Krise in Katar: "Es werden wirtschaftliche Schäden entstehen"

ThemaNaher Osten

InterviewKrise in Katar: "Es werden wirtschaftliche Schäden entstehen"

, aktualisiert 07. Juni 2017, 14:38 Uhr
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Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle in Doha (Katar).

von Nora Jakob

Noch ist unklar, wie hoch die wirtschaftlichen Schäden des Katar-Konflikts für die deutschen Unternehmen vor Ort sind. Aber schon jetzt hängen Waren in den Vereinigten Arabischen Emiraten fest.

WirtschaftsWoche Online: Frau Lemke, sind die deutschen Unternehmen vor Ort beunruhigt?
Kathrin Lemke: Als am Montagmorgen die ersten Meldungen kamen, dass die Nachbarstaaten ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben, gab es zunächst etwas Unruhe. Das lag aber vor allem an der undurchsichtigen Informationslage. Aber mittlerweile läuft alles wieder wie immer – „business as usual“.

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Zur Person

  • Kathrin Lemke

    Kathrin Lemke ist Repräsentantin der Deutschen Auslandshandelskammer in Katar - und seit zehn Jahren in der Region.

Mit welchen Einschränkungen ist zukünftig zu rechnen?
Bislang haben vor allem Unternehmen Probleme, die mit Waren von oder nach Katar handeln. Vor allem auch über das regionale Drehkreuz „Vereinigte Arabische Emirate.“ Es findet kein direkter Lieferverkehr – weder auf dem Wasser noch in der Luft - mehr statt: Der Zoll in Dubai fertig derzeit nichts ab. Es kommt zu teils starken Verzögerungen und höheren Kosten, etwa durch Zwischenlagerung am Flughafen.

Gibt es schon Versuche, das zu lösen?
Es gibt einige hiesige Logistikunternehmen, die derzeit an einer schnellen Lösung arbeiten, um den Warenverkehr aufrecht zu erhalten.

Das ist Katar

  • Das Land

    Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch zwar nur etwa halb so groß wie Hessen, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Große Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Land ist 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft.

    Quelle: dpa

  • Die Bevölkerung

    Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Großteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist.

  • Wichtige Verbindungen mit dem Ausland

    Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hat seinen Sitz in Katar. Katar ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.

  • Kritik von Menschenrechtlern

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit.

Was macht die Deutsche Außenhandelskammer in Katar gerade konkret, um die Unternehmen vor Ort zu unterstützen?
Wir stehen im permanenten Austausch mit allen relevanten Behörden und informieren unsere Mitgliedsunternehmen über jede neue Entwicklung.

Lassen sich bereits langfristige Folgen ablesen?
Es ist schwierig, die langfristigen Folgen bereits zu benennen, dafür wissen wir noch zu wenig. Aber wir hoffen natürlich auf eine schnelle diplomatische Lösung. Natürlich ist es aber so, dass durch die Einschränkungen im Luft- und Seeverkehr sowie im Personenverkehr wirtschaftliche Schäden entstehen werden.

Die Staaten mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen 2016

  • Platz 10

    Schweiz
    59.275 US-Dollar / Kaufkraftparität

    Quelle: Global Finance Magazine

  • Platz 09

    San Marino
    64.443 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 08

    Vereinigte Arabische Emirate
    67.969 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 07

    Norwegen
    69.296 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 06

    Irland
    69.374 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 05

    Kuwait
    71.263 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 04

    Brunei Darussalam
    79.710 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 03

    Singapur
    87.082 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 02

    Luxemburg
    101.936 US-Dollar / Kaufkraftparität

  • Platz 01

    Katar
    129.726 US-Dollar / Kaufkraftparität

Welches Verhältnis hat Katar grundsätzlich zu seinen Nachbarn?
Generell ist Katar mit seinen Nachbarstaaten sehr vernetzt, vor allem im Bereich der Wirtschaft, Kultur und der Bildung. Wir gehen davon aus, dass die Staaten schnell diplomatische Lösungen finden werden.

Gabe es schon einmal ähnliche Konflikte?
Solche Spannungen sind in der Region durchaus nicht ungewöhnlich. Vor zwei Jahren gab es zuletzt einen Abzug der Botschafter der betroffenen Länder. Neu ist allerdings die Qualität, so dass sogar Grenzen geschlossen werden. Deshalb sind wir derzeit im permanenten Austausch und beobachten die Situation weiter. Das gestaltet sich allerdings auch schwierig, weil wir fast stündlich neue Informationen bekommen.

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