Klimakonferenz: UN-Klimavertrag setzt Stoppschild für Erderwärmung

Klimakonferenz: UN-Klimavertrag setzt Stoppschild für Erderwärmung

Auf der Pariser Klimakonferenz gelingt eine historische Einigung. Erstmals müssen alle Staaten beim Klimaschutz mitziehen. Nun wird diskutiert, was jeder einzelne Staat tun muss.

Die Weltgemeinschaft hat mit einem historischen UN-Klimaabkommen den Abschied von Öl, Gas und Kohle eingeläutet. US-Präsident Barack Obama sprach von einem möglichen „Wendepunkt für die Welt“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte: „Mit dem heute verabschiedeten Klimavertrag hat sich zum ersten Mal die gesamte Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichtet.“ Das Abkommen soll die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen. Während viele Umweltschützer dafür einen guten Anfang sahen, wurde hier und da auch Skepsis laut.

Frankreichs Präsident François Hollande jedenfalls dankte am Samstagabend den Hunderten Delegierten: „Sie waren fähig, über Ihre legitimen Interessen hinauszuwachsen.“ Konferenzteilnehmer fielen sich jubelnd in die Arme. Viele von ihnen hatten jahrelang für das Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung gekämpft.

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US-Außenminister John Kerry sagte, der Vertrag sende eine „Botschaft an die internationalen Märkte“. Investoren würden nun verstärkt auf erneuerbare Energien setzen.

Umweltschützer reagierten meist positiv, einige sogar euphorisch. Sie hätten sich aber stärkere Verpflichtungen und mehr Hilfe für Entwicklungsländer gewünscht. Christoph Bals von Germanwatch meinte: „Das Abkommen wird die Welt der Energie- und Klimapolitik verändern.“

Was der Klimavertrag für wen bedeutet

  • Deutschland

    Als reiches Industrieland soll Deutschland laut Vertrag beim Klimaschutz vorangehen. Gerade nach dem offensiven Auftreten der Bundesregierung in den Verhandlungen fordern Opposition und Umweltschützer, dass Berlin jetzt die Energiewende forciert und schnellstens den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle-Stromproduktion einleitet. Um die Klimaziele für 2030 zu erreichen, müsse bis dahin mehr als die Hälfte der Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, so die Denkfabrik Agora Energiewende.

  • Golfstaaten

    Für die Ölproduzenten am Arabischen Golf ist der notwendige Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ein heftiger Einschnitt, der ihr gesamtes Wirtschaftsmodell infrage stellt. Die Wüstenstaaten müssen versuchen, sich rechtzeitig neue Einkommensquellen zu schaffen.

  • Pazifik-Inseln

    Für die kleinen Inselstaaten ist das im Abkommen erwähnte 1,5-Grad-Ziel ein Hoffnungsschimmer. Sie konnten die Konferenz nutzen, um ihre Angst vor dem Untergang deutlich zu machen. Doch die Gefahr ist längst nicht gebannt, die 1,5 Grad sind extrem schwer zu schaffen - die Inseln müssen sich deshalb auch auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.

  • Investoren

    Großanleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen denken zunehmend darüber nach, ob sich Investitionen in Öl, Kohle und Gas künftig noch genug rentieren. Wenn die Staaten Ernst machen mit dem Klimaschutz, dürfte sich dieser Trend verstärken. Zugleich könnte das Klimaabkommen Investitionen in erneuerbare Energien neuen Schwung geben.

  • Indien

    Als Entwicklungsland darf Indien sich zwar noch Zeit lassen, bis es seine Emissionen drosselt. Trotzdem wird Klimaschutz für den Riesenstaat eine gewaltige Aufgabe. Denn gleichzeitig muss Indien seine Wirtschaft weiter ausbauen - denn ein Fünftel der Inder lebt noch in Armut, noch immer haben 300 Millionen Menschen keinen Strom. Allerdings kann das Land nun auf Unterstützung aus den Industriestaaten setzen, um beispielsweise künftigen Energiehunger aus sauberen Quellen zu stillen.

Zentrales Ziel der 195 Länder ist es, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen - wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Der Haken: Die bislang vorliegenden nationalen Klimaschutzpläne reichen dafür bei weitem nicht aus. Und auch künftig entscheidet jedes Land selbst über seinen Beitrag zum großen Ziel.

Daran stört sich der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn: „Das Abkommen enthält vor allem moralische Appelle und Lippenbekenntnisse“, kritisierte er. „Es sieht jedoch keinerlei Instrumente vor, mit Hilfe derer die unwilligen Länder zum Mitmachen bewegt werden könnten.“

Auch der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, beklagte: „Die Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig.“

Chronik im Kampf gegen den Klimawandel

  • Montreal 1987

    Regierungen versprechen in einem Vertrag, die Emissionen von für die Ozonschicht schädlichen Chemikalien zu begrenzen. Das sogenannte Montreal-Protokoll befasst sich zwar nicht ausdrücklich mit dem Klimawandel, doch wird es zu einem Modell dafür, wie vom Menschen verursachte Emissionen durch internationale Abkommen eingeschränkt werden können.

  • New York 1988

    Die UN-Generalversammlung befürwortet die Bildung des sogenannten Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderungen, auch Weltklimarat genannt. Dieser wird von der Weltorganisation für Meteorologie und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen eingerichtet, um das vorhandene Wissen über den Klimawandel zu beurteilen.

  • London 1990

    Der Weltklimarat veröffentlicht seine erste wissenschaftliche Beurteilung des Klimawandels. Demnach nehmen die Treibhausgaswerte in der Atmosphäre aufgrund menschlicher Aktivität zu, was zu einer Erwärmung der Erdoberfläche führt.

  • Rio 1992

    Staats- und Regierungschefs unterzeichnen die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Ziel ist die Begrenzung der Treibhausgase. Allerdings legt die Konvention keine bindenden Ziele fest.

  • Kyoto 1997

    Das sogenannte Kyoto-Protokoll wird angenommen. Dieses setzt bindende Emissionsziele für wohlhabende Länder. Die USA handeln den Vertrag mit aus, ratifizieren ihn aber letztlich nicht.

  • Moskau 2004

    Der russische Präsident Wladimir Putin macht mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokoll den Weg für das Inkrafttreten frei. Denn die Voraussetzung ist erfüllt: Der Vertrag wird von Ländern unterstützt, die zusammen für mehr als 55 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind.

  • Bali 2007

    Eine UN-Klimakonferenz einigt sich darauf, bis 2009 ein weltweites Abkommen als Ersatz für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln.

  • Kopenhagen 2009

    Der erste Anlauf des verbindlichen globalen Klimaabkommens scheitert. Grund sind Meinungsverschiedenheiten zwischen reichen und armen Ländern, wer wie viel für den Klimaschutz leisten soll.

  • Durban 2011

    Bei UN-Klimagesprächen einigen sich die Teilnehmer, im Jahr 2015 ein für alle Staaten gültiges Abkommen abzuschließen und fünf Jahre später in Kraft zu setzen.

  • Stockholm 2013

    Der Weltklimarat erklärt es für „äußerst wahrscheinlich“, dass menschlicher Einfluss der führende Grund für steigende Temperaturen sei, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfasst wurden.

  • Paris 2015

    Mehr als 190 Delegationen erarbeiten den Entwurf des globalen Abkommens.

Anders als bisher ist Klimaschutz künftig Aufgabe aller Staaten und nicht nur der Industrieländer. Laut Vertrag soll der Ausstoß von Treibhausgasen möglichst bald sinken. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen dann nicht mehr Gase ausgestoßen werden, als an anderer Stelle - etwa durch Aufforstung - aufgenommen werden.

Um Entwicklungsländern zu helfen, sollen die Industriestaaten in den Jahren 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden Dollar (91 Milliarden Euro) bereitstellen. Das kann private Investitionen einschließen. Das Geld ist für Klimaschutz und die Bewältigung der Folgen der Erderwärmung gedacht.

Nach 2025 soll der Betrag steigen. Schwellenländer wie China oder die Ölstaaten sollen sich freiwillig beteiligen. „Es ist das beste Ergebnis, auf das wir hoffen konnten“, kommentierte Giza Gaspar Martins aus Angola im Namen der am wenigsten entwickelten Länder die Einigung.

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) betonte, die Staaten müssten ab 2020 alle fünf Jahre neue Klimaschutzpläne vorlegen, „die so ambitioniert wie irgend möglich sein müssen“. Außerdem müsse jedes Land über seine Emissionen berichten, „damit die Fortschritte nicht nur auf dem Papier stehen“.

Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, forderte, die Klimaziele müssten jetzt schnell freiwillig erhöht werden, und zwar auch in der EU. Schellnhuber erklärte: „Wenn Ministerin Barbara Hendricks sagt, wir wollen das 1,5-Grad-Ziel unterstützen, dann muss sofort der deutsche Klimaschutzplan nachgebessert werden.“

Frankreichs Präsident Hollande versprach, sein Land wolle seine Treibhausgas-Sparpläne spätestens bis 2020 überarbeiten.

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Der Klimavertrag muss noch auf nationaler Ebene bestätigt werden. Gültig wird er, wenn ihn mindestens 55 Prozent der Staaten, die zusammen mindestens 55 Prozent der Treibhausgase ausstoßen, akzeptieren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erinnerte daran, dass dem Abkommen konkretes Handeln folgen müsse: „Die Arbeit beginnt morgen!“

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