Klimakonferenz: Wider die Weltverschwörung

KommentarKlimakonferenz: Wider die Weltverschwörung

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefanie Augter

Der Hackerangriff auf britische Klimaforscher hat enthüllt: Wissenschaftler sind keine Heiligen, einzelne Vertreter geradezu diabolischer Natur, der UN-Klimarat ist nicht unfehlbar. Die Glaubwürdigkeit der Gelehrten steht auf dem Spiel. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefanie Augter.

Der Skandal hat das Potenzial, das Klima zu gefährden – und zwar das der Konferenz selbst. Dabei ist das Ganze ein höchst durchsichtiges Manöver. Da dringen Hacker in die Rechner des renommierten Instituts für Klimaforschung an der University of East Anglia ein und stehlen über 1000 Emails, Dokumente und geheime Daten – jahrelange Korrespondenz zwischen führenden Klimaforschern. Mitte November – kurz vor der Klimakonferenz – taucht das digitale Diebesgut im Internet auf. Zufall? Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Seitdem ist in den USA von „Climate-Gate“ die Rede – in Anspielung auf den Watergate-Skandal um Präsident Richard Nixon. „Wissenschaftsfaschismus“ schimpfen Republikaner und freuen sich doch insgeheim über die Steilvorlage. Denn der Briefwechsel zeigt die Klimaforscher in einem wenig schmeichelhaften Licht. So schreiben sie etwa über Strategien, wie Daten verborgen werden können und wie man die Arbeit anderer unterdrückt. Das ist natürlich höchst unprofessionell – dürfte aber nicht nur unter Klimaforschern Anhänger finden.

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Notorische Nörgler

Die Frage ist aber, ob sich aufgrund der kritisierten Verfehlungen einzelner Eiferer tatsächlich Rückschlüsse auf eine Weltverschwörung der Wissenschaft ziehen lassen. Für einen solchen Generalverdacht fehlen bisher schlicht die Beweise. Im Gegenteil: Kritische Aussagen finden seit je her Eingang in den Klimabericht, in den Autorenteams des Weltklimarates sind auch so genannten Skeptiker vertreten. Die Ergebnisse sollten trotzdem systematisch überprüft, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden – schon allein, um die beschädigte Glaubwürdigkeit der Zunft wieder herzustellen.

Wenn die Temperaturkurve bestätigt, die Übertäter bestraft und die Debatte entschärft ist, müssen die notorischen Nörgler einen anderen Kritikpunkt suchen. An Kreativität wird es nicht mangeln: Vielleicht leugnen sie nach guter, alter Sitte kurzerhand das Schmelzen der Gletscher – oder wittern dahinter eine neue Verschwörung. So zum Beispiel: Diese verrückten Ökos schaufeln das ewige Eis nachts heimlich weg…

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