ThemaSchwellenländer

alles zum Thema
_

kolumneKorruption und Machtspielchen: Indiens Wirtschaftsreformen holpern

Kolumne von Klaus Methfessel

Die Regierung in Delhi hat endlich liberale Wirtschaftsreformen beschlossen. Aber kann sie sie auch umsetzen? Im Parlament hat die Kongresspartei keine Mehrheit, und zusätzlich sorgt eine Korruptionsuntersuchung bei der Indien-Tochter von Wal-Mart für Ärger.  

Platz 10: Saudi Arabien

Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2010 622 Milliarden US-Dollar. 2010 bezifferte sich das BIP pro Kopf auf 24.200 US-Dollar.

Das Land ist als weltgrößter Erdölproduzent einerseits von der Entwicklung auf dem Erdölmarkt stark abhängig, kann aber durch seine riesigen Reserven äußere Abflüsse abmildern. So ist es Saudi-Arabien möglich, Ausschläge des Ölpreises durch Erhöhung oder Verminderung seiner aktuellen Fördermenge zu dämpfen oder – wie im Falle Iraks oder Libyens – Produktionsausfälle anderer Lieferanten aufzufangen.

Saudi-Arabien erwirtschaftete in den letzten Jahren regelmäßig Überschüsse. 2010 konnte das Land den Rekordbetrag von über 300 Milliarden Euro verbuchen. Saudi-Arabien finanziert damit einen aufgeblähten öffentlichen Sektor, der die hohe Arbeitslosigkeit (derzeit rund 15 Prozent) bekämpfen soll.

Das reale Wirtschaftswachstum dürfte laut dem Auswärtigen Amt im Jahr 2011 bei 6,8 Prozent gelegen haben. Die Privatwirtschaft spielt im Verhältnis zum staatlichen Öl- und Petrochemiesektor eine kleine Rolle, wuchs vergangenes Jahr aber immerhin um 8,3 Prozent.

Die britische Bank HSBC hat in einer Zukunftsprognose berechnet, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen könnte. Demnach wird Saudi-Arabien in den kommenden vierzig Jahren im Durchschnitt um 3,775 Prozent wachsen. Das ist der zehnbeste Wert in dem Ranking. 2050 wäre Saudi-Arabien die 21. größte Volkswirtschaft der Welt (derzeit Rang 23).

Bild: AP

Anzeige

Nach der Verfassung wird Indien vom Premierminister regiert, der heißt derzeit Manmohan Singh. Und an der Staatsspitze steht ein Präsident, das ist Pranab Mukherjee. Der mächtigste Politiker des Landes ist jedoch eine Frau: Sonia Gandhi, Witwe des 1991 ermordeten Premierministers Rajiv Gandhi und Chefin des allmächtigen Gandhi-Clans.

Indiens heimliches Machtzentrum

Wie keine andere Familie haben die Gandhis Indiens Schicksal bestimmt: Rajivs Mutter Indira Gandhi regierte das Land insgesamt 15 Jahre lang bis zu ihrer Ermordung 1984. Ihr Vater Jawaharlal Nehru hatte Indien in die Unabhängigkeit geführt und als Ministerpräsident bis 1962 gelenkt.

Sonia Gandhi strebt als gebürtige Italienerin zwar kein Regierungsamt an, ist aber Präsidentin der Kongresspartei. Ihr Hauptziel sei, so sagt man in Delhi, ihren Sohn Rahul als Nachfolger Singhs aufzubauen. Nichts läuft in Indien gegen Sonia Gandhi. Sie ist Indiens eigentliches Machtzentrum.

Die Kongresspartei hat nach ihrem Wahlsieg 2005 wieder die Regierung übernommen und wurde 2009 wiedergewählt. Doch Ministerpräsident Singh enttäuschte die Erwartungen. Dabei galt er als Wirtschaftsreformer: Als Finanzminister hatte er 1991 die erste große Liberalisierungswelle angestoßen und den Aufstieg Indiens zu einem wachstumsstarken Bric-Land ermöglicht. Für sein nun zögerliches Taktieren verpasste ihm die internationale Presse schlechte Noten. Das amerikanische Time-Magazin schimpfte ihn auf ihrem Titel als „Underachiever“. Deutsche Personaler haben dafür das Wort "Minderleister".

Doch in Wahrheit konnte Singh nicht so, wie er wollte. Sonia Gandhi bremste seinen Reformkurs. Die trotz, oder möglicherweise gerade wegen ihres immensen Reichtums einem linken Sozialpopulismus zuneigende Kongresspräsidentin fürchtete den Vorwurf zu großer Wirtschaftsnähe. Sie sperrte sich gegen Privatisierungen, die Streichung von Subventionen und die weitere Marktöffnung für ausländische Investoren.

Singhs neue Reforminitiative

Auf einmal aber, als schon niemand mehr damit rechnete, dass vor der nächsten Wahl 2014 noch etwas geschieht, kündigte die indische Regierung im September ein ehrgeiziges Reformpaket an. Das erschütterte erst einmal die Regierung, ein kleiner Koalitionspartner verließ unter Protest das Kabinett.

weitere Fotostrecken

Blogs

Warum Deflation guttut
Warum Deflation guttut

Was soll daran so schlimm sein, wenn unsere Kaufkraft steigt? Die Furcht vor Deflation wird nur von Eigeninteressen...

Einstellungen
Dauerhaft aktivieren und Datenübermittlung zustimmen oder deaktivieren:
FOLGEN SIE WIWO.DE

    Tweets der WiWo-Redaktion

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.