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Kommentar: Das 1.000.000.000.000-Euro-Risiko

von Frank Wiebe Quelle: Handelsblatt Online

Und sie bewegen sich doch. Das ist die gute Nachricht des Euro-Gipfels. Die schlechte ist: Das Risiko für hohe Verluste ist erheblich gestiegen. Für die Banken dagegen ist der Brüsseler Kompromiss ein gutes Geschäft.

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist. Quelle: handelsblatt.com
Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist. Quelle: handelsblatt.com

Es gibt zwei gute Nachrichten vom Gipfel gestern abend. Die erste lautet: Es passiert überhaupt etwas. Und die zweite: Die privaten Gläubiger werden tatsächlich an der "Rettung" Griechenlands und des Euros beteiligt.

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Auf der anderen Seite steht aber: Letztlich laufen die Vereinbarungen auf das hinaus, was die Deutschen eigentlich vermeiden wollten, nämlich eine gemeinsame Haftung der Euro-Länder für die Finanzen der schwachen Mitglieder. Es handelt sich also um Euro-Bonds durch die Hintertür. Nur dadurch ist auch zu erklären, dass die privaten Gläubiger, also vor allem die Banken, sich auf einen tieferen Schuldenschnitt für Griechenland eingelassen haben. So ist die Sache für sie, wenn sie bisher vorsichtig bilanziert haben, kein echter Verzicht mehr, sondern ein recht gutes Geschäft: Sie verzichten endgültig auf eine Rückzahlung der Griechen-Bonds zum vollen Preis und vollziehen damit nur nach, was der Markt ohnehin schon anzeigt. Im Gegenzug bekommen sie aber Papiere, die vom Rettungsschirm recht gut abgesichert werden. Zum Vergleich: Bei einem normalen Forderungsverzicht gegenüber einem angeschlagenen Unternehmen gibt es als Belohnung in der Regel keine zusätzlichen Garantien.

Und was den berühmten Hebel - oder die "Versicherungs-Lösung" des Rettungsschirms angeht, so wird hier nur trickreich eine Ausweitung des Risikos vollzogen, die auch einfacher zu haben wäre - dann allerdings für jedermann verständlich, was offenbar nicht gewünscht ist. Hinter der ganzen Diskussion über Risiko und Wirksamkeit dieses Hebels verbirgt sich ein simpler Sachverhalt: Ein Risiko wird immer durch zwei Faktoren bestimmt - die Höhe der maximal zu verlierenden Summe und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Summe tatsächlich verloren geht.

Der Hebel bedeutet: Die maximale Summe bleibt gleich, dafür steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausfällt. Zurzeit ist es beliebt, den einen Faktor in den anderen umzurechnen - die fünfmal höhere Wahrscheinlichkeit wird dann umgerechnet in eine fünfmal so hohe Summe, damit es gegenüber den Märkten möglichst eindrucksvoll klingt. Gleichzeitig erklärt man den Bürgern, dass sich an der maximalen Summe ja gar nichts ändert. Das sind alles Milch-Mädchen-Rechnungen. Fest steht nur: Das Risiko für die Steuerzahler vervielfacht sich.

Eine der offenen Fragen in dem Zusammenhang lautet: Können die Rating-Agenturen einfach zuschauen, wenn der Rettungsschirm mit Risiken vollgestopft wird? Werden sie nicht reagieren und dessen Bonität herabstufen? Wenn ja, dann verliert die "Hebel"- oder "Versicherungslösung" erheblich an Charme.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2011, 13:18 UhrSpeculum

    Es gibt ja bereits Pläne, den Ratingagenturen zukünftig zu verbieten in Europa Ratings für Staaten zu veröffentlichen.

  • 27.10.2011, 13:16 UhrNicht Dumm

    Wer so ein hohes Rrisiko eingeht, muss auch konsequent handeln! ... ALSO: Griechenland und italien raus aus dem Euro!!!

  • 27.10.2011, 12:31 UhrLützower Jäger

    in bester Volkskammermanier (90%) durch vom Volke bezahlte und vom Feinde beherrschte Abnicker unser heiliges Deutchland weiter in der Abgrund und die Knechtschaft geführt. Pfui Teufel !!!!!!!

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