Kränkelnde Wirtschaft: Russische Zentralbank erhöht Leitzins auf 17 Prozent

Kränkelnde Wirtschaft: Russische Zentralbank erhöht Leitzins auf 17 Prozent

Die Ukraine-Krise und fallende Ölpreise haben die russischen Wirtschaft in eine dramatische Lage gebracht. Die Bank Rossii entscheidet sich deshalb zu einem drastischen Schritt.

Angesichts des wegen Sanktionen aus dem Westen massiv an Wert verlorenem Rubel und einer kränkelnden Wirtschaft im Land hat die russische Zentralbank den Leitzinssatz angehoben. Die Bank Rossii gab am Dienstag in Moskau bekannt, sie erhöhe den Satz drastisch von 10,5 auf nun 17 Prozent, um der Währung einen Schwung zu verpassen. Diese war gemeinsam mit den Ölpreisen in den vergangenen Monaten drastisch abgestürzt.

Der russische Rubel büßte seit Januar fast 50 Prozent seines Wertes ein. Als Gründe dafür werden die Sanktionen mehrerer westlicher Länder gesehen, die Russland im Zuge der Ukraine-Krise auferlegt wurden, aber auch ein starker Fall der weltweiten Ölpreise. Diese sanken von einem Hoch im Sommer von umgerechnet knapp 86 Euro pro Barrel auf nur noch etwa 45 Euro - wobei Öl eine Säule der russischen Wirtschaft ist. Ein fallender Rubel könnte die Inflation in Russland auf eine gefährlich hohe Stufe treiben. Die russische Regierung hatte kürzlich ihren ökonomischen Ausblick für das kommende Jahr herabgestuft. Es wurde vorhergesagt, dass die Wirtschaft des Landes in die Rezession sinken wird.

Russland - und die Ängste seiner Nachbarn

  • Estland

    25 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Russen. 2007 erlebte das High-Tech-Land einen schlimmen Hackerangriff wohl aus Russland – da wird die Krim-Krise zum Albtraum.

  • Lettland

    Ohne russisches Gas gehen rund um Riga die Lichter aus. Das wissen die zwei Millionen Letten, von denen mehr als ein Drittel Russisch als Muttersprache angibt.

  • Litauen

    Hier begann vor 25 Jahren der Zerfall der Sowjetunion, hier verschifft Russland heute viel Erdöl. Zum russischen Erdgas gibt es auch in Litauen bislang keine Alternative.

  • Polen

    Russland fernhalten – das ist hier parteiübergreifende Staatsraison. Seit Jahren sehen sich die Polen als Fürsprecher der Ukraine in der Europäischen Union.

  • Tschechien

    Die Annexion der Krim erinnert die Tschechen fatal an den sowjetischen Einmarsch in Prag vor 46 Jahren. Russland ist weit weg – das Gefühl der Bedrohung nicht.

  • Slowakei

    Das Land musste 2009 tagelang ohne Gas auskommen – Kollateralschaden russischer Sanktionen gegen die Ukraine. Eine Neuauflage dieses Szenarios wäre bedrohlich.

  • Ungarn

    Ohne eigene Energiequellen sind die Ungarn vom russischen Öl und Gas abhängig. Trotzdem subventioniert die Regierung großzügig den Stromverbrauch im Lande.

  • Rumänien

    Was geschieht mit dem Land, wenn die 1,4 Millionen Ungarn in Siebenbürgen nach dem Muster der Krim-Russen die heutige Staatsgrenze infrage stellen?

  • Bulgarien

    Ohne Öl und Gas aus Russland würde das arme Land völlig zusammenbrechen – darum fürchtet die Regierung in Sofia nichts mehr als eine Verschärfung der Konfrontation.

  • Krim

    Die Halbinsel ist ein Armenhaus. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl entsprach ihre Wirtschaftsleistung bisher kaum 40 Prozent des ukrainischen Durchschnitts. Wie Putin seinen neuen Untertanen den Aufschwung bescheren will, ist unklar.

  • Republik Moldau

    Im Sommer 2014 hat das Land ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Doch in der abtrünnigen Region Transnistrien stehen schon lange russische Truppen.

  • Georgien

    Ökonomisch orientiert sich das Land an Europa. Wegen des Konflikts um Südossetien hat Russland ein Embargo verhängt. Das wurde aber gerade gelockert.

  • Armenien

    Das arme Land hängt am Tropf Russlands. Moskau liefert billiges Gas, baut ein Atomkraftwerk – und unterstützt die Armenier im Grenzkonflikt mit Aserbaidschan.

  • Aserbaidschan

    Die ölreiche Staat drängt sich den Europäern als alternativer Lieferant auf, der Europa bei der Diversifizierung der Energieversorgung helfen kann. Das passt den Russen gar nicht.

  • Ukraine

    Die neue Regierung drängt in Richtung EU, der Osten des Landes ist mit Russland verbandelt. Aber der Handel mit Russland nimmt ab, die Oligarchen sind auf West-Kurs.

  • Weißrussland

    Das unterentwickelte Land hat seine Pipelines an Russland verkauft und Raffinerien an Moskauer Banken verpfändet. Minsk ist abhängig von Moskau wie keine andere Regierung.

  • China

    Peking will seinen wichtigen Partner Russland nicht verprellen. Doch Grenzverschiebungen wie auf der Krim machen China mit Blick auf Tibet und die Uiguren extrem nervös.

  • Kasachstan

    Im Norden des Landes gibt es viele Städte, in denen Russen die Mehrheit stellen. Kasachstan ist mit seinen Rohstoffen außerdem für Russland wirtschaftlich sehr attraktiv.

Der immense Schritt der russischen Zentralbank zeigt das Ausmaß der wirtschaftlichen Risiken, denen sich Moskau derzeit stellen muss. Er spiegel die Furcht davor wider, der Rubel könnte weiter sinken und eine Panik unter den Verbrauchern mit einem Ansturm auf die Banken auslösen. Dies würde die ökonomischen Probleme Russlands weiter verschärfen. Durch das Anheben der Zinssätze hofft die Bank darauf, dass es Investoren wieder lukrativer finden werden, ihr Geld in Russland zu belassen. „Sie tun es als Köder, um die Leute zu ermutigen, ihre Rubel zu Hause zu lassen anstatt weiterhin aus der Währung und dem Land zu fliehen“, sagte der Ökonom des University of California, Barry Eichengreen. Dies sei ein Versuch, Zeit zu gewinnen. „Es löst keines der eigentlichen Probleme, die die russische Wirtschaft hat“, sagte Eichengreen.

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Die Zentralbank hatte den Zinssatz seit Anfang des Jahres allmählich von 5,5 Prozent erhöht. Zuletzt hatte sie ihn vergangenen Donnerstag mit der Begründung eines „signifikanten Inflationsrisikos“ um einen Prozentpunkt auf 10,5 Prozent angehoben. Besonders die Wirtschaftssanktionen aus dem Westen hatten Moskau sehr getroffen. Im September gaben die Europäische Union und die USA wegen dem vermuteten russischen Vorgehens in der Ostukraine eine neue Runde an Strafmaßnahmen bekannt. Dazu zählte eine Blockierung der westlichen Finanzmärkte für führende russische Konzerne und eingeschränkte Importe von bestimmten Technologien. Durch die zusätzlichen Sanktionen war von dem Ökonom Alexej Kudrin erwartet worden, dass Russland für ein oder zwei Jahre in die Rezession stürzen werde. Kudrin war bis 2011 elf Jahre lang unter Präsident Wladimir Putin russischer Finanzminister.

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