch Wirtschaftsverständnis - anbelangt .
    Eine nicht harmlose Sache für Deutschland in diesen schweren Zeiten.Wenn wirklich so zutreffend, und das darf fast angenommen werden, warum wird dann die Kanzlerin nicht abgelöst - ein Neukandikdat gekürt der besser agiert, besser kooperieren kann,
    andere Umgangsformen pflegt.

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