Konferenz: Naturzerstörung kostet zwei Billionen Euro pro Jahr

Konferenz: Naturzerstörung kostet zwei Billionen Euro pro Jahr

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Illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien): Die UN-Konferenz über die biologische Vielfalt vom 19. bis 30. Mai in Bonn startet heute, Foto: WWF/Alain Compost

Bittere Fakten zum Auftakt der UN-Naturschutzkonferenz: Erste Ergebnisse einer Studie zeigen dramatische Folgen des weltweiten Arten- und Lebensraumverlusts. Die heute in Bonn beginnende UN-Naturschutzkonferenz soll für den Erhalt der Biodiversität sorgen. Doch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte bereits im Vorfeld vor einem Scheitern gewarnt.

 Die fast zweiwöchige UN-Konferenz zu biologischer Vielfalt soll Zeichen setzen im Kampf gegen die dramatisch fortschreitende Vernichtung der Natur, wie die ungebremste Zerstörung der Regenwälder. Wissenschaftler und Umweltorganisationen fordern die  Staatengemeinschaft zu unmittelbarem Handeln auf, da mit dem Verlust von Tier- und Pflanzenarten sowie von Lebensräumen auch die Stabilität des Ökosystems und Zukunft des Lebens auf der Erde auf dem Spiel stehe.

Die weltweite Naturzerstörung kostet nach neuen Schätzungen die Menschheit jährlich sechs Prozent des Bruttosozialprodukts oder umgerechnet rund zwei Billionen Euro. Das geht aus vorläufigen Ergebnissen einer Studie zu den globalen Kosten des Arten- und Lebensraumverlusts hervor, wie das Magazin “Der Spiegel“ unter Berufung auf Auszüge einer von der EU und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) initiierten Untersuchung berichtet.

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Auf der Bonner Konferenz (Convention on Biological Diversity, kurz CBD) wird im Rahmen der UN-Konvention über Biologische Vielfalt von 1992 beraten, wie die weitere Zerstörung von Wäldern und Meeren durch Schutzgebiete und andere Maßnahmen aufgehalten werden kann und wie das finanziert werden soll. Außerdem soll über Regelungen für den Zugang zur genetischen Vielfalt von Tieren und Pflanzen und die gerechte Verteilung des Gewinns aus dem Nutzen dieser Ressourcen verhandelt werden. Damit soll die so genannte „Bio-Piraterie“ zum Nachteil armer Länder verhindert werden. Auch der umstrittene Bio-Sprit ist in Bonn ein wichtiges Thema.

Gabriel erwartet „sehr komplizierte Verhandlungen“, bei denen auch ein Scheitern nicht auszuschließen sei. Nachdem es auf mehreren großen Konferenzen seit den 90er Jahren bisher kaum Fortschritte gegeben habe, stehe die Bio-Konvention in Bonn an einem „Scheideweg“. Die Staats- und Regierungschefs hatten auf dem Umweltgipfel in Johannesburg 2002 beschlossen, den Verlust an Lebensräumen und Arten bis 2010 „deutlich“ zu bremsen.

 „Entweder gelingt es uns jetzt, substanzielle Fortschritte zu machen – oder wir müssen öffentlich ganz klar bekennen, dass die Völkergemeinschaft beim Naturschutz versagt hat“, sagte Gabriel im Interview mit der WirtschaftsWoche. Mit einer netten Konferenz und einem Formelkompromiss sei niemandem gedient. „Auch und gerade als Gastgeber will ich nicht am Ende einen Erfolg herbeireden, wenn es ihn nicht gibt“, sagte Gabriel.

Nach Informationen des „Spiegel“ will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Konferenz ankündigen, dass die Bundesregierung die Mittel für den globalen Waldschutz deutlich aufstocken wird. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte Merkel auf, in Bonn eine Initiative zum langfristigen Schutz der letzten Urwälder zu starten. „Deutschland sollte mit zwei Milliarden Euro pro Jahr anfangen und die anderen reichen Industrieländer mitnehmen“, sagte Greenpeace- Experte Martin Kaiser.

Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann versicherte die Unterstützung der deutschen Wirtschaft für das UN-Abkommen über die biologische Vielfalt. Allerdings sei die von der Bundesregierung im November 2007 beschlossene nationale Strategie „angesichts eines Katalogs von rund 330 Zielen und rund 430 Maßnahmen überambitioniert“. Wenn Ziele und Maßnahmen formuliert würden, die über bestehende Regelungen hinausgingen oder diese gar konterkarierten, sei zu befürchten, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gegenüber den europäischen Nachbarn Schaden nimmt.

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