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Krisengipfel: Griechischer Schuldenschnitt steht

von Ruth Berschens Quelle: Handelsblatt Online

Nach stundenlangen Verhandlungen feiert die Eurozone einen historischen Durchbruch in der Schuldenkrise: Der Krisenfonds EFSF bekommt mehr Feuerkraft, die Banken müssen auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Zwischendurch wäre der Gipfel fast am Widerstand der Institute gescheitert - bis sich Merkel und Sarkozy persönlich einschalteten.

Merkel bei der Verkündung der Ergebnisse des Euro-Gipfels: "große Kraftanstrengung". Quelle: handelsblatt.com
Merkel bei der Verkündung der Ergebnisse des Euro-Gipfels: "große Kraftanstrengung". Quelle: handelsblatt.com

Die Euro-Zone hat sich einem achtstündigen Verhandlungsmarathon mit den privaten Gläubigern Griechenlands auf einen Schuldenschnitt geeinigt. "Wir haben eine dauerhafte Lösung für Griechenland gefunden", sagte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "großen Kraftanstrengung". Das nun erzielte Ergebnis sei "alles andere als selbstverständlich."

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Nach Angaben Merkels und Sarkozys wurde folgende Einigung erzielt: Die Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland, was in absoluten Zahlen 100 Milliarden Euro entspricht. Vollzogen wird der Schuldenschnitt mit einem Anleihen-Tausch im Januar. Dann sollen griechische Bonds gegen neue Anleihen mit einem um die Hälfte reduzierten Nennwert eingetauscht werden. Der EFSF wird eine Teil-Garantie für die neuen Bonds abgeben. Dafür stellt der Euro-Krisenfonds 30 Milliarden Euro bereit. Eine entsprechende Vereinbarung mit der Euro-Zone unterschrieb Charles Dallara, Geschäftsführer des Weltbankenverbandes IIF am frühen Donnerstag morgen.

Einigung drohte zu scheitern

Die Euro-Zone beschloss außerdem, Griechenland bis 2014 zusätzliche Hilfskredite in Höhe von 100 Milliarden Euro zu gewähren. Private Gläubiger und staatliche Geldgeber würden es Griechenland auf diese Weise gemeinsam ermöglichen, seine Gesamtverschuldung von derzeit 165 Prozent auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2020 zu senken. Noch gestern Nachmittag war überhaupt nicht klar gewesen, ob die Euro-Regierungschefs mit den Banken zu einer Einigung kommen würden. Die Nervosität war bei allen Beteiligten spürbar. "Wir wollen mit den Privaten kommen, so weit wir können", sagte ein EU-Diplomat, der bereits seit Sonntag in die Verhandlungen der Euro-Zone mit den Banken eingebunden war.

Wie weit das sein würde, wusste er nicht zu sagen. Denn bis zu Beginn des Euro-Gipfels gestern Abend zeigten die Banken kein Entgegenkommen. Am späten Abend sah es zwischenzeitlich so aus, als ob die Verhandlungen endgültig gescheitert wären. Der IIF erklärte in einer schriftlichen Mitteilung an die Medien, dass man sich nicht über einen Schuldenschnitt geeinigt habe.

Ein einziges Angebot

Schließlich nahmen Merkel und Sarkozy ihren Spitzenbeamten die Angelegenheit aus der Hand und erklärte sie zur Chefsache. Sie baten IIF-Geschäftsführer Dallara in das Brüsseler Ratsgebäude "Justus Lipsius". An der Runde nahmen außerdem EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso und IWF-Chefin Christine Lagarde teil.

"Wir haben  nur ein einziges Angebot gemacht. Wir haben gesagt, dass das unser letztes Wort ist", sagte Merkel. Die Chefrunde brachte schließlich das Ergebnis, das auf zwei Seiten festgehalten und von Dallara unterzeichnet wurde. Der sagte am frühen Donnerstagmorgen: "Wir begrüßen die Ankündigung der Euro-Gruppe, dass sie Europa stabilisieren, das europäische Bankensystem stärken und Griechenlands Reformanstrengungen unterstützen will".

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2011, 11:18 UhrKarcsi

    Nach meinem Dafürhalten und ohne jetzt die Details zu kennen, war das nun endlich derjenige Schritt, ohne den es sowieso nicht gegangen wäre und der zugleich aber längst überfällig war! Niemand ist in der Lage Schulden zurückzuzahlen und horrende Zinsen noch dazu, wenn er soeben noch unaufhaltsam neue Schulden auftürmte. Ein irrsinn wo nur die banken daran verdienen konnten. Es wird Zeit dass die banken sich wieder ihrer Verantwortung ihrer selbst bewusst werden.

  • 27.10.2011, 10:46 UhrRainer Mumpitz

    Hier wurde nur Zeit gekauft. Die grundlegenden Probleme der Euro Zone türmen sich immer weiter auf. Das wissen sogar die in Wirtschaft und Finanzen völlige inkompetenten Mitglieder unserer bundesregierung.

  • 27.10.2011, 09:44 UhrAugust der Starke

    Wie lange hält diese Vereinbarung ?
    Glaube, das war bereits der erste Schritt über den Abgrund, von
    jetzt an kanns wirklich sehr schnell gehen, bis das finale Ende
    der Eurozone beginnt. Die Probleme sind nicht gelöst, sondern
    werden sich weiter verschärfen. Nach Griechenland kommen
    Portugal, italien, vielleicht auch noch Spanien und Frankreich.
    Auch Deutschland wird sich warm anziehen müssen. Die
    sog. Märkte ( Abzocker, bankster, Spedkulanten ), werden nicht
    locker lassen bis das Kartenhaus einstürzt.

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