Klimagipfel: Viel Lärm um wenig

Klimagipfel: Viel Lärm um wenig

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Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen

Die Rettung der Welt - sie wird vertagt. Obwohl sich in Kopenhagen bei einem Mini-Gipfel 30 Staaten auf eine politische Abschlusserklärung einigen konnten, rückt ein verbindliches Klimabkommen wieder in die Ferne. Und viele UN-Länder sind noch skeptisch und fühlen sich übergangen.

Gegen elf am Freitagabend war es dann passiert. Aber was eigentlich? Nach Stunden mühsamer, hakliger Verhandlungen durchrollte plötzlich eine Pressekonferenz-Ankündigung nach der nächsten das Tagungszentrum in Kopenhagen. Immer wieder waren Erklärungen und Fototermine verschoben worden.

Ein Durchbruch kündigte sich an. Aber es sollte anders kommen. Als auch Angela Merkel gegen Mitternacht endlich vor die Presse tritt, fällt es ihr selbst schwer, das Erreichte als bedingungslosen Erfolg zu verkaufen. Das Tagungszentrum „Bella Center“ hat sie da längst verlassen, der amerikanische Präsident ebenfalls, ihre Erklärung gibt Merkel in einem Flughafenhotel ab. Fast eine Flucht vom Ort des Geschehens. Die Verhandlungen seien extrem schwierig gewesen, sagt sie. Das Ergebnis sehe sie „ausdrücklich mit gemischten Gefühlen“.

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Hinzu kommt: Zu diesem Zeitpunkt haben sich gerade einmal die 30 Kernstaaten geeinigt, die die Verhandlungen am letzten Tag an sich gezogen hatten. Das Plenum aller UN-Mitgliedsländer fängt erst an mit den abschließenden Beratungen.

Noch immer steht die Zustimmung des UN-Plenums aus. Inselstaaten wie Tuvalu fühlen sich vom Prozedere ausgeschlossen und auch Länder wie Bolivien oder Venezuela kündigen Widerstand an. Tuvalus Vertreter Ian Fry richtete in der Nacht eine emotionale Rede an die Delegierten: „Unsere Zukunft lässt sich nicht kaufen", sagte Fry zu den im Text angebotenen finanziellen Hilfen. „Sie boten 30 Silberlinge für den Verrat an unserer Zukunft.“

Der letzte Versuch, mit einem Mini-Gipfel die unübersichtlichen UN-verfahren aufzubrechen, er könnte also auch nach der vermeintlichen Einigung noch scheitern.

Ernüchternde Ergebnisse

Tatsächlich ist die Bilanz von Kopenhagen, angekündigt als der letzte und entscheidende Schritt zu einem verpflichtenden und globalen Klimaschutz-Abkommen, ernüchternd:

Das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, wird bestätigt - für Merkel einer der Erfolge des Gipfels.Das eigentliche konkrete Reduktionsziel, bis 2050 die Emissionen um 50 Prozent zu senken, konnte hingegen nicht durchgesetzt werden.Die Entwicklungsländer sollen bis 2012 etwa 30 Milliarden US-Dollar im Kampf gegen den Klimawandel erhalten. Bis 2020 sollen die Summen auf 100 Milliarden jährlich anwachsen.

Nach Kopenhagen folgt nun im Sommer in Bonn eine weitere Minister-Konferenz, danach in einen Jahr ein neuer Gipfel in Mexiko, um endlich einen rechtsverbindlichen Rahmen für den Klimaschutz zu schaffen. Offenbar ist nach den Gipfel einfach wieder nur vor dem Gipfel.

Vorausgegangen war ein unübersichtlicher und langer Freitagabend in Kopenhagen. Mehrere Fassungen des Abschlussdokumentes - „Copenhagen Accord“ - zirkulierten, wenn auch immer noch mit entscheidenden Platzhaltern bei den CO2-Reduktionszielen. Zwischenzeitlich kam kurz Bewegung in das Konferenzzentrum, als eine Presseerklärung Barack Obamas angekündigt wurde, die sich wenige Minuten später als loses Gerücht entpuppte.

Die ursprünglich angekündigten Erklärungen waren bereits gegen achtzehn Uhr noch einmal auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Merkel hatte nach ihren ersten Plänen da bereits wieder auf der Rückreise nach Deutschland sein wollen. Es kam anders.

Am frühen Freitagnachmittag hatte Bundesumweltminister Norbert Röttgen noch für vorsichtigen Optimismus gesorgt. Zwischen drei und halb acht Uhr der Nacht zuvor hatte er mit Kollegen an einem Kompromissentwurf gearbeitet. Übermüdet, aber mit Energie erklärte er dann die Fortschritte. „Wir bleiben im Zeitplan“, versprach Röttgen. „Heute fallen die Würfel.“ Der vorhandene Text, so Röttgen weiter, böte so viel, dass es nicht vertretbar wäre, ihn fallen zu lassen.

Ganz recht hat er am Ende, nur zehn Stunden später, nicht behalten.

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