Konjunkturdaten: Wachstumsrausch in China

Konjunkturdaten: Wachstumsrausch in China

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Eine Wechselstube in Hong Kong

Chinas Wirtschaft wächst und wächst – zugleich bleibt die Inflation moderat. Grund zum Jubeln gibt es dennoch nicht. Vor allem am Immobilienmarkt brodelt es und auch die Bankenbilanzen bergen Risiken.

Die chinesische Wirtschaft hat im ersten Quartal des Jahres um fast zwölf Prozent zugelegt - so stark wie seit rund drei Jahren nicht mehr. Auch die übrigen Zahlen können sich sehen lassen: Die Industrieproduktion stieg um mehr als 20 Prozent, die chinesischen Einzelhändler setzten 18 Prozent mehr um und die Investitionen lagen bei plus 26 Prozent. Das teilte das nationale Statistikbüro mit. Zugleich blieb die Inflationsrate mit 2,2 Prozent unter dem Zielkorridor der Regierung. Peking hatte rund drei Prozent für das Gesamtjahr veranschlagt.

Die relativ niedrige Inflationsrate nimmt Druck von der chinesischen Regierung, rasch die Zinsen zu erhöhen. Ein solcher Schritt würde die Konjunktur belasten. Grund zum Jubeln gibt es dennoch nicht: Das starke Wachstum sei „im wesentlichen das Ergebnis der niedrigen Vergleichsbasis und des Stimulus-Programms der Regierung“, sagte der Sprecher des Statistikamtes Li Xiaochao. Im ersten Quartal des Krisenjahres 2009 war die chinesische Wirtschaft lediglich um sechs Prozent gewachsen, im letzten Vierteljahr lag das Plus bei 10,7 Prozent.

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Auf Pump finanziert

Zudem gefährdet der überhitzte Immobilienmarkt weiterhin die chinesische Wirtschaft: Die Regierung kündigte an, die Lage auf diesem Markt und anderen Boombranchen genau zu überwachen. „Besonders in den Städten steigen die Immobilienpreise zu stark“, sagte ein Regierungssprecher. Die Wohnungspreise stiegen im März um 11,7 Prozent. Peking sieht daher unverändert eine wachsende Inflationsgefahr.

Nach Angaben des China-Ökonomen Ben Simpfendorfer von der Royal Bank of Scotland waren die privaten Wohnungskäufe der stärkste Wachstumstreiber im ersten Quartal. Durch die große Liquidität seien die Investitionen im Immobiliensektor im ersten Quartal um insgesamt 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

Hinzukommt: Die Volksrepublik hat den Aufschwung größten Teil auf Pump finanziert. Die Kreditvergabe stieg im vergangenen Jahr um 75 Prozent. Insgesamt nahmen die Chinesen Darlehen in Höhe von 999 Milliarden Euro auf. Pessimisten gehen davon aus, dass knapp ein Viertel davon faul sind. Das würde die Banken hart treffen:

Laut Yang Kaisheng, Chef von Chinas größter Bank ICBC, brauchen die vier größten börsennotierten Geldhäuser 480 Mrd. Yuan an frischem Eigenkapital. Nur so könnten Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), China Construction Bank, Bank of China und Bank of Communications die strengen Eigenkapitalanforderungen des Landes erfüllen, schreibt ICBC-Präsident in einem Gastbeitrag für den 21st Century Business Herald.

Aufwertungsdruck

Das chinesische Konjunkturplus auf dem Papier dürfte hingen besonders die Amerikaner freuen: Es stützt deren Forderung nach einer Aufwertung des Yuan. China hat seine Währung gegenüber dem US-Dollar seit 2008 eingefroren, um den Export zu unterstützen. Amerikanische Produzenten halten den Yuan für bis zu 40 Prozent unterbewertet. Dies verschaffe der chinesischen Konkurrenz einen Preisvorteil und blähe den Handelsbilanzüberschuss weiter auf.

Analysten rechnen damit, dass der Yuan in diesem Jahr aufgewertet wird. Präsident Hu Jintao hat sich aber eine ausländische Einflussnahmen vor allem aus den USA in dieser Frage verbeten und betont, China werde seinem eigenen Zeitplan folgen.

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