Kreditblase: China bedroht die Weltwirtschaft

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Kreditblase: China bedroht die Weltwirtschaft

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Stürzt das Riesenreich in eine Krise?

von Malte Fischer, Philipp Mattheis und Frank Doll

China hat sein Wachstum jahrelang auf Pump finanziert. Jetzt steigt die Gefahr, dass die Kreditblase platzt. Stürzt das Riesenreich die Weltwirtschaft in die nächste Krise?

Todlangweilig, steif und nichtssagend – so verlaufen meist die Pressekonferenzen der Führungseliten in Peking. Nicht so in der vergangenen Woche. Aus Anlass des Nationalen Volkskongresses überraschte Zhou Xiaochuan, der Chef der chinesischen Zentralbank, die Öffentlichkeit mit einer Ankündigung, die es in sich hat. In weniger als zwei Jahren, so der oberste Währungshüter Chinas, werde das Land die Zinsen für Spareinlagen freigeben. Nicht mehr die Regierung, sondern die Marktkräfte werden dann darüber entscheiden, wie viel Zinsen die Banken ihren sparenden Kunden gutschreiben. Zudem werde die Regierung bereits in diesem Jahr die Schwankungsbreite der Landeswährung Yuan gegenüber dem Korb der wichtigsten Handelspartnerwährungen verdoppeln. Außerdem sei geplant, bald mehrere Privatbanken zuzulassen.

Was sich aus westlicher Sicht wie eine Selbstverständlichkeit anhört, ist für Chinas Finanzbranche eine Zeitenwende. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt schickt sich an, den bisher staatlich gelenkten Finanzsektor den Kräften von Angebot und Nachfrage zu überlassen. Im vergangenen Jahr hatte die Zentralbank, die Teil der Regierung ist, bereits die Kreditzinsen freigegeben. Nun sollen die Zinsen für Spareinlagen folgen. Dass China den Finanzsektor liberalisieren wird, hatten die meisten Experten erwartet. Dass es nun so schnell gehen soll, hat die meisten jedoch überrascht.

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Die Eile, mit der die Pekinger Regenten zur Tat schreiten, hat gute Gründe. Der Bankensektor und die Kreditvergabe sind in den vergangenen Jahren aus dem Ruder gelaufen. Die Gesamtverschuldung der Wirtschaft hat sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise auf das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöht. 2002 lag sie erst bei 120 Prozent des BIPs.

Das hohe Wirtschaftswachstum, für das China weltweit lange bewundert wurde, ist zum großen Teil auf Pump finanziert. Viel Geld floss in unsinnige Projekte. Ob in der Stahlindustrie, im Immobiliensektor oder in der öffentlichen Infrastruktur – überall entstanden Überkapazitäten. Viele Kreditnehmer haben nun Probleme, ihre Schulden zurückzuzahlen. Das spürt auch der Schattenbankensektor, der sich in den vergangenen Jahren als unregulierter Kreditmarkt neben dem staatlichen Bankensektor etabliert hat. Geht der Konjunktur die Puste aus, wofür es zunehmende Anzeichen gibt, droht das Schulden-Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Eine neue Finanzkrise made in China könnte die Weltwirtschaft gewaltig durchrütteln.

Die Kreditexzesse in China... Gesamtverschuldung (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Kreditexzesse in China... Gesamtverschuldung (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Regierung in Peking ist die Gefahr bewusst. Durch die Liberalisierung der Finanzmärkte will sie daher kontrolliert Luft aus der Kreditblase entweichen lassen. „Der Regierung geht es darum, zu verhindern, dass das Schiff sinkt, bevor die Liberalisierung umgesetzt werden kann“, sagt Ashley Davies, Ökonom der Commerzbank in Hongkong. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, ein Drahtseilakt, der im totalen Absturz enden könnte.

Schulden im Schattenreich

Dass das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren einen so gewaltigen Schuldenberg auftürmte, hat mehrere Gründe. Zum einen legten die Provinzregierungen nach der Lehman-Pleite umfangreiche kreditfinanzierte Konjunkturprogramme auf, um dem weltweiten Abwärtssog zu entgehen. Das sorgte für gehörig Dampf in der heimischen Wirtschaft und half, dass die Weltwirtschaft nicht absoff. Doch nun ächzen die Lokalregierungen unter einer Schuldenlast, die sich auf rund 30 Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft.

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