Kenneth Goldstein: "Bald reicht es den Amerikanern"

InterviewKenneth Goldstein: "Bald reicht es den Amerikanern"

Bild vergrößern

Kenneth Goldstein

von Angela Hennersdorf

US-Ökonom Kenneth Goldstein über den US-Schuldenkompromiss und die Folgen für die Konjunktur.

Herr Goldstein, Amerika ist knapp an einer Staatspleite vorbeigeschrammt. Demokraten und Republikaner haben sich geeinigt, die Schuldenobergrenze bis 2013 um rund zwei Billionen Dollar zu erhöhen und rund eine Billion Dollar zu sparen. Schadet oder hilft dieser Deal der Konjunktur?

Goldstein: Kurzfristig hilft diese Einigung der US-Wirtschaft nicht. Im Gegenteil: Die geplanten Kürzungen belasten die Konjunktur sogar. Je nachdem wie schnell die Einschnitte kommen, werden sie die Nachfrage schwächen. Wir haben mit diesem Deal nur eines erreicht: Amerika kann seine Rechnungen weiterhin bezahlen. Wie wir den riesigen Schuldenberg langfristig abbauen, die lahme Wirtschaft ankurbeln und die hohe Arbeitslosigkeit senken, das ist nach wie vor ungelöst.

Anzeige

Kann die Regierung in Washington jetzt überhaupt noch die Wirtschaft stimulieren, wenn es zu einem neuen Abschwung kommt?

Goldstein: Es wird keinen Stimulus wie während der Rezession geben können– das lassen die Budgetkürzungen nicht zu. Nach dem politischen Drama, das wir in den vergangenen Wochen erlebt haben, können wir nicht munter neue Konjunkturprogramme beschließen. Es geht jetzt eher um die Erhaltung des Status quo: Wir müssen überlegen, wo in Zukunft das Geld herkommen soll, um Straßen oder Brücken zu reparieren. Welche Rolle kann die Zentralregierung überhaupt noch spielen, um die Infrastruktur in diesem Land zu verbessern? Meine Antwort lautet: keine. Dazu hat sie nach diesem Deal absolut keinen Spielraum mehr.

Welche Rolle wird die US-Notenbank zukünftig spielen? Das Programm des „quantitative easing“, mit dem die Fed innerhalb von sechs Monaten über den Kauf von Staatsanleihen und Wertpapieren rund 600 Milliarden Dollar Liquidität in den Markt pumpte, ist im Juni zu Ende gegangen.

Goldstein: Das Thema kommt jetzt bestimmt wieder auf den Tisch. Aber ein weiteres Liquiditätsprogramm der Fed dürfte es angesichts der vergifteten politischen Atmosphäre in Washington nicht geben. Lange war die Fed der letzte Strohhalm für die Politik, diese Rolle kann sie aber nicht weiter spielen. Fed-Chef Ben Bernanke wird gleichwohl an seiner niedrigen Zinspolitik festhalten, eine andere Möglichkeit hat er gar nicht. Bis Ende des Jahres, vielleicht sogar bis weit ins erste Quartal 2012 hinein, dürfte sich an den Leitzinsen nichts ändern.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%