Krieg in Syrien: Obama sieht IS durch russische Luftangriffe gestärkt

Krieg in Syrien: Obama sieht IS durch russische Luftangriffe gestärkt

Bild vergrößern

US-Präsident Barack Obama kritisiert die russischen Luftangriffe in Syrien.

Im syrischen Bürgerkrieg kämpfen Splittergruppen an vielen Fronten. Mit den russischen Luftschlägen wird die Lage noch unübersichtlicher. Der Iran soll Bodentruppen geschickt haben. Washington ist alarmiert.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) wird nach Einschätzung von US-Präsident Barack Obama durch die russischen Luftangriffe in Syrien gestärkt. Russland schwäche die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfende, gemäßigte Opposition, sagte Obama am Freitag im Weißen Haus. „Die russische Politik treibt (die Rebellen) in den Untergrund oder erzeugt eine Situation, in der sie geschwächt werden, und es stärkt (den) IS nur. Und das ist für niemanden gut“, sagte er.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew wies die Kritik an den Luftangriffen in Syrien zurück. Mit den Attacken wolle Moskau auch Islamisten von seinem Staatsgebiet fernhalten, sagte er in einem am Samstag ausgestrahlten Interview des TV-Senders Rossija-24. „Wir schützen das Volk Russlands vor Terror - weil es besser ist, dies im Ausland statt auf eigenem Territorium zu tun“, meinte der Ministerpräsident.

Anzeige

Syrien Putin schadet sich mit dem Luftkrieg selbst

Moskaus Intervention in den syrischen Bürgerkrieg kann schnell zum Fiasko werden. Präsident Putin macht sich die große Mehrheit der Muslime weltweit zu Feinden.

Russische Kampflugzeuge vom Typ Sukhoi Su-27 nehmen an einer Vorführung in Moskau teil. Quelle: dpa

Nach Angaben von Aktivisten wurden bei den russischen Luftschlägen innerhalb von vier Tagen 39 Zivilisten getötet. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, waren unter ihnen acht Kinder. Darüber hinaus seien zwölf IS-Dschihadisten und zwei Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front umgekommen.

Russische Flugzeuge attackieren seit der Nacht zum Mittwoch Ziele in Syrien, um die Truppen Assads zu entlasten. Innerhalb von 24 Stunden seien etwa 20 Einsätze gegen 9 IS-Ziele geflogen worden, sagte der russische Generalmajor Igor Konaschenkow am Samstag in Moskau.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

  • Islamische Front

    Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

  • Nusra-Front

    In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

  • Islamischer Staat

    Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

    Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

    Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

  • Syrische revolutionäre Front

    Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


  • Mudschaheddin-Armee

    Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


  • Höchstes Militärkommando

    Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Der russisch-iranische Ansatz zur Lösung des verheerenden Bürgerkriegs sei zum Scheitern verurteilt, sagte Obama. „Aus ihrer Perspektive sind (die Rebellen und die Kämpfer der IS-Terrormiliz) alle Terroristen, und das ist ein Rezept für eine Katastrophe“, sagte er. Teil des Problems in Syrien sei eindeutig Assad, den Obama als „brutalen, skrupellosen Diktator“ bezeichnete. Dieser sei dank der Unterstützung Russlands und des Irans aber nach wie vor an der Macht.

Die USA seien dennoch bereit, Moskau und Teheran an einer politischen Lösung für die Zukunft des Landes zu beteiligen. Obama wies die Einschätzung zurück, dass Washington und Moskau sich in die Quere kommen würden. „Wir werden Syrien in keinen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland verwandeln.“ Die russische Koalition bestehe nur aus Assad und dem Iran, „und unsere besteht aus dem Rest der Welt“.

Weitere Links zum Artikel

Der US-Sender Fox News hatte zuvor gemeldet, der Iran habe Bodentruppen nach Syrien gesandt. „Dieser (Streitkräfte-) Aufbau wurde immer so verstanden, dass die Russen die Luftwaffe und die Iraner die Bodentruppen in Syrien stellen würden“, sagte ein ungenannter US-Militärvertreter dem TV-Kanal. Auch ein Militärberater der gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA) hatte erklärt, Truppen der iranischen Revolutionsgarden und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah seien zusammengezogen worden. Der Iran wies diese Berichte zurück.

Die Regierung in Damaskus erklärte sich vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur Teilnahme an UN-geführten Friedensverhandlungen bereit. „Syrien stimmt zu, an den vier Arbeitsgruppen, die vom UN-Sondergesandten Staffan de Mistura vorgeschlagen wurden, teilzunehmen“, sagte Außenminister Walid al-Muallim. Dadurch würden allerdings demokratische Reformen verzögert. Der syrische Bürgerkrieg hat seit 2011 mehr als 250 000 Menschen das Leben gekostet. Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%