Krise in der Ukraine: Putin sonnt sich auf dem Zenit seiner Macht

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Krise in der Ukraine: Putin sonnt sich auf dem Zenit seiner Macht

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Wladimir Putin wirft dem Westen vor vorsätzlich Unruhen in Russland und den angrenzenden Staaten zu schaffen

von Florian Willershausen

In einer aggressiven wie souveränen Rede rechtfertigt der russische Präsident Wladimir Putin die Übernahme der Krim – und rechnet mit dem Westen ab.

Zum Schluss will die Applausorgie der Abgeordneten in Putins Diensten gar kein Ende mehr nehmen. Die Deputierten beider Kammern des russischen Parlaments springen zum x-ten Mal auf, als der Kremlchef dann auch noch den Anschluss der Krim verkündet hat. Manch ein Fräulein in der Totale des Staatsfernsehens scheint ob der Überdosis Patriotismus gar Tränen in den Augen zu haben.

Was kein Wunder ist. Wladimir Putin geizt nicht mit Pathos und weckt mit allen Tricks den Patriotismus seiner Landsleute. Die „heilige Krim“ sei immer Teil des glorreichen russischen Reichs gewesen. In einem überzeugenden Referendum habe die Bevölkerung für den Anschluss an Russland gestimmt; die Abstimmung habe in Einklang mit internationalem Recht gestanden.

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Nie hat sich Wladimir Putin so mächtig gefühlt. Im pechschwarzen Jackett und dunkelrotem Schlips tritt er vor die Volksdeputierten und deren Gäste – im Gips an der Wand hinter dem Kremlchef reckt der doppelköpfige Adler stolz seine Schwingen. In der ersten Reihe sitzen Kriegsveteranen, die bei solchen Reden zum Inventar gehören. Daneben Hardliner unter den Beratern des eigenwilligen Präsidenten, die nach ersten Sanktionen teils nicht mehr in den Westen reisen können. Dahinter versammeln sich gesellschaftlichen Gruppen, die Putins Autokratie Legitimität verleihen sollen: Kleriker, Soldaten, Wirtschaftslenker wie Gazprom-Chef Alexej Miller, sogar das Mitglied eines Rockerklubs aus Sewastopol ist in Lederkutte angereist.

Kein Zeichen von Anspannung

Es gab Zeiten, da wirkte Putin gebeugt und ausgemergelt – etwa inmitten der Krise von 2009, als er mit viel Glück die Wirtschaft des Landes vor der Massenarbeitslosigkeit bewahrte. An diesem Dienstag wirkt der Dauerherrscher äußerst selbstbewusst und souverän, kein Zeichen von Anspannung lässt er erkennen. Das Manuskript seiner Rede, das er öfter vom Pult hebt, zittert nicht. Angespannt, mit zutiefst skeptischer Mine, sitzt einzig Sergej Lawrow im Auditorium. Putins treuer Außenminister wird in den kommenden Monaten und Jahren den Scherbenhaufen aufkehren müssen, der vom einst gar nicht so miserablen Verhältnis zum Westen übrig geblieben ist.

Dem Westen wirft er Zynismus vor: Man habe den Kosovo anerkannt, wolle den Krim-Bewohnern nun aber das Recht auf Selbstbestimmung verweigern. Nach dem Ende des Kalten Kriegs habe die Sicherheit auf dem Planeten nicht zugenommen. „Die USA gehen nur nach dem Recht des Stärkeren“, so Putin. So sei es 1999 gewesen, als man auf Belgrad Bomben geworfen habe. Die Deutschen fordert er auf, die Vereinigung Russlands mit der Krim zu unterstützen. Anders als manche westlichen Partner habe Russland schließlich die Wiedervereinigung von BRD und DDR einst nicht blockieren wollen.

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