Kommentar: Wer sitzt am längeren Hebel?

Kommentar: Wer sitzt am längeren Hebel?

, aktualisiert 06. Dezember 2011, 09:08 Uhr
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Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

von Oliver StockQuelle:Handelsblatt Online

Die Entscheidung von S&P hat den zarten Optimismus der Euro-Retter im Keim erstickt. Doch es hilft nichts: Sie müssen ihren eingeschlagenen Weg weitergehen.

DüsseldorfDas Muster ist immer das gleiche: Nach langem Zögern, das oft angeführt wird von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, entschließen sich die Europolitiker einen nächsten Schritt zu machen, um der Schuldenkrise auf ihrem Kontinent Herr zu werden. Die Freude über den Entschluss währt dann ein paar Stunden. Länger dauert es in der Regel nicht, bis der mühsam errungene Schritt von all denen, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen und Marktteilnehmer genannt werden, wieder überholt wird.

Genau nach diesem Muster ist es auch jetzt gelaufen. Merkel und Sarkozy retten und verkünden am Abend, den Rettungsschirm ESM schneller in Kraft treten zu lassen. Drei Stunden später kommt die Ratingagentur S&P und verpasst den Euroländern, die bei ihr bislang noch uneingeschränkt gut dastanden, einen negativen Ausblick. Schon ist es blitzschnell vorbei mit der Herrlichkeit. Schon steckt die Politik wieder in der Defensive.

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Was tun? Es bleiben theoretisch zwei Möglichkeiten: Möglichkeit Nummer eins ist, dass die Politik ihre Entscheidungen beschleunigt. Dass es ihr gelingt, sich an die Spitze der Bewegung und nicht hintenan zu stellen. Dass sie die Märkte überrascht und ihnen nicht hinterher hetzt. Das Dumme an dieser Idee ist, dass sie angesichts des Abstimmungsbedarfs unter 17 Eurostaaten, die unterschiedliche Interessen haben, kaum umzusetzen sein wird.

Bleibt die zweite Möglichkeit. Sie besteht darin, grundsätzlich klarzumachen, dass Europa am Euro festhalten wird, koste es was es wolle, und ansonsten das Votum der Marktteilnehmer, so gut es geht, zu ignorieren. Dahinter steckt die Überzeugung, dass letztlich die Politik und nicht die Finanzwelt am längeren Hebel sitzt. Merkel und die Euroretter setzen auf diese Lösung, weil sie keine andere Wahl haben. Drücken wir Ihnen die Daumen!


Quelle:  Handelsblatt Online
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