Klimakonferenz: Ist das Klima jetzt gerettet?

Klimakonferenz: Ist das Klima jetzt gerettet?

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Gemeinsam wollen sich die 195 Teilnehmer der Konferenz für mehr Klimaschutz einsetzen.

Ein erster Erfolg für den Klimaschutz: Nahezu alle Staaten der Welt versprechen, sich gemeinsam für das Klima einzusetzen. Doch ist damit das Klima gerettet?

Begeisterung bei Ministern und Klimaschützern: Läuft alles nach Plan, dann haben die Staaten auf dem Klimagipfel in Paris die Erde vor einer künftigen Klimakatastrophe bewahrt. Zugleich läuteten sie das Ende der fossilen Energien Kohle, Öl und Gas ein.

„Wir haben ein Ziel, das in Einklang mit der Wissenschaft ist“, sagt der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. Die Politiker, Industrie und Bürger haben es nun jedoch in der Hand, ob der Beschluss auch umgesetzt wird. Daher hat der Klimavertrag Stärken und Schwächen.

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Positiv: Die Staaten vereinbarten, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf klar unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Das Zwei-Grad-Ziel soll die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden, auch die G7-Staaten hatten sich explizit nochmal dazu bekannt. Zudem sollen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als sogenannte CO2-Senken, also zum Beispiel das Pflanzen von Wäldern, ausgleichen können. „Das ist ehrgeiziger als das Ziel der G7-Staaten, von Kohle, Öl und Gas wegzukommen, weil es alle Treibhausgase, also auch Methan und Lachgas, umfasst“, sagt Malte Meinshausen von der australischen Universität Melbourne.

Chronik im Kampf gegen den Klimawandel

  • Montreal 1987

    Regierungen versprechen in einem Vertrag, die Emissionen von für die Ozonschicht schädlichen Chemikalien zu begrenzen. Das sogenannte Montreal-Protokoll befasst sich zwar nicht ausdrücklich mit dem Klimawandel, doch wird es zu einem Modell dafür, wie vom Menschen verursachte Emissionen durch internationale Abkommen eingeschränkt werden können.

  • New York 1988

    Die UN-Generalversammlung befürwortet die Bildung des sogenannten Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderungen, auch Weltklimarat genannt. Dieser wird von der Weltorganisation für Meteorologie und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen eingerichtet, um das vorhandene Wissen über den Klimawandel zu beurteilen.

  • London 1990

    Der Weltklimarat veröffentlicht seine erste wissenschaftliche Beurteilung des Klimawandels. Demnach nehmen die Treibhausgaswerte in der Atmosphäre aufgrund menschlicher Aktivität zu, was zu einer Erwärmung der Erdoberfläche führt.

  • Rio 1992

    Staats- und Regierungschefs unterzeichnen die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Ziel ist die Begrenzung der Treibhausgase. Allerdings legt die Konvention keine bindenden Ziele fest.

  • Kyoto 1997

    Das sogenannte Kyoto-Protokoll wird angenommen. Dieses setzt bindende Emissionsziele für wohlhabende Länder. Die USA handeln den Vertrag mit aus, ratifizieren ihn aber letztlich nicht.

  • Moskau 2004

    Der russische Präsident Wladimir Putin macht mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokoll den Weg für das Inkrafttreten frei. Denn die Voraussetzung ist erfüllt: Der Vertrag wird von Ländern unterstützt, die zusammen für mehr als 55 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind.

  • Bali 2007

    Eine UN-Klimakonferenz einigt sich darauf, bis 2009 ein weltweites Abkommen als Ersatz für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln.

  • Kopenhagen 2009

    Der erste Anlauf des verbindlichen globalen Klimaabkommens scheitert. Grund sind Meinungsverschiedenheiten zwischen reichen und armen Ländern, wer wie viel für den Klimaschutz leisten soll.

  • Durban 2011

    Bei UN-Klimagesprächen einigen sich die Teilnehmer, im Jahr 2015 ein für alle Staaten gültiges Abkommen abzuschließen und fünf Jahre später in Kraft zu setzen.

  • Stockholm 2013

    Der Weltklimarat erklärt es für „äußerst wahrscheinlich“, dass menschlicher Einfluss der führende Grund für steigende Temperaturen sei, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfasst wurden.

  • Paris 2015

    Mehr als 190 Delegationen erarbeiten den Entwurf des globalen Abkommens.

Negativ: Die vorgelegten nationalen Klimaziele reichen allenfalls, um die Erdtemperatur auf rund drei Grad zu begrenzen. Und das Abkommen schreibt nicht vor, die Klimaschutzpläne schnell zu verbessern. „Wenn diese aber nicht verschärft werden, ist zumindest das 1,5-Grad-Ziel schon begraben“, sagt Jan Kowalzig von Oxfam. Die EU etwa solle sofort anfangen, ihr Ziel zu verbessern, von 1990 bis 2030 den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent zu senken. „Denn jetzt wird das Ziel in nationale Gesetze umgesetzt, dann ist es erstmal fest. Die EU wird damit mit zum Totengräber des 1,5-Grad-Zieles.“

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erfüllen, dürften gerechnet von 2011 an nur noch etwa 1000 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen. „Wenn man die derzeitigen Selbstverpflichtungen der Staaten zusammenrechnet, werden bis 2030 schon 800 Gigatonnen ausgestoßen“, sagte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Es gibt dann nur ein winziges Fenster, um unter zwei Grad zu bleiben, und die Tür zu 1,5 Grad ist dann geschlossen.“

Das kann passieren: Bereits eine Erderwärmung um zwei Grad hat nach Angaben von Levermann große Folgen: Unter anderem sterbe ein großer Teil der Korallen weltweit. „Das arktische Meereis wird schmelzen und damit das Wetter auch in Deutschland beeinflussen“, erläutert der Klimaforscher. „Eine Stadt wie Hamburg kommt unter massiven Anpassungsdruck.“ Hamburg gäbe es seit mehr als 500 Jahren, es könnte innerhalb der kommenden 500 Jahre aber großteils unter dem Meeresspiegel liegen. „Bei einer Erderwärmung von nur 1,5 Grad wird das Risiko für solche Schäden einfach geringer.“

Die Meeresspiegel werden um mehrere Meter steigen, das ist sicher. Billionen Dollar von Vermögen drohen in den nächsten Jahrzehnten zu versinken. Wo ist es besonders kritisch und was können wir retten?

Das ist zu tun: „Die Klimaziele müssen jetzt schnell freiwillig erhöht werden, aber sie sind ja ohnehin freiwillig“, sagt Schellnhuber. Das gelte auch für Deutschland und die EU. „Wenn Ministerin Barbara Hendricks sagt, wir wollen das 1,5-Grad-Ziel unterstützen, dann muss sofort der deutsche Klimaschutzplan nachgebessert werden. Dann muss man alles darin noch mal auf den Prüfstand stellen.“

Der Vertrag habe zwar keinen Sanktionsmechanismus, „aber man hat es sich gegenseitig in die Hand versprochen“, sagte Schellnhuber. „Es wurde Zwang durch Moral ersetzt, was ja oft besser ist.“ Ähnlich sieht es der Forscher Meinshausen. „Wir hoffen, dass die Staaten mehr machen, als in ihren Klimazielen steht.“

Nach den Worten von Levermann muss es einen schnellen Strukturwandel bei der Energieerzeugung geben. Es dürften keine Kohlekraftwerke mehr gebaut werden. „Gleichzeitig muss dann die Energieeffizienz erhöht werden.“

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Johan Rockström, Leiter des Stockholm Resilience Centre, nannte das Abkommen einen Wendepunkt in Richtung 1,5- bis 2-Grad-Ziel, sagte aber zugleich: „Paris ist ein weltweiter Startpunkt.“ Nun müssten Taten folgen, die im Einklang mit der Wissenschaft bis 2050 zu einer Abkehr von Kohle, Öl und Gas führen.

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