Kobane: Kurden drängen IS zurück

Kobane: Kurden drängen IS zurück

, aktualisiert 14. Oktober 2014, 13:13 Uhr
Bild vergrößern

Die US-Luftwaffe bombardiert Kobane.

Der Kampf um Kobane tobt mit unverminderter Härte. Am Dienstag wurden neue Luftangriffe geflogen. Nach Angaben kurdischer Kämpfer konnten sie einen strategischen Standpunkt zurückerobern.

Vor dem Hintergrund heftiger Kämpfe um die Kurdenstadt Kobane in Syrien bombardiert die türkische Luftwaffe einem Medienbericht zufolge PKK-Stellungen in der Türkei. Wie die Zeitung „Hürriyet“ am Dienstag berichtete, flogen F-16- und F-4-Kampfflugzeuge Angriffe gegen Stellungen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Südosten des Landes.

PKK-Kämpfer hätten zuvor mehrfach eine Polizeistation in Daglica in der Grenzregion zum Irak unter Beschuss genommen, schrieb die Zeitung. Es sei der „erste umfassende Luftschlag“ gegen die PKK gewesen, seit die Organisation im März vergangenen Jahres einen Waffenstillstand erklärt hatte.

Anzeige

Der PKK, die eng mit den in Kobane kämpfenden kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in Syrien verbunden sind, seien mit den Luftschlägen „schwere Verluste“ zugefügt worden. Die verbliebenen Rebellen hätten das Weite gesucht. Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Zwischen den USA und der türkischen Regierung gibt es derzeit Streit über die Nutzung türkischer Stützpunkte durch die US-geführte internationale Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Regierung in Ankara lehnt einen Alleingang mit Bodentruppen in Nordsyrien ab. Die Türkei pocht auf ein gemeinsames Vorgehen, das sich auch gegen das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad richtet.

Das Regime in Damaskus greift weiterhin oppositionelle Kämpfer in Syrien aus der Luft an. Die syrischen Menschenrechtsbeobachter zählten nach Angaben vom Dienstag innerhalb von 24 Stunden landesweit rund 100 solcher Luftschläge.

Kämpfe um eine syrische Grenzstadt - Warum Kobane so wichtig ist

  • Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

    Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

  • Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

    Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

  • Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

    Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

  • Warum greift die Türkei nicht ein?

    Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

  • Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

    Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

Kurdische Kämpfer aus der syrischen Grenzstadt Kobane vermeldeten derweil Erfolge gegen die IS-Milizen. Idris Nassan, Vize-Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, sagte der Nachrichtenagentur dpa, kurdische Kämpfer hätten dank der Luftschläge der internationalen Koalition einen strategisch wichtigen Hügel sieben Kilometer von der Stadt entfernt von den Dschihadisten zurückerobern können.

Militärchefs aus mehr als 20 Ländern wollten am Dienstag nahe Washington ihre Beratung über das weitere Vorgehen gegen die IS-Milizen fortsetzen. Die Bündnispartner wollen eine langfristige Strategie gegen den IS im Irak und in Syrien finden.

Aufseiten des Islamischen Staates (IS) kämpfen auch viele Deutsche. Wie die „Bild“-Zeitung (Dienstag) berichtete, sind die meisten deutschen Kämpfer jünger als 30 Jahre. Das Blatt berief sich auf Unterlagen deutscher Sicherheitsbehörden, in denen die Daten von 380 Dschihadisten ausgewertet sind. Die meisten sind demnach 15 bis 30 Jahre alt - ihr Anteil beträgt 65 Prozent. Wie es weiter hieß, sind 89 Prozent der deutschen Kämpfer Männer und elf Prozent Frauen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%