Kim Jong-Un vs. Trump: Kriegsrhetorik als Publikumsmagnet

Kim Jong-Un vs. Trump: Kriegsrhetorik als Publikumsmagnet

, aktualisiert 09. August 2017, 19:47 Uhr
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In den amerikanischen Medien fasziniert der morbide Nervenkitzel eines drohenden Krieges die Zuschauer und Leser.

Quelle:Handelsblatt Online

Donald Trumps Regierung will einen Krieg mit Nordkorea eigentlich vermeiden. Doch die ihm nahestehenden Medien wie „Fox News“ und „Breitbart“ sind vor allem mit Polemik und Kriegstreiberei beim Publikum erfolgreich.

DüsseldorfFür ein paar Minuten könnte man meinen, sie sprächen über Trump. „Er ist unberechenbar.“ „Er ist zu allem fähig.“ „Er ist bauernschlau.“ „Er ernährt sich nicht gut, treibt keinen Sport und hat keine gute Frisur.“

Erst als die Blonde der zwei Frauen eingesteht, dass sein Haar „zumindest gesund aussieht“, wird dem Zuschauer klar, dass nicht der amerikanische Präsident, sondern der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un gemeint ist.   

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Normalerweise dümpeln die Klickzahlen vom Youtube-Kanal von Fox News im vierstelligen Bereich. Aber das Video mit der Frage „Hat Präsident Trump seine Grenze mit Nordkorea erreicht?“, in dem drei Moderatoren und zwei „Experten“ bei „The Fox News Specialists“ tagespolitische Fragen diskutieren, wurde innerhalb der letzten fünfzehn Stunden mehr als 350.000 Mal angeschaut.

In den amerikanischen Medien fasziniert der morbide Nervenkitzel eines drohenden Krieges die Zuschauer und Leser. Dabei hat die Regierung Trump zuletzt eine Politik betrieben, die eine militärische Auseinandersetzung eben nicht anstrebt. In der UN konnten sie mit Unterstützung Chinas und Russlands Sanktionen durchsetzen, nachdem Außenminister Rex Tillerson versprochen hatte, Washington strebe keinen Regimewechsel am. Selbst am heutigen Mittwoch verkündete er noch laut der „New York Times“, dass „die Amerikaner nachts gut schlafen sollten und sich keine Sorgen um die Rhetorik der letzten Tage machen müssen.“

Doch die meisten Reaktionen lösen die trump-nahen Kanäle und Zeitungen wie „Fox“ oder „Breitbart“ nun mal aus, wenn sie die Kriegstrommel rühren. Mehr als 13.000 Kommentare stehen unter einem „Breitbart“-Artikel, der den „Feuer und Zorn“-Tweet zitiert und mit dem martialischen Präsidenten-Zitat endet: „Die Ära der strategischen Geduld mit dem Regime Nordkoreas hat versagt. Die Geduld ist zu Ende.“ Konkret interpretieren viele Leser dies als Zerstörung Nordkoreas – ein nicht selten geäußerter Wunsch in den Kommentarspalten.  

Auch bei „The Fox News Specialists“ sind sich alle einig, dass eine Konfrontation unausweichlich sei. Entweder würden die USA irgendwann angegriffen, oder man schlage selbst zuerst zu. Mit welchen Kenntnissen diese Einsichten gewonnen wurden, ist irrelevant. „Experte“ Terry Schappert, der einst im Fernsehen demonstrierte, wie man eine Hai-Attacke überlebt, zerschlägt die Hoffnung auf eine friedfertige Lösung, indem er die Meinung eines Taxi-Fahrers südkoreanischer Abstammung zitiert, der ihn just zum Studio gefahren hat.

Währenddessen veröffentlicht die liberale „New York Times“ online erneut eine Studie vom letzten Monat, in der 1746 US-Amerikaner Nordkorea auf der Landkarte wiederfinden sollten. Die wichtigste Erkenntnis: Wer sachkundig war und das Land korrekt verorten konnte, zog diplomatische und nicht-militärische Lösungen vor. Das waren aber bloß 36 Prozent der Befragten, die meisten davon über 60 Jahre alt.

Und während sich die Geographiekenntnisse der Amerikaner verschlechtern, wächst ihre Angst stetig weiter. Das Chicago Council on Global Affairs veröffentlichte erst vor zwei Wochen eine Umfrage, nach der 62 Prozent der Bevölkerung einverstanden wären, US-Truppen einzusetzen, um Südkorea zu verteidigen. Mehr als die Hälfte der Republikaner würden einen Luftwaffen-Angriff auf nukleare Produktionsstätten befürworten. Drei Viertel der Amerikaner nehmen Pjöngjang als kritische Bedrohung für ihr eigenes Land wahr – 15 Prozent mehr als 2016.

Und Wahrnehmung ist Realität, wie ein berühmtes amerikanisches Sprichwort besagt. Das fällt auch der Moderatorin bei „The Fox News Specialists“ ein. Als ein Kollege am Ende eine versöhnliche Strategie vorschlägt, die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen, wendet sie ein: „Sie sind mit Propaganda gefüttert worden. Für die sind wir der Feind, der sie zerstören möchte. […] Das ganze wird nicht ganz so einfach sein.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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