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Katar: Der Öl-Scheich hinter der arabischen Revolution

von Hans Jakob Ginsburg

Der steinreiche Kleinstaat wird im Inneren konservativ und autoritär regiert. Doch in anderen arabischen Ländern fördert Scheich al-Thani den revolutionären Wandel.

Katarer am Uferboulevard in Doha Quelle: Laif
Selbstbewusster Blick in die Welt: Katarer am Uferboulevard in Doha Quelle: Laif

Der große Wandel in der arabischen Welt geht in eine neue, vielleicht entscheidende Phase. In Syrien hat Präsident Baschar al-Assad die Kontrolle über 70 Prozent der bewohnten Gebiete des Landes verloren, behaupten seine zunehmend besser bewaffneten und organisierten Gegner. In Ägypten hat der islamistische Präsident Mohammed Mursi überraschend die bisherigen Spitzenleute des Militärrats entlassen und damit der vor Kurzem noch fast allmächtigen Generalität einen schweren Schlag versetzt. Ein tollkühner Akt, weil die hohen Offiziere nicht nur die Streitkräfte, sondern weitgehend auch das Wirtschaftsleben kontrollieren. Und Mursis Staatskasse ist leer, die Devisenbestände haben sich halbiert, die Versprechen des Präsidenten an seine zumeist armen Wähler sind illusorisch.

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Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht – die Stärke der syrischen Rebellen und Mursis Schlag gegen die Militärs haben etwas gemein: das Wohlwollen eines starken Herrschers aus einem kleinen Land.

Nur einen Tag vor der Entlassung des Feldmarschalls Hussein Tantawi verabschiedete Mursi einen außerordentlich wichtigen Staatsgast: Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, Emir von Katar, hatte dem ägyptischen Präsidenten ein Gastgeschenk mitgebracht, das die politische Lage im größten arabischen Land grundlegend ändert. Der Staat Katar wird zwei Milliarden Dollar bei der ägyptischen Zentralbank deponieren, praktisch ein zinsloser Kredit mit unbeschränkter Laufzeit, jedenfalls solange die Ereignisse am Nil dem reichen Herrscher von Katar in den Kram passen. Ein Viertel des Geldes, 500 Millionen Dollar, würden schon Mitte August nach Kairo fließen, teilte Mursis Finanzminister Mumtaz al-Saeed glücklich mit.

Das Jahr der Proteste

Der Arabische Frühling

Zine el-Abidine Ben Ali, Husni Mubarak und Muammar al-Gaddafi: Die Revolutionswelle in Nordafrika, bekannt geworden unter dem Namen „Arabischer Frühling“, hat gleich drei Machthaber aus dem Amt gefegt. Zuerst protestierten die Menschen in Tunesien gegen Perspektiv- und Arbeitslosigkeit, sowie gegen Polizeigewalt, später auch gegen die Regierung. Am 25. Januar gehen auch im Nachbarland Ägypten die Menschen auf die Straße. 18 Tage später muss Machthaber Mubarak abtreten; in Libyen wehrt sich Gaddafi und bombardiert sein eigenes Volk. Am 20. Oktober töten ihn Rebellen.

Bild: dpa

Ganz anders als die Hilfszusagen der westlichen Industrieländer an die Länder des arabischen Frühlings, die ein Jahr nach der Begeisterungswoge von 2011 immer noch Ankündigungen sind. Anders auch als die finanzielle Unterstützung Ägyptens durch den großen und reichen Nachbarn Saudi-Arabien: Die Saudis haben den Ägyptern im Frühjahr 430 Millionen Dollar für konkrete Entwicklungsprojekte spendiert und außerdem einen 750-MillionenDollar-Kredit für Erdöleinkäufe gewährt. Nicht so schrecklich viel Geld für die arabische und islamische Solidarität angesichts eines saudischen Bruttoinlandprodukts (BIP) von fast 580 Milliarden Dollar im Jahr; das im Vergleich winzige Katar vermeldet ein jährliches BIP von 174 Milliarden Dollar.

Doch Katars gigantische Rolle im Umbruch der arabischen Welt wird gerade dadurch erleichtert, dass es klein ist. „Saudi-Arabien ist wie ein riesiges Schlachtschiff, das sich nur schwer und langsam umsteuern lässt“, sagt Volker Perthes, Kenner der arabischen Welt und Direktor der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, „die kleinen Ölmonarchien sind dagegen so etwas wie Schnellboote, die sofort auf veränderte Situationen reagieren können.“ Ganz besonders, wenn für die Munitionierung des Schnellboots Geld keine Rolle spielt. Und das ist in Katar der Fall.

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