Krieg gegen die Hamas: Falsche Sorgen der Märkte über Eskalation im Nahen Osten

KommentarKrieg gegen die Hamas: Falsche Sorgen der Märkte über Eskalation im Nahen Osten

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Israelische Soldaten nahe der Grenze zum Gazastreifen.

Blutvergießen in Gaza - der Krieg droht zu eskalieren, und weltweit steigen die Preise für Erdöl für Gold. Mit vernünftigen Überlegungen hat diese Reaktion der Märkte wenig zu tun, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Hans Jakob Ginsburg.

Hunderte von Bombentoten im Gazastreifen, noch viel mehr ungezählte, unversorgte Verletzte, dann immer noch und wieder mörderische Raketenangriffe auf israelische Ziele:  Die Hamas-Terroristen versichern, sie würden niemals die weiße Fahne hissen, Israels Verteidigungsminister verspricht den Kampf "bis zum bitteren Ende", und das alles weltweit auf den Fernsehschirmen.

Unberührt lässt das keinen, und auch den Akteuren auf den internationalen Märkten kann jetzt keiner vorwerfen, sie schauten gefühllos weg: Von Freitagabend, als noch alles ruhig schien, bis zum Handelsbeginn am Montag nach anderthalb Tagen Krieg war der Preis für Erdöl der Sorte Brent um 12,5 Prozent gestiegen, Gold - immer noch im Ruf, beste Krisenwährung zu sein - um immerhin 2,6 Prozent.   

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Wer mit flüssigem oder metallischem Gold handelt, hat also kein Herz auf Stein und reagiert überdies klug auf den Gang der Weltgeschichte. Könnte man meinen, stimmt aber nicht.

Das Blutvergießen in Gaza war eine Überraschung nur für die vielen, die vorher bemüht weggeschaut hatten. Die israelischen Politiker hatten seit Monaten versichert, sie ließen sich den dauernden Raketenbeschuss von Dörfern und Städten in Reichweite der Hamas-Raketen nicht länger gefallen. Weder die Parlamentswahlen im eigenen Land Anfang Februar noch das Machtvakuum in den USA kurz vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Obama waren Gründe, den Militärschlag herauszuzögern - ganz im Gegenteil. Auf der anderen Seite hatten die Führer der Hamas-Bewegung die Waffenruhe mit Israel formal aufgekündigt: Sie setzen auf den großen Volksaufstand der palästinensischen Araber in allen Landesteilen gegen die verhassten Israelis - der lässt sich nur noch durch Krieg in Gaza auslösen, und dafür war Hamas mit Begeisterung bereit, das Leben von Tausenden der eigenen Landsleute aufs Spiel zu setzen. Weit und breit war niemand zu sehen, der die ungleichen Feinde daran hinderte, in die vom jeweils anderen gestellte Falle zu tappen: Selten war ein Krieg so vorhersehbar gewesen wie das derzeitige Gemetzel.

Nur bei den spekulierenden Öl- und Goldhändlern ist das ein bisschen anders. Die müssen überrascht und schockiert sein, damit das Jahr 2008 nicht in untypischer Langeweile endet. Und dann klammern sie sich an Klischees: Bei politischen Krisen ist Gold immer das Sicherste, warum, weiß keiner mehr so ganz genau. Wenn es im Nahen Osten - nein: Börsenhändler haben keine Zeit für so viele Silben, also: Wenn es in "Nahost" gefährlich kriselt, dann droht eine Ölpreiskrise.

Warum, weiß auch keiner zu sagen: Israel und die palästinensischen Gebiete liegen ziemlich weit weg von Ölfeldern und wichtigen Pipelines, und mit einem Ölboykott aus politischen Gründen hat seit ungefähr drei Jahrzehnten außer einem gewissen Saddam Hussein auch keiner mehr gedroht. Natürlich destabilisiert der Gazakonflikt die Innenpolitik der arabischen Nachbarländer Israels, aber auch Ägypten und Jordanien spielen für die Energieversorgung keine besondere Rolle, solange wir nicht dazu übergehen, unser Heizöl aus Datteln zu produzieren.

Der Anlass ist traurig wie jeder Krieg, die Folgen an den Rohstoffmärkten eher grotesk. Und wahrscheinlich noch nicht einmal wichtig: Wegen Gaza ist der Ölpreis seit seinem schwindelerregenden Hoch im Sommer jetzt eben nur um knapp 70 Prozent gesunken und nicht um fast drei Viertel, was ja fast wieder für ein Hauch von Vernunft am Markt sprechen würde, wenn der unmittelbare Anlass nicht so falsch und makaber wäre.

Wirtschaftliche und politische Krisen sind eben immer noch verschiedene Dinge. In der Nähe des Schlachtfeldes wird das offenbar deutlicher: Am ersten Handelstag nach Beginn der Luftangriffe auf Gaza stieg der Börsengang in Tel Aviv um 1,7 Prozent. Die Marktteilnehmer reagierten damit nicht etwa auf den Krieg, sondern auf eine Leitzinssenkung der israelischen Nationalbank.

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