Krise: Chinas Wirtschaft kann die Welt nicht retten

Krise: Chinas Wirtschaft kann die Welt nicht retten

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von Matthias Kamp

Anders als vor drei Jahren fällt das Riesenreich in der aktuellen Krise als Stabilitätsanker aus. Zu groß sind die eigenen Probleme. Verliert Chinas Wirtschaft an Dynamik, hätte das auch Folgen für Deutschland.

Spielzeugautos, Sportschuhe, Spielkonsolen: Die Welt kauft ‚Made in China‘. In den Fabriken im Osten des Riesenreichs schieben die Arbeiter Überstunden, denn die Nachfrage nach Waren aus China kennt nur eine Richtung: aufwärts. Um 20,4 Prozent sind Chinas Ausfuhren im Juli im Vergleich zum Vorjahr geklettert. Der Überschuss in der Handelsbilanz wuchs um 41 Prozent. Erneute Kritik aus Washington und Brüssel an der unterbewerteten chinesischen Währung ist damit programmiert.

Doch mit dem Exportboom könnte es demnächst vorbei sein. "Die globalen Turbulenzen an den Finanzmärkten dürften zu einem Schrumpfen der Nachfrage aus dem Ausland führen", sagt Li Xunlei von Guotai Junan Securities, "und das dürfte sich auf das Exportwachstum in China auswirken." Vor allem Chinas Elektronik-, Textil- und Modehersteller würde eine erneute wirtschaftliche Flaute in Europa und Amerika treffen. Wachsen die Volkswirtschaften in Europa und den USA um einen Prozentpunkt weniger, verringert sich Chinas Exportzuwachs um sieben Prozentpunkte, haben die Analysten der Deutschen Bank in Hongkong ausgerechnet. Mittelbar würde ein Nachfrageeinbruch nach Waren aus China auch die Reedereien und Hafenbetreiber des Landes treffen. Die Schwäche im Außenhandel hätte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und damit auf den ohnehin schwachen Privatkonsum.

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China zu 89 Prozent verschuldet

Doch zu den möglichen Folgen der globalen Schuldenkrise kommen noch gewaltige Probleme an der Heimatfront. Um die Auswirkungen der Krise von 2008 abzumildern, hatte Peking ein Konjunkturprogramm mit beispiellosem Umfang aufgelegt: 586 Milliarden US-Dollar pumpten Banken und Regierung in die Wirtschaft. Die Ergebnisse sind inzwischen zu besichtigen: Flughäfen, von denen keine Flugzeuge starten, Messezentren, in denen noch nie ein Kongress stattgefunden hat, Autobahnen, auf denen kein Auto fährt. China hat in den vergangen Jahren gigantische Überkapazitäten aufgebaut.

Damit steigt die Verschuldung. Offiziell geben die chinesischen Behörden diese noch mit 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) an. Die Analysten bei Dragonomics in Peking machen jedoch eine andere Rechnung auf: Rechnet man die Schulden der Provinzen und Städte ein, liegt die Verschuldung bei satten 89 Prozent – höher als in Portugal.

Geldschwemme wird zum Problem

Allein Städte und Gemeinden sollen sich nach Berechnungen der Standard Chartered Bank in den letzten Jahren umgerechnet zwischen 1,5 Billionen und 2,1 Billionen US-Dollar für prestigeträchtige Infrastrukturprojekte geliehen haben. Ein Drittel davon müsse wohl abgeschrieben werden, heißt es bei Standard & Poors.

Die von der Partei ausgelöste Geldschwemme droht nun zu einem Problem für die Banken zu werden. Von 2008 bis 2010 ist die Summe aller Ausleihungen des chinesischen Bankensektors von 120 Prozent des BIP auf 180 Prozent gestiegen. Ein Anstieg um 30 bis 40 Prozentpunkte über einen Zeitraum von fünf Jahren habe in der Vergangenheit immer zu einer Krise geführt, so die Analysten bei UBS in Peking. Bis zu 30 Prozent der chinesischen Bankkredite könne mittelfristig uneinbringbar werden, hat die Ratingagentur Fitch ausgerechnet.

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