Konjunktur: Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze lassen Japans Wirtschaft implodieren

Konjunktur: Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze lassen Japans Wirtschaft implodieren

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Zentralgebäude der Bank of Japan (BOJ) in Tokio

von Konrad Handschuch

Stromsperren beeinträchtigen die Produktion auch landesweit. Langfristig lässt der Wiederaufbau die ohnehin Besorgnis erregende Staatsverschuldung noch weiter steigen.

Die japanische Zentralbank reagierte schnell. Zwar lässt sich das Ausmaß der Katastrophe in Japan noch lange nicht absehen, doch um erste Hilfsmaßnahmen auf den Weg zu bringen, gab die Bank of Japan (BoJ) seit Samstag 55 Milliarden Yen frei. Sie Summe entspricht etwa 485 Millionen Euro und wurde an 13 Finanzinstitute verteilt.

Das Geld dürfte allerdings nicht lange reichen. Denn während Japan und die Welt gebannt auf die schwer beschädigte Atomreaktoren Fukushima  Eins und Zwei blicken, wo sich ein GAU anbahnt, ist klar, dass ab dem morgigen Montag die Wirtschaft der drittstärksten Volkswirtschaft der Welt Landes weitgehend gelähmt sein wird. Und das nicht nur dort, wo Produktionsanlagen vom Erdbeben und der anschließenden Flutwelle zerstört worden sind oder Arbeitnehmer, sofern sie das Inferno überlebt haben, wegen zerstörter Transportwege nicht zur Arbeit kommen. Auch im von der Katastrophe verschont gebliebenen Rest des Landes sind die Auswirkungen zu spüren.

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Landesweite Stromknappheit

Japans Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaieda hat die Unternehmen des Landes bereits vor Problemen bei der Stromversorgung gewarnt und rief Betriebe dazu auf, ihren Verbrauch zu drosseln. "Wenn Unternehmen ab Montag wieder verstärkt produzieren und ans Netz gehen, ist es morgen und in den kommenden Tagen wahrscheinlich, dass es in den Gegenden, die von Tokyo Electric Power Company und Tohoku Electric Power versorgt werden, zu einem Versorgungsdefizit kommt", sagte Kaieda am Sonntag laut Nachrichtenagentur Kyodo. Wie es hieß, dürften die Rationierungen wohl mehrere Wochen andauern.

Allerdings dürfte es noch Wochen dauern, bis sich die vom Beben ausgelösten Schäden wenigstens annähernd überblicken lassen. Betroffen sind vor allem Präfekturen im Nordosten Aomori, Akita und Iwate – und das bedeutet für Japans Wirtschaft, dass sich der Schaden in Grenzen halten dürfte – solange nicht ein nuklearer Fallout eine neue Einschätzung zur Folge hat. Nach einer Analyse der Commerzbank trägt diese Region nur einen Anteil von etwa 2,5 Prozent zum japanischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Bedeutender sind laut Commerzbank die Produktionsausfälle im Großraum Tokio, der etwa 18 Prozent zur japanischen Wirtschaftsleistung beiträgt. Auch hier dürfte es zumindest vorübergehend zur Schließung von Fabriken und Erdölraffinerien kommen. Die Auswirkungen der Stromknappheit dürften dagegen Landesweit zu spüren sein.

Größte Katastrophe seit 1945

Im Ergebnis könnte Japans Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal nochmals leicht schrumpfen. Auch das vierte Quartal hatte bereits mit einem Minus von 1,5 Prozent abgeschlossen. Dafür war vor allem ein Rückgang des privaten Verbrauchs verantwortlich.

Welche Folgen die größte Katastrophe Japans nach dem Zweiten Weltkrieg langfristig haben wird, ist offen. Anhaltspunkte für eine erste Einschätzung liefern die wirtschaftlichen Folgen des Erdbebens von 1995 in Kobe. Seinerzeit haben sich laut Commerzbank die wirtschaftlichen Schäden landesweit in Grenzen gehalten. Die Industrieproduktion war zwar unmittelbar nach Ereignis um 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat eingebrochen, hatte sich in den beiden Folgemonaten schnell wieder erholt und die Einbußen mehr als aufgeholt.

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