Konjunktur: Japan findet nicht aus seiner Dauerkrise

Konjunktur: Japan findet nicht aus seiner Dauerkrise

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Ein Japaner hält die japanische Nationalflagge hoch.

Japan hatte sich früher als Deutschland von der globalen Rezession erholt. Doch nun würgt der starke Yen die Konjunktur ab und verschärft die Deflation. Das Land findet nicht aus seiner Dauerkrise heraus.

Japanischen Hausfrauen sagen die Analysten am Tokioter Finanzmarkt seit jeher ein gutes Gespür für Geldanlage nach. Derzeit ist „Frau Watanabe“, wie die spekulierende Privatanlegerin im Volksmund heißt, besonders aktiv – und wettet auf eine Abwertung des Yen. Seit Monaten stecken renditeinteressierte Japanerinnen ihr Geld in ausländische Anleihen oder tauschen Yen-Noten in US-Dollar um. „Früher oder später wird der Yen fallen“, meint eine 30-Jährige in einer Wechselstube in Tokio. Für 1000 Dollar hat sie gerade 87 000 Yen bezahlt – in der Hoffnung auf einen späteren Kursgewinn von bis zu 30 Prozent.

Eine solche Abwertung wäre für Japans exportorientierte Wirtschaft ein Segen; jüngst sprang der Kurs des Yen zum Dollar auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Doch Profi-Anleger folgen Frau Watanabe diesmal nicht: Der Yen, so warnen viele Analysten, könnte noch weiter steigen, weil die Märkte neue finanzpolitische Turbulenzen in der Euro-Zone und den USA befürchten.

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Einziger Lichtblick Ausfuhrplus

Mit den Fundamentaldaten lässt sich der starke Yen nicht erklären, im Gegenteil: Die japanische Wirtschaft verliert stark an Dynamik. Im zweiten Quartal wuchs unter den sechs größten Industrienationen kein Land so wenig wie Nippon. Das Bruttoinlandsprodukt legte gegenüber dem Vorquartal um gerade mal 0,1 Prozent zu. Der private Konsum stagnierte, die Arbeitslosenquote stieg. Einziger Lichtblick war das – wenn auch geschrumpfte – Ausfuhrplus von 5,9 Prozent.

Dabei hatte sich Japan früher als Deutschland von der globalen Rezession erholt, auch weil seine Wirtschaft viele Zwischenprodukte erzeugt, die bei leer gefegten Lagern besonders stark nachgefragt werden. Dazu kamen außergewöhnlich viele Aufträge aus China. Diese Stützen drohen nun wegzubrechen. Vor allem nach Asien liefern die Unternehmen weniger. Der starke Yen könnte die Konjunktur endgültig abwürgen, auch wenn der Wechselkurs gegenüber den Währungen anderer Handelspartnerländer weit weniger stieg als zum Dollar. Die Wirtschaft jedenfalls ist alarmiert. Bei Toyota schrumpft der Betriebsgewinn mit jedem Yen weniger je Dollar um 30 Milliarden Yen (270 Millionen Euro). Der Export eines Corolla in die USA ist für den Konzern derzeit ein Verlustgeschäft.

Zudem verschärft die starke Währung die Deflation. Durch billigere Importe geraten die Preise unter Druck. Parallel dazu knausern die Firmen bei den Löhnen. Die verunsicherten Verbraucher halten sich mit Ausgaben zurück und drehen die Preisspirale weiter nach unten.

Als globale Konjunkturlokomotive fällt Japan somit bis auf Weiteres aus. Nach der ökonomischen Agonie der Neunzigerjahre hat es das Land nicht mehr geschafft, auf einen dauerhaften Wachstumspfad zurückzufinden. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass China Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst hat. „Der Regierung fehlt eine nachhaltige Wachstumsstrategie“, kritisiert Martin Schulz vom Forschungsinstitut Fujitsu in Tokio. Milliardenschwere Konjunkturpakete sorgten stets nur für Strohfeuer-Aufschwünge.

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