Klimagipfel: Die Klimamauschler

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KommentarKlimagipfel: Die Klimamauschler

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Zähe Verhandlungen waren es beim Weltklimagipfel. Am Ende gab es einen Mini-Kompromiss.

Mit den Ergebnissen, die die Politiker am Samstagabend in Doha präsentierten, ist der Klimagipfel schlimmstmöglich gescheitert. Verlierer gibt es viele: das Klima, die Glaubwürdigkeit der Politik und die Weltgemeinschaft.

Nun haben sie es endlich geschafft. Glückwunsch möchte man den Delegierten und Politikern aus knapp 200 Staaten zurufen, die in Doha zwei Wochen lang tagten. Unter ihnen seit Donnerstag auch Bundesumweltminister Peter Altmaier. Nach nächtlichen Sitzungen in der vergangenen Woche und einem 36-stündigen Verhandlungsmarathon seit Freitagabend, präsentierten die Minister nun die Ergebnisse.

Sie zeigen: Die harten Nachtsitzungen hätten sich die Gipfler eigentlich sparen können. Zwar twitterte Altmaier noch am Abend fast euphorisch, „mehr erreicht als lange erwartet“. Aber das gilt eigentlich nur für diejenigen, die von Doha gar nichts mehr erwartet haben. Zwar wird das Kyoto-Protokoll von der EU und weiteren zehn Staaten bis 2020 verlängert – strengere Ziele aber sind nicht festgeschrieben. Weiterhin verpflichteten sich die Industriestaaten, Entwicklungsländern einen Ausgleich für die Schäden des Klimawandels und Geld für seine Bekämpfung zu bezahlen –  genaue Summen enthält das Abschlussdokument aber nicht. Hinzu kommt: Verpflichtungen von China und den USA – den zwei größten Klimaverschmutzern weltweit – fehlen völlig. Auch in vielen anderen Punkten blieb das Abschlussdokument ohne Verbindlichkeit.

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Kurz: Zwar verpflichteten sich die Industrieländer darauf, etwas zu tun – nur was genau, wurde nicht vereinbart. Das alles bleibt weiter hinter dem zurück, was für ernsthaften Klimaschutz nötig wäre. Soll das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen noch erreicht werden, müsste der Ausstoß von Treibhausgasen schon vor 2020 weltweit sinken. Mit den Ergebnissen von Doha wird der Ausstoß stattdessen bis dahin stark steigen und eine Erwärmung von mindestens drei Grad wahrscheinlich. Dass die Länder am Ende des Jahrzehnts doch noch eine radikale Kehrtwende schaffen, ist unwahrscheinlich.  

Der Klimawandel in Zahlen

  • 70.000km²

    Um 70.000 km² – das entspricht etwa der Größe Bayerns – ist der Eispanzer der Arktis in diesem Sommer gegenüber 2007 geschrumpft. 2050 könnte das nördliche Polarmeer im Sommer eisfrei sein.

  • Fast verfünffacht

    Fast verfünffacht hat sich die Zahl der Wetterkatastrophen in Nordamerika seit 1980. In Asien legte sie um das Vierfache, in Europa um das Zweifache zu.

  • Ein Drittel

    Rund ein Drittelsaurer sind die Meere geworden. Folge: Korallen, Muscheln und Fische wachsen langsamer. Bis 2100 könnte die Versäuerung um 150 Prozent steigen.

  • 0,4°C

    0,4°C ist die Erde seit 1980 wärmer geworden. Bis 2100 könnte sich das Klima um rund vier Grad aufheizen.

  • 5cm

    Um 5 cm sind die Meeresspiegel seit 1990 im Mittel gestiegen. Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad werden die Pegel wahrscheinlich um 2,7 m höher sein.

  • 15 Prozent

    Um 15 Prozent sinkt die Reisproduktion bis 2050 in den Entwicklungsländern als Folge der globalen Erwärmung. Bei Weizen werden 13 Prozent weniger geerntet werden.

Es sind vor allem vier Gründe, warum Doha scheiterte:

Erstens war der Gastgeber Katar nur unzureichend darauf vorbereitet, die Verhandlungen zu leiten. Das berichteten Experten während der Konferenz immer wieder. Stattdessen wollte das Emirat sich für die Zukunft als ein Konferenzstandort empfehlen, der solche Megaereignisse schultern kann.

Zweitens sind die Entwicklungsländer in ihren Zielen nicht mehr so vereint, wie noch vor ein paar Jahren. Zwar fordern die ärmsten Staaten – vor allem aus Afrika und die Inselländer des Südpazifik – noch immer starke Klimaziele. Die großen Schwellenländer China, Indien und Brasilien fallen aber inzwischen als ihre Unterstützer aus. Sie wissen: Alles was sie jetzt von den Industriestaaten fordern, müssen sie ab 2020 Jahren selbst umsetzen. Den ärmsten Staaten fehlt inzwischen schlicht die Lobby.

Der dritte Grund für das Scheitern von Doha ist in Europa zu suchen. Die EU konnte sich vor und auch während des Gipfels nicht auf gemeinsame Ziele einigen. Sie hielt daran fest, bis 2020 die Emissionen um 20 Prozent zu senken – obwohl sie dieses Ziel faktisch schon erreicht hat. Auch das Problem der überschüssigen Klimazertifikate in den Ländern Osteuropas wollte niemand ernsthaft angehen.

Der vierte Grund: Innerhalb der EU fiel wiederum Deutschland als Treiber aus. Hier boykottierte das Wirtschafts- gegenüber dem Umweltministerium strengere Ziele und Vorgaben. Ohne klare Linie in Deutschland blieb Europa in Sachen Klima ohne jede Ambition. 

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