Katar : Krise im Golfstaat stoppt Rekordjagd des Dax

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Katar : Krise im Golfstaat stoppt Rekordjagd des Dax

, aktualisiert 06. Juni 2017, 19:48 Uhr
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Katars Börse in Doha.

Der Streit zwischen Katar und den arabischen Nachbarländern belastet die Börse des kleinen Golfstaats. Die Ölpreise hingegen reagieren bisher kaum auf die diplomatische Krise. Doch Analysten sehen Gefahren.


Die Spannungen rund um das Emirat Katar haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag deutlich ins Minus gedrückt. Der Dax stoppte erst einmal seinen jüngsten Rekordlauf und riss die Marken von 12 800 und 12 700 Punkten. Der Leitindex ging schließlich 1,04 Prozent tiefer bei 12 690,12 Zählern aus dem Handel.

„Es wird sich nun zeigen müssen, wie viel Substanz die zuletzt etablierte Ausbruchsbewegung beim Dax tatsächlich hat“, schrieben die Experten der Landesbank Helaba. Am Freitag hatte das Barometer noch bei 12 878 Punkten eine weitere Bestmarke erklommen, bevor die Gewinne nach den US-Jobdaten für Mai geschmolzen waren. Am Montag wurde hierzulande wegen des Pfingstfeiertags nicht gehandelt.

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Der MDax der mittelgroßen Unternehmen sank am Dienstag um 0,96 Prozent auf 25 448,57 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,52 Prozent auf 2309,88 Punkte nach unten.

Das ist Katar

  • Das Land

    Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch zwar nur etwa halb so groß wie Hessen, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Große Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Land ist 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft.

    Quelle: dpa

  • Die Bevölkerung

    Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Großteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist.

  • Wichtige Verbindungen mit dem Ausland

    Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hat seinen Sitz in Katar. Katar ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.

  • Kritik von Menschenrechtlern

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit.

Am Dienstag reagierten die Anleger verschreckt auf die Zunahme der Spannungen infolge des Abbruchs aller diplomatischen Beziehungen zu Katar durch Saudi-Arabien und andere arabische Staaten. „Dass mehrere Golf-Staaten so plötzlich die Beziehungen mit Katar abbrechen, kam völlig unerwartet“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Auf die Ölproduktion werde dies zwar keinen großen Einfluss haben, aber die Sorge steige, dass sich der Konflikt verschärfen könnte. Die von Sunniten regierten Staaten werfen dem Golf-Emirat die Unterstützung von Terrororganisationen sowie eine zu große Nähe zum schiitischen Iran vor.

Bei den Einzelwerten hierzulande sorgten Analystenkommentare für Bewegung, vor allem bei den Papieren von Wacker Chemie. Sie sackten am MDax-Ende um mehr als 4 Prozent ab. Das Überangebot an Polysilizium werde zur Belastung für den Spezialchemiekonzern, schrieb Analyst Patrick Rafaisz von der Bank UBS.

Eskalation am Golf Katar drohen hohe wirtschaftliche Schäden

Nachdem einige Golfstaaten ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen haben, ist der Flugverkehr über Doha eingeschränkt, die Grenzen dicht. Nun drohen Katar unmittelbar ökonomische Konsequenzen.

Die Skyline der Stadt Doha (Katar). Quelle: dpa

Schlusslicht im Dax waren die Aktien des Pharma- und Agrarchemiekonzerns Bayer mit minus 2,22 Prozent. Kurz nach Börsenschluss wurde bekannt, dass die Leverkusener ihren Anteil an der Tochter Covestro reduzieren. Die Papiere der Lufthansa hingegen gewannen gut 1 Prozent. Die Airline streicht mehr Stellen im Management als bisher geplant. Zudem zeigte sich Konzernchef Carsten Spohr vom laufenden Geschäft positiv überrascht. Die Nachfrage in den USA und China sei besser als gedacht.

Die Nase vorn im Leitindex aber hatten die Versorgerwerte: So zogen RWE um rund 2 und Eon um 2,76 Prozent an. Im MDax gewannen die Aktien von Uniper und Innogy jeweils mehr als 1 Prozent. Angesichts teils hoher Dividendenrenditen zählen viele Investoren die Papiere der Branche aktuell zu den eher defensiveren Werten, was ihnen bei fallenden Kursen zugute kommt.

Die Papiere der Start-Up-Schmiede Rocket Internet büßten im SDax nach wechselhaftem Verlauf rund 2 Prozent ein. Die Anleger hatten sich mit der Einordnung des noch in diesem Jahr angepeilten Börsengangs der Beteiligung Delivery Hero schwer getan. Sie bemängelten unzureichende Details des Essens-Lieferdienstes zum Gang aufs Parkett.

Die Staaten mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen 2016

  • Platz 10

    Schweiz
    59.275 US-Dollar / Kaufkraftparität

    Quelle: Global Finance Magazine

  • Platz 09

    San Marino
    64.443 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 08

    Vereinigte Arabische Emirate
    67.969 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 07

    Norwegen
    69.296 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 06

    Irland
    69.374 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 05

    Kuwait
    71.263 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 04

    Brunei Darussalam
    79.710 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 03

    Singapur
    87.082 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 02

    Luxemburg
    101.936 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 01

    Katar
    129.726 US-Dollar / Kaufkraftparität

Der EuroStoxx 50 fiel um 0,71 Prozent auf 3554,18 Punkte. Der Pariser Leitindex CAC 40 gab ähnlich deutlich nach, während der Londoner FTSE 100 dank des schwachen Pfund, das Exporte verbilligen kann, kaum verändert schloss. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial bewegte sich zum europäischen Handelsschluss nur minimal.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,10 Prozent am Freitag auf 0,09 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 142,09 Punkte. Der Bund Future gewann 0,31 Prozent auf 162,98 Punkte. Der Kurs des Euro legte zu: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1258 (Montag: 1,1249) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8883 (0,8889) Euro.

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