Krieg in Mali: Frankreichs planloser Abzug

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KommentarKrieg in Mali: Frankreichs planloser Abzug

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Frankreich will schon im kommenden Monat damit beginnen, seine Truppen aus Mali abzuziehen. Die Lage in Nordafrika ist aber weiterhin als gefährlich einzuschätzen.

von Florian Willershausen

Paris will die ersten Truppen aus Mali abziehen – zu früh, meint Florian Willershausen. Frankreich und der Europäischen Union fehlt eine Strategie für die dauerhafte Stabilisierung des Landes.

Frankreichs militärischer Alleingang in Mali muss ein Spaziergang gewesen sein: Nach anfänglichen Scharmützeln in der Stadt Mopti sollen radikale Islamisten aus dem Terror-Netzwerk al-Qaida vor den Franzosen in die Wüste geflohen sein. Nach allem was man hört, versteht sich. Denn den Norden Malis ließen die PR-Strategen der französischen Armee so weiträumig abschirmen, dass sich weder Wort- noch Bild-Journalisten vom Ausmaß der Kämpfe ein eigenes Bild machen konnten.

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Nun will Paris schon wieder raus aus Afrika. Ab Anfang März sollen die ersten der 4.000 Soldaten die ehemalige französische Kolonie im Süden der Sahelzone verlassen. Mag das wohl daran liegen, dass der Einsatz militärisch solch ein Kinderspiel war?

Frankreich wäre gut beraten, die Schlagkraft islamistischer Terroristen nicht zu unterschätzen. Wie der Überfall auf das algerische Gasfeld In Aménas zeigt, sind die verbohrten Radikalen aus dem Netzwerk al-Qaida immer noch und immer wieder zu gezielten Terror-Schlägen in der Lage. Die grenzenlose Sahelzone, bevölkert mit moderaten islamischen Volksgruppen, ist und bleibt für solche Guerilla-Operationen eine optimale Operationsbasis. Sie könnten so schnell und unerwartet zurückkehren wie sie Anfang 2012 gekommen sind.

Mit starker Truppenpräsenz ließen sich die Terroristen zeitweilig auf Distanz halten – allein daher sollte sich Frankreich nicht holterdiepolter aus dem Norden Malis zurückziehen. Hinzu kommt, dass die miserabel ausgebildeten malischen Truppen und die aggressiven Wüstenkrieger aus dem Tschad zu Übergriffen auf die Volksgruppe der Tuareg neigen, die teils anarchistisch unterwegs sind und zeitweise mit radikalen Islamisten verbündet waren.

Mali Frankreich will im März mit Truppenabzug beginnen

Bei dem Einsatz gegen islamistische Rebellen kommen die französischen Truppen gut voran.

Ein französischer Soldat in Bamako, Mali. Quelle: dpa

Gleichwohl wäre eine dauerhafte Truppenpräsenz die schlechteste aller Lösungen – siehe Afghanistan. Dort zeigt die Erfahrung, dass anfangs bejubelte ausländische Truppen eines Tages angegriffen werden können. Und zwar dann, wenn sich islamistische Demagogen wie dort die Taliban wieder sammeln und die Bevölkerung aufbringen, wenn fremde Truppen als illegitime Besatzungsmächte wahrgenommen werden und ihnen "Kollateralschäden" in der Zivilbevölkerung unterlaufen.

Ein unlösbarer Guerillakrieg wie in Afghanistan wäre in Mali eine Katastrophe für Europa. Zwischen Mali und der EU liegen kein gutes Dutzend schwer bewachter Grenzen, sondern bloß die grenzenlose Sahara und das schiffbare Mittelmeer. Daher liegt es im gemeinsamen Interesse der EU, Nordafrika insgesamt zu stabilisieren. Aus den Fehlern von Afghanistan muss Europa lernen.

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Hierzu ist eine langfristige Strategie vonnöten, die wirtschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe, Infrastruktur-Investitionen, aber auch die Ausbildung schlagkräftiger Militär-Einheiten und technische Unterstützung bei der Überwachung der Sahara einschließen muss. Auch Deutschland darf sich hierbei nicht aus der Verantwortung stehlen. Bevor ein umfassendes EU-Paket für Nordafrika nicht steht, sollte Frankreich die Flinte nicht in die Wüste werfen.

Eindrücke von einer Vor-Ort-Recherche in Mali lesen Sie im Blog: http://blog.wiwo.de/on-the-road/

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