Karel van Miert ist tot: RWE verliert EU-Insider

Karel van Miert ist tot: RWE verliert EU-Insider

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Der frühere EU-Kommissar Karel Van Miert, einst einer der einflussreichsten europäischen Politiker, ist tot.

Der tötlich verunglückte Karel van Miert sorgte für gute Beziehungen zwischen Essen und Brüssel - auch beim Essent-Deal.

Der frühere Wettbewerbskommissar Karel van Miert ist tot. Damit ist der deutsche Energiekonzern RWE um einen einflussreichen Mann in seinem Aufsichtsrat ärmer. Van Miert war noch unter dem damaligen Aufsichtsratschef Friedel Neuber in das bei RWE mächtige Kontrollgremium berufen worden.

Unausgeprochen sollte der frühere EU-Kommissar für enge Beziehungen zwischen den Energiemanagern und der scharfen EU-Behörde sorgen. Mit van Miert sollten RWE-Emmissäre und Lobbyisten jederzeit hochkarätigen Zugang zu EU-Kommissaren und Abteilungenleitern bekommen, frühzeitig Meinungstrend innerhalb der Kommission erspüren.

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Der RWE-Vorstand brauchte diese Kontakte, als er mit der europaweiten Liberalisierung der Strommärkte eine forcierte Expansionspolitik bei Strom und Gas begann. Er brauchte Karel van Miert auch, um möglicherweise allzu forschen Alleingängen der Franzosen rechtzeitig einen Riegel vorschieben. Denn der französische Strom-Platzhirsch EdF hat im Schulterschluss mit der französischen Politik immer exzellente Zugänge in die Führungsetagen der Brüsseler Kommission gehabt. Auch hier wollte RWE mit seinem kommissionserfahrenen Aufsichtsratsmitglied mit den Franzosen auf Lobby-Augenhöhe sein.

Einen Nachfolger hat der RWE-Aufsichtsrat natürlich noch nicht vorzuweisen. Van Miert ist erst gestern abend bei Gartenarbeiten verunglückt, er soll sich beim Sturz von einer Leiter tödliche Verletzungen zugezogen haben.

Es wird schwer, einen gleichwertigen Mann vom Kaliber van Miert zu bekommen. Van Miert war auch, so berichten es Aufsichtsratskreise, beim Mehrheitserwerb des holländischen Versorgers Essent behilflich gewesen.

Die holländischen Energiemanager kennen van Miert durch frühere Enlosprozeduren, die der Wettbewerbskommissar außer Diensten beispielsweise bei Shell wegen angeblicher Absprachen beim Benzinpreis in Gang setzte. Auch gegen RWE und seinen deutschen Konkurrenten E.On laufen noch Ermittlungen in Brüssel wegen solcher angeblicher Absprachen, die bisher nicht bewiesen werden konnten. Auch hier fällt mit van Miert ein Mann weg, der RWE die verschlungenen Wege in Brüssel zeigen konnte, auf denen man frühzeitig und schnell über den Stand der Ermittlungen, die sonst stets im Dunklen bleiben, informiert werden konnte.

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