Katar-Krise: Der Druck auf den Wüstenstaat wächst

Katar-Krise: Der Druck auf den Wüstenstaat wächst

, aktualisiert 11. Juli 2017, 09:21 Uhr
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Die Situation bleibt am Persischen Golf nach wie vor angespannt.

Quelle:Handelsblatt Online

Im Streit mit vier arabischen Staaten drohen Katar nun neue Sanktionen. Bisher lässt sich das Golf-Emirat von den Warnungen wenig beeindrucken. Doch das könnte sich ändern, je länger der Konflikt andauert.

DubaiKatar macht keine Anstalten, die Forderungen der vier arabischen Staaten zu erfüllen, die das Golfemirat isolieren. Das bringt das Quartett aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain nun in die Bredouille. Die Verbündeten werfen Doha vor, Terroristen zu unterstützen und die Sicherheit der Golfregion zu gefährden. In einer 13-Punkte-Liste forderten sie Katar unter anderem auf, die Unterstützung für Extremisten einzustellen und die Beziehungen zum Iran zurückzuschrauben.

Indem das kleine, aber reiche Emirat das Ultimatum der vier Staaten ignorierte, zwang es diese Farbe zu bekennen und zu zeigen, welche Macht sie tatsächlich über ihren unberechenbaren Nachbarn haben. Die Verbündeten reagierten nun mit der Androhung weiterer Sanktionen. Doch ihre Optionen sind begrenzt.

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Wenn sie Katar wirklich wehtun wollen, könnten sie die Banken in der Golfregion zwingen, ihre Einlagen aus dem Land abzuziehen. Noch drastischer wäre ein Stopp der Erdgaslieferungen, der wichtigsten Exportquelle des Emirats. Doch an einer derartigen Eskalation dürfte den Beteiligten nach Einschätzung von Analysten kaum gelegen sein.

Die Zwickmühle kommt indes nicht ganz überraschend. Denn die 13 Forderungen waren von Anfang an sehr ambitioniert. Sie reichten bis zum Appell an Doha, den reichweitenstarken Fernsehsender Al-Dschasira zu schließen und Truppen des Nato-Mitglieds Türkei des Landes zu verweisen.

Noch zu Beginn der Krise Anfang Juni waren viele Experten davon ausgegangen, dass Katar rasch kapitulieren würde. Damals brachen Saudi-Arabien und die drei anderen Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zu dem Wüstenstaat ab und verhängten eine Verkehrs- und Handelsblockade. Doch der Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bewies einen langen Atem.

Die Katarer reagierten mit ungewöhnlicher patriotischer Inbrunst und hielten Kundgebungen zur Unterstützung ihres 37-jährigen Emirs Scheich Tamim bin Hamad al-Thani ab, der erst vor vier Jahren an die Macht gekommen war. Der bei vielen Regierungen in der Region lange in Ungnade gefallene Sender Al-Dschasira wird plötzlich wieder als Bollwerk der Pressefreiheit gefeiert.

Katar bezeichnete die Vorwürfe der vier anderen arabischen Staaten, es unterstütze Extremistengruppen, am Freitag als falsch und verleumderisch. Die anderen beschuldigten das Land, alle Bemühungen zur Lösung des Streits zu verhindern.

Nach einem Treffen am Mittwoch in Kairo hatten Saudi-Arabien und seine Verbündeten von einer „negativen“ Antwort aus Doha auf die 13-Punkte-Liste gesprochen. Wenig später kündigten sie neue Strafmaßnahmen an, ohne diese näher zu benennen.

Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri sagte, Katar unterschätze den Ernst der Lage. Dennoch verzichteten die Vier auf sofortige Sanktionen, wie Experten betonten. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass diese Staaten unbedingt einen langfristigen Plan haben, wie sich dieser Konflikt weiterentwickeln wird“, sagte die in Dubai ansässige Analystin Allison Wood von der Risikoberatung Control Risks, die die Lage in Katar genau verfolgt.


Bevölkerung kehrt zur Normalität zurück

Doch das Quartett ließ durchblicken, dass es schon bald handeln will. Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargasch, erklärte auf Twitter, Katar drohten eine größere Isolation, verschärfte Maßnahmen und eine Rufschädigung, wenn es nicht einlenke. Die Schließung der einzigen Landgrenze des Emirats, der zu Saudi-Arabien, sowie die Sperrung des Luftraums und der Seewege der vier Verbündeten für Katar reichten bislang nicht aus, um Doha in die Knie zu zwingen.

Ein anfänglicher Ansturm auf die Supermärkte des Landes wich rasch wieder der Normalität, da die Behörden schnell neue Importquellen für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs auftaten. Die Türkei half ebenso aus wie der Iran, der Erzrivale Saudi-Arabiens. Die Forderung des Quartetts an Katar, die Beziehungen zu Teheran zu beenden, ist auch insofern kaum zu erfüllen, da beide Staaten riesige unterirdische Erdgasvorkommen teilen.

Über die Krise hilft zudem die Freigiebigkeit der Regierung hinweg. Der katarische Außenminister Scheich Mohammed bin Abdel Rahman al-Thani kündigte in dieser Woche an, dass der Staat für zehnfach höhere Frachtkosten für Lebensmittel und Medikamente aufkomme.

Das Vorgehen der Regierung trug nach Ansicht von Beobachtern viel zur Beruhigung im Land bei. „Die Katarer haben innenpolitisch gute Arbeit geleistet, um die Menschen zu beschwichtigen“, sagte Noha Abueldahab vom Ableger der US-Denkfabrik Brookings Institution in Doha. Doch der Schaden könne durchaus größer werden, je länger die Krise andauere.

Die neu angekündigten Sanktionen der arabischen Staaten könnten weit über ihre Luft- und Seeblockade hinausreichen. Unternehmen, die mit Katar Geschäfte machen, könnten mit Arbeitsverboten in den vier Ländern belegt werden. Das wäre keine leere Drohung, da Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die beiden größten Volkswirtschaften in der Region sind und Ägypten der bevölkerungsreichste Markt ist.

Schon vor der neuen Sanktionsdrohung stufte die Ratingagentur Moody's ihren Ausblick für Katar herab und warnte, dass eine rasche Lösung der Krise unwahrscheinlich sei. Strafmaßnahmen unter Einbeziehung der Banken am Golf könnten noch drastischere Folgen nach sich ziehen. Denn ein solcher Schritt würde das Vertrauen der Investoren in das katarische Bankensystem schwächen und die an den Dollar gekoppelte Landeswährung unter Druck setzen.

Ein noch schwerer Schlag wäre eine Unterbrechung der Erdgasexporte. Dazu wäre vermutlich eine militärische Blockade der katarischen Häfen notwendig, um die gewaltigen Tankschiffe von der Einfahrt in die Straße von Hormus im Persischen Golf zu hindern. Solche Maßnahmen kämen einer Kriegserklärung gleich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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