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Keine schnellen Entscheidungen: Berlin hat Athen-Gespräche schon abgehakt

Quelle: Handelsblatt Online

Griechenlands Regierungschef Samaras trifft sich in dieser Woche mit den Euro-Größen in Berlin und Paris. Doch das Schicksal Athens dürfte sich erst in den kommenden Wochen oder Monaten entscheiden.

Bundeskanzleramt in Berlin. Quelle: dpa
Bundeskanzleramt in Berlin. Quelle: dpa

BerlinDie Bundesregierung rechnet mit keinen schnellen Entscheidungen über das Schicksal von Euro-Sorgenkind Griechenland. Es sei nicht zu erwarten, dass bei dem Treffen von Regierungschef Antonis Samaras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag (24.8.) „die großen Weichen gestellt und die wesentlichen Entscheidungen gefällt werden“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

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Koalitionspolitiker hatten zuletzt wiederholt gefordert, Griechenland solle beim Verstoß gegen die Sparauflagen den Euroraum verlassen. Athen muss drastisch sparen, um im Gegenzug weitere Kredite der internationalen Helfer zu erhalten.

Spekulationen über einen erhöhten Finanzbedarf Griechenlands hält die EU-Kommission für verfrüht. „Zunächst muss die Troika Anfang September ihre abschließende Bewertung zur Umsetzung des zweiten (Hilfs-)Programms geben“, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Montag in Brüssel.

Es sei dann an den Euro-Finanzministern, ihre Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, sagte der Sprecher. Die europäischen Kassenhüter werden sich Mitte September auf Zypern treffen - es wird jedoch damit gerechnet, dass es zu Beginn des nächsten Monats ein Sondertreffen in Brüssel geben wird.

Das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket Griechenlands ist fast unter Dach und Fach. Das hatte die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag aus Kreisen des griechischen Finanzministeriums erfahren. Es könnte jedoch nicht ausreichen: Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ist die Finanzierungslücke Griechenlands bis zu 14 Milliarden Euro groß. Das sei das Ergebnis der jüngsten Erkundungstour der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds in Athen. Zu Zahlen nahm der Sprecher von Rehn keine Stellung.

Bis die Troika die nächste Tranche der Hilfsgelder freigibt, hält sich Griechenland mit kurzfristiger Schuldenaufnahme über Wasser. Andernfalls droht die Staatspleite mit anschließendem Euro-Austritt.

„Die Basis für alle Entscheidungen für Griechenland liefert der Bericht der Troika, wenn er denn vorliegt, und zwar der ganze Bericht, keine Teilaspekte, keine Vorveröffentlichungen“, betonte Regierungssprecher Seibert.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte zuletzt in der „Tiroler Tageszeitung“ betont, ein Euro-Austritt Athens sei nur ein Thema „im Fall einer totalen Verweigerung Griechenlands betreffend der Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen“. Der luxemburgische Regierungschef hatte auch als erster EU-Spitzenpolitiker einen zeitlichen Aufschub bei den Auflagen für Athen in Spiel gebracht.


Asmussen für Euro-Verbleib Griechenlands

Griechenland müsse seine Auflagen erfüllen, betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter, am Montag im Deutschlandfunk. „Es ist jetzt nicht Zeit, Ort und auch nicht der sachliche Zusammenhang, in irgendeiner Art und Weise von dem bisher Vereinbarten abzurücken.“ Griechenland müsse vertragstreu bleiben. „Wenn es Abweichungen gibt, müssen diese kompensiert werden“, meinte Kampeter.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sprach sich gegen ein Ausscheiden der Griechen aus der gemeinschaftlichen Währung aus. „Es wäre mit Wachstumseinbußen und höherer Arbeitslosigkeit verbunden und sehr teuer. In Griechenland, in ganz Europa und auch in Deutschland“, sagte Asmussen der „Frankfurter Rundschau“. Die EZB fürchte eine Belastung anderer Krisenländer. Man solle nicht so tun, „als wüsste man mit Sicherheit, was beim Ausscheiden eines Landes am Tag danach passiert“.

Am Montagmittag wollte zunächst der griechische Außenminister Dimitris Avramopoulos in Berlin mit seinem deutschen Kollegen Guido Westerwelle (FDP) zusammentreffen, das Gespräch von Merkel und Samaras ist zum Ende der Woche geplant. Danach trifft der griechische Premier auch Frankreichs Staatspräsident François Hollande in Paris.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.08.2012, 18:35 UhrJens

    @allesverloren: Das ist nur die halbe Wahrheit. Griechenland hat auch außerhalb des Euros keine Chance als Staat, wenn sie weder Willens noch in der Lage sind, ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. Ohne funktionierendes Fiskalsystem hat der Staat niemals die Einnahmen, die er braucht, um seine Aufgaben wahrzunehmen. Auch nach einem Austritt werden sie keine Gläubiger mehr finden. Wenn nicht durch das Land ein Ruck geht, wird es über Kurz oder Lang ein failed state. Vermutlich wären sie mit einer Insolvenzverwaltung von außerhalb am besten dran. Das wird der stolze Grieche aber im Leben leider nicht einsehen.

  • 20.08.2012, 15:40 Uhrallesverloren

    Griechenland hat im Euro keine Chancen, jemals seine Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen.

    Gerade in Deutschland muss man doch wissen, wie schwer das für Ost-Deutschland war. Die Transfers liegen heute noch bei irrealen Größenordnungen und werden nur deshalb akzeptiert, weil man sie gut versteckt hat (im Rentensystem, im Sozialversicherungssystem, im Steuersystem, leider nicht so gut im Länderfinanzausgleich, Soli ist ganz schlecht wegen zu hoher Transparenz).

    Als Grieche wäre ich für den Grexit

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