Kommentar: Griechenlands Austritt wäre bitter - aber verkraftbar

Kommentar: Griechenlands Austritt wäre bitter - aber verkraftbar

, aktualisiert 03. November 2011, 10:00 Uhr
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Ruth Berschens ist Büroleiterin des Handelsblatts in Brüssel.

von Ruth BerschensQuelle:Handelsblatt Online

Die Euro-Zone kann ohne Griechenland weiterleben. Einige Kollateralschäden müsste die Währungsunion doch verkraften. Für die privaten und staatlichen Gläubiger wird es teuer - und für Italien und Portugal wird es eng.

Griechenland repräsentiert nur einen winzigen Bruchteil des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Ein Austritt des Landes wird Wirtschaft und Währung Europas daher sicher nicht in ihren Grundfesten erschüttern.

Einige Kollateralschäden müsste die Währungsunion allerdings verkraften: Die privaten und staatlichen Gläubiger Griechenlands könnten ihre Forderungen an das Land wahrscheinlich endgültig abschreiben. Denn mit dem Austritt würde Hellas sofort zahlungsunfähig.

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Wenn das Land die Drachme wieder einführt, wären eine drastische Abwertung und Inflation die sichere Folge. Einen großen Teil der Schulden kann Hellas dann wohl überhaupt nicht mehr zurückbezahlen. Für die europäischen Banken ist der beim letzten Euro-Gipfel vereinbarte Schuldenschnitt um 50 Prozent im Vergleich dazu noch ein gutes Geschäft. Deutschland und die anderen Euro-Staaten müssten sich zudem damit abfinden, dass ein großer Teil der bereits ausgezahlten Kredite an Griechenland verloren sind.

Ein griechischer Ausstieg birgt für die Euro-Zone ein weiteres großes Risiko: Die Ansteckungsgefahr. Die Gläubiger Portugals könnten auf die Idee kommen, dass die Regierung in Lissabon irgendwann auch Abschied von Sparkurs und Euro-Zone nimmt. Für die Regierung in Lissabon würde es dann noch viel schwerer, Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen.

Noch heikler ist der Fall Italien. Die Regierung in Rom muss den internationalen Investoren nach einem griechischen Austritt noch schneller und dringender beweisen, dass sie Reformen und Haushaltskonsolidierung ernsthaft in Angriff nehmen will. Einen Ministerpräsidenten Berlusconi kann das kaum noch gelingen. Der Mann hat seinen Vertrauensvorschuss an den Märkten endgültig verspielt. Italien braucht daher dringend einen Regierungswechsel.

Die Euro-Zone darf zudem nicht den Fehler machen, Griechenland nach einem Austritt völlig abzuschreiben. Das Land muss wenn irgend möglich Mitglied der EU bleiben - auch wenn der EU-Vertrag von Lissabon das rechtlich eigentlich gar nicht zulässt. Wenn sich die Europäer nicht mehr um die Griechen kümmern, dann entstünde womöglich ein zweites Somalia in der Ägäis. Das kann kein Europäer wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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