Krieg in Syrien: Putin berät überraschend mit Assad in Moskau

Krieg in Syrien: Putin berät überraschend mit Assad in Moskau

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Syriens Machthaber Baschar al-Assad zu Besuch bei seinem Verbündeten Wladimir Putin.

Im syrischen Bürgerkrieg steht Machthaber Assad mit dem Rücken zur Wand, seit Jahren wurde er nicht mehr im Ausland gesehen. Nun hat er in Moskau seinen engen Verbündeten getroffen. Eine Demonstration der Stärke?

Bei einem überraschenden Besuch in Moskau hat der umstrittene syrische Machthaber Baschar al-Assad mit Kremlchef Wladimir Putin über Russlands Militäreinsatz in Syrien beraten. „Eine langfristige Lösung (des Konflikts) kann nur auf der Basis eines politischen Prozesses erreicht werden“, sagte Putin nach Kremlangaben vom Mittwoch. Moskau gilt als der engste Verbündete der Führung in Damaskus.

Nach Informationen aus Syrien war das zuvor nicht angekündigte Treffen am Dienstagabend Assads erster Auslandsbesuch seit Ausbruch des Bürgerkrieges 2011. Vor zwei Jahren hatte es aber Gerüchte gegeben, Assad sei zu einem Besuch in die iranische Hauptstadt Teheran gereist.

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Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

  • Islamische Front

    Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

  • Nusra-Front

    In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

  • Islamischer Staat

    Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

    Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

    Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

  • Syrische revolutionäre Front

    Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


  • Mudschaheddin-Armee

    Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


  • Höchstes Militärkommando

    Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Russland sei bereit, seinen Beitrag nicht nur zum Kampf gegen den Terrorismus zu leisten, sondern auch zu einer politischen Lösung des Konflikts, betonte Putin. Zugleich wies er darauf hin, dass auch Russen und Bürger ehemaliger Sowjetrepubliken in Syrien gegen die Regierungstruppen kämpften. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sie - mit Kampferfahrung und ideologisch gestärkt - nach Russland kommen“, sagte er.

Nach unterschiedlichen russischen Angaben sollen sich mehr als 2000 russische Staatsbürger und rund 7000 Menschen aus dem Gebiet der Ex-Sowjetunion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Experten in Moskau warnen bereits vor einer steigenden Gefahr von Terroranschlägen durch Rückkehrer.

Assad sei auf Einladung Putins nach Moskau gereist, meldete die syrische Nachrichtenagentur Sana. Assad erklärte demnach, der Einsatz der russische Luftwaffe habe dabei geholfen, die Ausbreitung des „Terrorismus“ zu stoppen. Das syrische Regime und seine Medien bezeichnen alle Rebellen als Terroristen, auch gemäßigtere Gruppen.

Krieg in Syrien Ohne Russland sind sie hilflos

Syriens Diktator Baschar al-Assad ist mehr denn je auf russische Schützenhilfe angewiesen. Moskau könnte das nutzen, um sich der Welt als Krisenlöser und Terror-Bekämpfer anzudienen. Ein kluger Schachzug ohne Strategie.

Portrait von Wladimir Putin. Quelle: AP

Putin und Assad seien sich einig gewesen, dass nur das syrische Volk das letzte Wort zur Zukunft des Landes habe, berichtete Sana. Assad habe der russischen Führung und dem russischen Volk dafür gedankt, „dass sie für die Einheit Syriens und seine Unabhängigkeit einstehen“, hieß es nach Kremlangaben weiter. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte Syrien der Agentur Interfax zufolge weitere Unterstützung im Kampf gegen Terroristen zu.

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Der syrische Oppositionelle Ahmed Kamel kritisierte, Assad habe Moskau heimlich besucht, weil er seinen eigenen Leuten nicht mehr vertraue. Putin wiederum habe mit dem Treffen zeigen wollen, „dass er in Syrien die Oberhand hat“, meinte das Mitglied des Bündnisses Syrische Nationale Koalition, das ihren Sitz in Istanbul hat.

Russlands Luftangriffe in dem Bürgerkriegsland stehen international in der Kritik. Russische Kampfjets hatten die Bombardements Ende September begonnen. Moskau nennt den IS als Hauptgegner. Die meisten Angriffe der russischen Luftwaffe richten sich aber nach Darstellung syrischer Aktivisten und der USA gegen verschiedene Rebellengruppen, die mit dem IS verfeindet sind. Russland weist dies zurück.

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