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Korruptionsskandale erschüttern das Land: Chinas Fassade gerät ins Wanken

von Philipp Mattheis

Lange Zeit inszenierte sich die oberste Führungsriege als Kämpfer gegen die Korruption. Schon vor dem aktuellen Parteitag hat dieses Bild deutliche Risse bekommen. Ein Blick auf die peinlichen Skandale.

Was erwartet deutsche Unternehmer in China? Das Interesse am Kongress der WirtschaftsWoche ist groß

Bild: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Am Ende wurde Yang Dacai seine Uhr zum Verhängnis. Zunächst geriet der hohe Funktionär aus der Provinz Shaanxi in die Kritik, weil er nach einem Busunglück, bei dem 36 Menschen starben, unsicher in die Kameras grinste. Doch erst als Internet-User bemerkten, dass Yang eine Montblanc-Uhr im Wert von 5500 Dollar trug, reagierte Peking. Nun laufen gegen ihn Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts.

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Anderen Funktionären könnte es bald ähnlich gehen. Ein beliebter Zeitvertreib chinesischer Internet-Nutzer ist in diesen Tagen "Watch Watching": Wann immer ein Politiker im Fernsehen oder auf Pressebildern zu sehen ist, schenken sie dessen Uhr besondere Aufmerksamkeit. Ist es eine Rolex oder Patek Philippe, gilt der Politiker als korrupt – mit dem offiziellen Monatsgehalt von etwa 1500 Euro lassen sich Luxus-Chronographen kaum finanzieren.

Nähmaschinenhersteller Pfaff

Die chinesische Beteiligungsgesellschaft SGSB Group hat den Industrienähmaschinenhersteller Pfaff übernommen. Der Konkurrent Dürkopp-Adler ist bereits seit 2005 in der Hand von SGSB. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung sollen die Betriebe nun bei Vertrieb, Entwicklung und Produktion zusammenarbeiten. Pfaff existiert seit 1862 und beschäftigte in den 1930er Jahren fast 3.000 Menschen. Heute zählt die Belegschaft inklusive Zeitarbeitern und Auszubildenden etwa 250 Mitarbeiter. SGSB will laut Betriebsrat 25 Millionen Euro investieren, 60 Mitarbeiter müssen allerdings gehen. Für 160 Beschäftigte gibt es eine Arbeitsplatzgarantie, die zunächst drei Jahre gilt. Zuvor hatte Pfaff dem deutschen Unternehmer Joachim Richter gehört, der 2009 nach Insolvenz eingestiegen war. Die Marke Pfaff für Haushaltsnähmaschinen war bereits 1999 von der Industriesparte getrennt worden.

Bild: AP

Hinweise auf korrupte Provinzpolitiker kamen der Führung in Peking, nicht zimperlich beim Einsatz gegen Kritiker, bisher nicht ungelegen. „Korruption ist die größte Gefahr für die Herrschaft der Partei“, dozierte der scheidende Premierminister Wen Jiabao noch vor wenigen Monaten. Das Bild, das die Partei ihren Bürgern vermitteln will: Es gibt Korruption in der Provinz, doch die Führung des Landes ist sauber und tut alles, um die Veruntreuung von Staatsgeldern einzudämmen.

Das kommunistisch regierte China ist mit gut 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Bild: dapd

Kritische Kommentare gelöscht

Doch die Strategie geht nun nicht mehr auf. Im März starb der Sohn eines engen Vertrauten von Präsident Hu Jintao bei einem Unfall – in einem Ferrari und in Gesellschaft zweier leicht bekleideter Damen. Kurz darauf brachte die Affäre um den Ex-Parteichef von Chongqing, Bo Xilai, das Machtgefüge der Partei ins Wanken. Mehrere 100 Millionen Euro sollen er und seine Frau (die mittlerweile wegen Mordes an einem Geschäftspartner verurteilt ist) ins Ausland geschafft haben. Sein offizielles Jahresgehalt betrug 19.000 Dollar.

Der jüngste Paukenschlag war ein Bericht der „New York Times“ vorletzte Woche. Danach soll die Familie von Premierminister Wen Firmenbeteiligungen im Wert von 2,7 Milliarden Dollar kontrollieren. Peking dementierte und reagierte prompt: Die Web-Site der Zeitung wurde gesperrt und ist seitdem nicht mehr aufrufbar. Auch kritische Kommentare auf Weibo, einer chinesischen Variante von Twitter, löschten die Zensoren.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 09.11.2012, 12:32 Uhrwulff

    Mein Gott, was für ein Drecksland.
    Der normale Chinese schuftet für ein Taschengeld.
    Die Politbonzen füllen sich die Taschen.
    Der oberste ist sogar Milliardär.

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