Know-how-Transfer: Chinas Jagd nach Europas Hightech

Know-how-Transfer: Chinas Jagd nach Europas Hightech

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Drehmaschine

von Matthias Kamp

Unternehmen aus Fernost wollen ihr Engagement in der Europäischen Union in den nächsten Jahren massiv ausbauen. Bei den chinesischen Investitionen in Deutschland lief es aber nicht immer gut.

Jiang Jianqing mag keine halben Sachen. Gleich fünf neue Niederlassungen will der Chef der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) in den kommenden Jahren in Europa eröffnen. Zu den Filialen in London, Luxemburg und Frankfurt sollen Niederlassungen in Amsterdam, Mailand, Madrid, Brüssel und Paris kommen. Die Offensive des chinesischen Finanzhauses sei nur logisch, findet Jiang, denn man müsse Chinas Unternehmen bei ihrer Expansion im Ausland begleiten.

Nur kurz hatten chinesische Manager während der Finanzkrise ihren Vorstoß nach Europa gebremst. Investitionen in Pleitebanken wie die belgische Fortis Bank hatten für Ernüchterung in Peking gesorgt. Inzwischen jedoch haben die Unternehmen ihre Aktivitäten in der EU wieder hochgefahren. Telekomausrüster wie Huawei und ZTE bauen ihre Vertriebsbüros und Forschungslabors aus. Maschinenbauer aus dem Reich der Mitte halten wieder Ausschau nach interessanten Übernahmekandidaten, vor allem in Deutschland. Und die Bank of China, Chinas größtes Geldinstitut, erwägt eine Beteiligung an Portugals drittgrößtem Finanzinstitut, der BPI.

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Insgesamt haben sich Chinas Investitionen in Europa seit 2000 verfünffacht. Deutlich mehr als gut drei Milliarden Dollar haben Firmen aus China bis heute in Europa investiert. Das sind zwar nur 1,1 Prozent der gesamten ausländischen Investitionen, die nach Europa fließen. Doch Experten erwarten, dass der Anteil in den nächsten Jahren kräftig steigen wird. So hat Chinas Staatsfonds China Investment Corporation inzwischen mehr als 20 Prozent seines im Ausland angelegten Vermögens in Europa investiert. In Deutschland haben sich die Chinesen kumuliert bislang mit rund 600 Millionen Euro engagiert.

Lukratives Geschäft

Die Unternehmen aus China haben es vor allem auf Technologie, Vertriebswege und bekannte Markennamen abgesehen. Maschinenbauer aus dem Reich der Mitte haben beispielsweise in Deutschland Firmen wie Schiess, Dürkopp Adler und Waldrich Coburg geschluckt, um ihre Produktpalette zu modernisieren. Als spektakulärste Übernahme in Europa durch ein chinesisches Unternehmen gilt bislang die Akquisition von Volvo durch den chinesischen Hersteller Geely. Wie viele andere Firmen aus China will Geely sich nicht jahrelang damit aufhalten, mühsam eine eigene Marke mit dazugehörigem Image aufzubauen. Stattdessen akquiriert der Konzern lieber ein weltweit bekanntes Unternehmen und wird darunter in Zukunft vermutlich auch seine chinesischen Autos anbieten. Das wiederum könnte weitreichende Folgen für westliche Konkurrenten haben. Das lukrative Geschäft mit den Dienstwagen der chinesischen Regierung dürfte in ein paar Jahren Geely und nicht mehr Audi machen.

Das Fürchten lehren

Die chinesische Regierung forciert die Expansion der Unternehmen ins Ausland nach Kräften. In einem umfangreichen „Leitfaden von Ländern und Industrien für Übersee-Investitionen“ hat das chinesische Handelsministerium detailliert aufgelistet, in welchen Branchen und Ländern Chinas Unternehmen künftig investieren sollen. Peking möchte High-Tech-Konzerne, die die westlichen Konkurrenten das Fürchten lehren. Offizielles Ziel der Regierung ist, dass bald 50 der 500 weltgrößten Unternehmen aus China kommen sollen. So wie in der Vergangenheit Samsung aus Südkorea sollen aus heute noch international namenlosen Billiganbietern schlagkräftige Global Player werden.

Doch längst nicht immer ist der Sprung der Chinesen nach Europa von Erfolg gekrönt. Die Übernahme des maroden TV-Herstellers Schneider aus Türkheim durch das chinesische Unternehmen TCL war ein Fehlschlag. Dürrkopp Adler in Bielefeld stand 2009 auf der Kippe. Hui Zhao, China-Experte der Rechtsanwaltskanzlei Noerr in Frankfurt, schätzt die Zahl der deutschen Unternehmen auf mehr als 50. „Höchstens fünf davon“, sagt er, „werden professionell geführt und laufen gut.“

Oftmals scheitern die Aktivitäten der Chinesen an mangelnder Erfahrung, etwa mit der Gesetzgebung in Europa, oder an einer fehlenden Strategie, wie das Übernahmeziel sinnvoll in das Unternehmen integriert werden kann.

Dazu kommt: In Europa sind viele Glücksritter aus China unterwegs. Aber auch deutsche Wirtschaftsförderer rollen manchmal zu schnell den roten Teppich aus, wenn ein Chinese anklopft. Vor zwei Jahren kündigte der Baumaschinenhersteller Sany an, er werde in der Nähe von Köln 100 Millionen Euro investieren. Bisher sei kaum etwas von dem Geld geflossen, heißt es bei Beratern, die das Geschäft begleitet haben.

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