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Kontrollpläne: EU lehrt Wirtschaftsprüfer das Fürchten

von Julia Leendertse

Die Europäische Union bringt mit ihren Plänen den großen vier Wirtschaftsprüfern das Fürchten bei.

Michel Barnier Quelle: REUTERS
Michel Barnier Quelle: REUTERS

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat eine Vision: Er will auf Europas Wirtschaftsprüfermarkt neue Mitspieler etablieren. Auch soll auf EU-Ebene eine Kontroll- und Aufsichtsbehörde entstehen, die den Prüfern stärker auf die Finger schaut. Damit könnte er vor allem die Marktmacht der großen vier der Branche – Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PwC – aufbrechen.

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Barniers Ziele mögen nobel sein, seine Mittel aber sind umstritten. Mit einer staatlichen Verteilung der Mandate oder gar der Vorgabe, dass Prüfunternehmen ihr Geld ausschließlich mit Prüfungsleistung verdienen dürfen, macht er den Wirtschaftsprüfer zwar zu einer Art Staatsdiener. Besser und unabhängiger wird er dadurch jedoch nicht.

Selbst wenn die großen vier heute 90 Prozent der führenden europäischen Konzerne prüfen, handelt es sich um kein Kartell. Im Gegenteil: Der harte Wettbewerb hat dazu geführt, dass die Stundensätze von hoch qualifizierten Prüfern heute mit 60 bis 80 Euro auf dem Niveau von Handwerkern liegen. Auch verlangen die Kunden eine immer schnellere Prüfung. Das Ergebnis sind überlastete Prüfer, und darunter leidet die Gründlichkeit. Zudem kostet jede Ungereimtheit, die sie intensiver verfolgen, den Auftraggeber zusätzliches Geld. Und das macht Ärger.

Barnier täte deshalb gut daran, die Kunden stärker in die Pflicht zu nehmen. Denn in Wahrheit kämpft er gegen deren Geiz-ist-geil-Mentalität beim Einkauf von Prüfungsleistung und die Markengläubigkeit der Aufsichtsräte. Die nämlich beauftragen immer dieselben Berater. Um sich aus der Verantwortung stehlen zu können, wenn was schiefgeht. Ihr Persilschein für Personalentscheidungen heißt Egon Zehnder, für Personalabbau ist es McKinsey, für Bilanzen sind es KPMG, PwC, Ernst & Young und Deloitte.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.10.2010, 19:06 UhrErfurt1812

    Oder anders: gerade bei dem harten Wettbewerb: wie kann ich dem, der mir mein täglich brot gibt, im schlimmen Falle vor den Kopf stoßen? zumindest die Gefahr, es nicht zu tun ist da. Das Einzige was hier wirkt ist die Haftungsgefahr für den Prüfer selbst. Aber die stufe ich geringer ein.

  • 24.10.2010, 18:59 UhrErfurt1812

    Es ist und bleibt ein Problem, dass das geprüfte Unternehmen den Prüfer bezahlt. Der Prüfer selbst möchte ein Dauermandat. Aber kann er das behalten, wenn er hart durchgreift? Wohl kaum, ich selbst habe es vor langer Zeit erfahren, als ich Prüfungsassistent war und Vorwürfe bekam für meine Ermittlungen. Aus meiner Sicht wäre es besser, wenn die Prüfer von staatlicher Stelle bezahlt würden, um wirklich unbefangen zu sein, mit entsprechendem Respekt des geprüften Unternehmens.

  • 22.10.2010, 03:02 UhrBWL rückwärts

    Die Geiz-ist-geil-Mentalität kommt eines Tages wie ein boomerang auf die Manager zurück, weil auf Dauer hohe Qualität nicht zum Discount-Preis erhältlich ist. Die Qualitätsminderung wollen diese Leute auch garnicht hinterfragen.

    Die Durchsetzung bestimmter Ziele (zb. investitionen) konnte so belegt und unliebsame Entscheidungen (zb. Personalkürzungen) auf Grund anderer Leute Entscheidung abgewälzt werden.

    Gefälligkeitsgutachten haben zu lange gewirkt und konnten nach Durchführung der empfohlenen Maßnahmen zu den Akten gelegt werden. Daß dabei manche strategisch wichtige Entscheidungen unterlassen wurden, oder Fehlinvestitionen getätigt wurden, daß Aufgrund mancher beratung manche Firma später am Abgrund stand oder von der Konkurrenz aufgekauft, hat sich oft erst nach Jahren herausgestellt.

    Es ist für hochbezahlte Manager verantwortungslos, sich vor strategischen Entscheidungen zu drücken und zu glauben, eingekaufte Außenseiter wüßten alles besser. Da sie die Entscheidungen letztlich mittragen, sollten sie auch mitverantworten.

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