Konjunktur in China: Warum das schwächelnde Wachstum nicht der Untergang ist

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AnalyseKonjunktur in China: Warum das schwächelnde Wachstum nicht der Untergang ist

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Ein chinesischer Arbeiter

von Philipp Mattheis

Schon wieder eine schlechte Nachricht aus China: Die Wirtschaft schwächelt weiter. Trotzdem bleibt die zweitgrößte Ökonomie der Welt ein Land großer Chancen.

Mit 6,9 Prozent ist die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal so gering gewachsen wie seit 2009 nicht mehr. Lange Zeit galten sieben Prozent als die magische Grenze, die das Land braucht, um die 200 Millionen Wanderarbeiter mit Jobs zu versorgen. Immerhin: Das Nationale Statistikbüro hatte sogar nur 6,8 Prozent prophezeit.

Seit etwa einem halben Jahr häufen sich die schlechten Nachrichten aus China - und das obwohl die Welt in den letzten 20 Jahren immer nur Jubelmeldungen gewohnt war. Im Sommer bricht der vollkommen überhitzte Aktienmarkt zusammen. Kurz darauf wertet Peking den Yuan überraschend ab, um die eigene Export-Wirtschaft anzukurbeln. Auch andere Indikatoren verheißen nichts Gutes: Der Einkaufsmanager-Index notiert unterhalb von 50 Punkten, was auf Kontraktion hindeutet. Im September fällt der Außenhandel um 8,8 Prozent, die Importe sogar um 17,7.

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Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Die erfolgsverwöhnten deutschen Autohersteller und ihre chinesischen Joint-Venture-Partner, die Jahr zu Jahr zu neuen Absatzrekorden eilten, vermelden plötzlich rückläufige Verkaufszahlen. Andere ausländische Firmen schicken ihre Expats nach Hause, um Geld zu sparen.

Die Inflation, lange Jahre das Sorgenkind der chinesischen Wirtschaft, ist kein Thema mehr. Jetzt warnen Analysten vor einer Deflation. Die chinesische Nachfrageschwäche macht sich in den asiatischen Anrainer-Staaten bemerkbar.

Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit: Niemand weiß, wie sehr man den Zahlen aus Peking trauen kann. Oft divergieren BIP-Wachstum und zum Beispiel Stromverbrauch - das lässt vermuten, dass die Regierung die Zahlen nach oben poliert. Auch die Tatsache, dass die Politiker in Peking mit ihren Prognosen fast immer eine Punktlandung hinlegen, deutet auf Manipulation hin. Pessimisten gehen davon aus, dass China tatsächlich nur vier bis fünf Prozent im Jahr wächst.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

Trotzdem ist Katastrophen-Geschrei nicht die richtige Reaktion auf das, was in China passiert. Um besser zu verstehen, was passiert, hilft ein Blick auf die großen Linien:

  • Im Jahr 1800 war das Kaiserreich China für rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich. Nach Bürger- und Weltkriegen, der kommunistischen Machtübernahme und der Kulturrevolution war dieser Anteil im Jahr 1970 auf unter vier Prozent gesunken. Dann begannen 1979 unter Deng Xiaoping erste zaghafte marktwirtschaftliche Reformen.
  • Innerhalb der letzten 30 Jahre ist China von einem Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gewachsen. Die chinesischen Städte sind von weltvergessenen Molochen zu Weltmetropolen gewachsen. Shanghai und Peking haben ihre Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Vor 20 Jahren radelten Menschen in Mao-Anzügen zu veralteten Fabriken. Heute stauen sich Neuwagen (viele davon deutsche Marken) auf dem Weg zu Bürotürmen mit 40 Stockwerken.
  • Shenzhen war vor 30 Jahren ein unbekanntes Fischerdorf. Heute leben in der Stadt gegenüber von Hongkong elf Millionen Menschen aus ganz China. Shenzhen ist Chinas Hightech-Standort mit zahlreichen jungen Startups.
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