Klima-Debatte: G8-Gipfel: Durchbruch für den Klimaschutz?

Klima-Debatte: G8-Gipfel: Durchbruch für den Klimaschutz?

Die G8-Länder haben sich auf das Ziel verständigt, bis 2050 den Ausstoß gefährlicher Treibhausgase um mindestens 50 Prozent zu verringern. wiwo.de fragte den Klimaexperten Mojib Latif, ob diese Festlegung den lang erhofften Durchbruch im Kampf gegen den Klimawandel bringt. Diskutieren Sie mit!

Herr Professor Latif, ist die Festlegung der G8 auf die Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 ein Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel?

Bild vergrößern

Mojib Latif leitet den Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel

Latif: Nein, die Beschlüsse sind kein Meilenstein. Was passieren müsste, wäre eine Reduktion des CO2-Ausstoßes der G8-Länder um 80 Prozent bis 2050. Das würde den Schwellenländern erlauben, ihren Output noch etwas zu erhöhen. Denn global müsste der Output von Treibhausgasen bis 2050 um 50 Prozent sinken. Daher ist der Beschluss  deutlich zu wenig.

Zudem bin mir gar nicht sicher, ob die G8 dieses Ziel tatsächlich beschlossen worden ist. Beim letzten G8-Gipfel in Heiligendamm waren es ernsthafte Überlegungen, aber noch kein konkreter Beschluss. Meine Meinung nach ist diese Formulierung noch immer so windelweich, dass es keine Festlegung ist. Aber selbst wenn, wäre es zu spät.

Anzeige

Deutschland präsentiert sich ja gerne als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Stimmt das?

Latif: Es ist eine Mär, dass Deutschland der große Vorreiter in Sachen Klimaschutz ist. Deutschland hat seit 1990 seinen CO2-Ausstoß um 20 Prozent reduziert. Das ist aber mindestens zur Hälfte der Wiedervereinigung geschuldet. Und wenn man die letzten 10 Jahre betrachtet, ist nichts mehr passiert.

Deutschland ist mit großem Abstand der größte Emittent von Treibhausgasen in Europa mit einer Milliarde Tonnen CO2 pro Jahr. Großbritannien ist europäische Nummer zwei mit 600.000 Millionen Tonnen jährlich, das ist schon ein deutlicher Abstand.

Umgelegt auf die Bevölkerung emittiert ein Deutscher im Jahr zwölf Tonnen CO2. USA liegt beim Pro-Kopf-Ausstoß bei 20 Tonnen, China  bei vier Tonnen, und Indien bei einer Tonne. Im europäischen Vergleich ist Deutschland nicht Spitze, da sind andere Länder wie etwa Frankreich deutlich besser.

Weshalb wehren sich die USA so vehement gegen die Festlegung verbindlicher CO2-Ziele?

Latif: Die Amerikaner wissen, dass das Klimaproblem nur lösbar ist, wenn man ganz stark auf erneuerbare Energien setzt. Das ist auch mit Atomkraft einfach nicht zu schaffen. Aber viele Top-Leute aus Bushs Umfeld kommen aus der Ölbranche. Und das heißt natürlich, dass die Bush-Leute ihr Kerngeschäft schädigen würden.  

Wir brauchen einen Strukturwandel in der Energiewirtschaft. Das machen die menschen nur, wenn sie müssen. Große Veränderungen macht man nur, bis einem das Wasser bis zum Hals steht.

Helfen Atomkraftwerke tatsächlich dabei, den Klimawandel aufzuhalten?

Egal wie sie zu Atomkraft stehen, sie können damit das Klimaproblem nicht lösen. Denn im globalen Maßstab reicht das nicht. Wenn man eine Lösung anbietet, muss man immer fragen, ist die Lösung wirklich nachhaltig. Aber Atomkraft ist keine nachhaltige Art und Weise, Energie zu erzeugen.

Ist die Annahme, dass Menschen die Hauptschuld am Klimawandel tragen, unter Forschern unumstritten?

Latif: Die Tatsache, dass Klimawandel zu 60 Prozent von den Menschen verursacht ist, ist mittlerweile unumstritten. Einige Forscher argumentieren, dass es auch früher Warmzeiten gegeben hat. Das stimmt auch, das letzte Mal vor etwa vor 125 Jahren. Aber das ist nicht der Punkt.

Aber die zukünftige Klimaveränderung ist in Ausmaß und Geschwindigkeit einmalig. Wenn wir noch mal 4 Grad zusätzlich bekommen, wäre das einmalig seit mindestens einer Million. Jahren. Heute haben wir noch keine Rekordwärme. Aber es geht um das Morgen, um das Jahr 2100.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%