Krieg gegen IS: Erdogans Blindflug in die Krise

ThemaNaher Osten

Krieg gegen IS: Erdogans Blindflug in die Krise

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Recep Tayyip Erdogan

von Florian Willershausen

Endlich gibt die Türkei nach – und öffnet ihre Militärbasen für Flugzeuge der Allianz im Kampf gegen den IS-Terror. Doch das reicht nicht: Präsident Erdogan sollte die Kurden aktiver unterstützen.

Immerhin reagiert der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan noch auf internationalen Druck – wenigstens ein bisschen. Wie am Sonntagabend bekannt wurde, öffnet die Türkei ihre Militärbasen für die Flugzeuge der Alliierten im Kampf gegen die IS-Terroristen. Die USA und ihre immer zahlreicheren Unterstützer aus Europa und Nahost können fortan aus logistischer Sicht leichter gegen die Milizen vorgehen, die auf syrischem und irakischem Boden ihr Terror-Kalifat errichten.

Erdogans Hilfe indes geht nicht weit genug. Er weigert sich trotz einer zu befürchtenden humanitären Katastrophe, für die Menschen in der von IS eingeschlossenen Stadt Kobane einen Hilfskorridor einzurichten. Vorbildlich hatte die Türkei die Aufnahme der syrischen Flüchtlinge gestaltet; die Kurden überlässt Ankara vielfach ihrem Schicksal. Derweil schließt die Regierung einen Militäreinsatz mit Bodentruppen weiter aus – obwohl die kurdische Großstadt direkt an der Grenze zur Türkei liegt und die Terroristen leicht auch das türkische Territorium attackieren könnten.

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Erdogan verkennt die Gefahr eines radikal-ideologischen Islamismus in Gestalt der IS-Milizen, die Zulauf auch von vielen Türken bekommen. Womöglich auch, weil er selbst seit geraumer Zeit mit typisch türkischen Laizismus und Kemalismus zunehmend bricht und mit einer orthodoxeren Auslegung des Islam bei ärmeren Menschen abseits großer aufgeklärter Städte wie Istanbul zu punkten will. Eine offene Konfrontation mit den Hardlinern in der Nachbarschaft könnte die Politik der Erdogan-Partei AKP bei Nationalisten im eigenen Land diskreditieren.

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Innenpolitisch hat es für Ankara Priorität, die 15 Millionen Menschen zählende kurdische Minderheit klein zu halten: Eine Unterstützung im Krieg gegen IS könnte auch in Syrien und der Türkei zu einem de-facto-Staat der Kurden wie zuletzt im Nordirak führen. Wobei diese Furcht nicht unbegründet ist. Außenpolitisch hat der Sturz des syrischen Assad-Regimes für ihn Vorrang.

Es ist ein Spiel mit dem Feuer: Der IS breitet sich rasch und ohne Rücksicht auf türkische Befindlichkeiten aus. Nur mit Bodentruppen unter Führung Ankaras kann der Vormarsch letztlich gestoppt werden. Je länger Erdogan zögert, desto mehr bröckelt auch der Frieden an der Heimatfront. Längst bricht das „Kurdenproblem“ wieder aus: Mit seiner Borniertheit im Kampf gegen IS, mit seinem harten Vorgehen gegen demonstrierende Kurden zerstört der Präsident das Vertrauen der mühsam integrierten kurdischen Minderheit. Ist es das wert?

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