Kuba: Fidel Castro gibt auf

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Fidel Castro: Kubas Präsident tritt ab

Der Máximo Líder tritt ab: Heute hat Kubas Revolutionsführer Fidel Castro seinen Rückzug aus der Politik bekanntgegeben. Bei der anstehenden Präsidentenwahl will Castro nicht mehr antreten, hieß es heute in einem von ihm verfassten Zeitungsbeitrag.

Die kubanische Nationalversammlung wählt am kommenden Sonntag die Spitze des Staatsrats, der aus seinen Reihen den nächsten Staats- und Regierungschef bestimmt.

Damit zieht Castro 49 Jahre nach seiner bewaffneten Revolution einen historischen Schlussstrich. Die Staatszeitung „Granma“ zitierte in ihrer Internetausgabe den 81-jährigen Castro mit den Worten, er danke seinen Landsleuten für die Wiederwahl in das kubanische Parlament, was ihm eine große Ehre bedeutet habe. Dennoch kündigte er seinen offiziellen Rückzug an: „Ich teile Euch mit, dass ich das Amt des Präsidenten und des Armeechefs nicht anstreben und auch nicht annehmen werde.“

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Nach seiner Darmoperation im Juli 2006 hatte Fidel Castro die Amtsgeschäfte auf unbestimmte Zeit an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raul übergeben. Seitdem hat der Maximo Lider sich nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen, sondern lediglich über Staatsmedien seine politischen Ansichten verkündet.

Im Dezember deutete er zudem an, er könnte sich bald endgültig aus der Politik zurückziehen und die Amtsgeschäfte vollständig an seinen Bruder übergeben. Es gilt als sicher, dass der als Pragmatiker geltende Raul zum nächsten Präsidenten Kubas gewählt wird.

Fast 50 Jahre lang stand Fidel Castro an der Spitze Kubas. Er war und blieb das Herz der kommunistischen Revolution von 1959, die den Karibikstaat für immer veränderte. „Die Zukunft des Landes beginnt nach Castro“, hieß es in Kuba oft. Diese Zukunft hat mit dem Rücktritt nunmehr begonnen.

Selten war ein Politiker so umstritten wie der charismatische Revolutionsführer. Castro selbst verstand sich weniger als Staatsmann, denn als ewiger Guerillero im Kampf für Gerechtigkeit. Trotz seines autoritären Führungsstils galt er während seiner gesamten Amtszeit auch weiterhin als moralische Instanz. Seine zahlreichen Kritiker nannten ihn dagegen einen Despoten, der weder freie Wahlen noch Meinungs- und Pressefreiheit zulässt.

Der Mythos Fidel Castro begründete sich auch in einem sorgfältig inszenierten Personenkult. In mehr als 350 oft mehrere Stunden dauernden Reden hat er sich an die Kubaner gewandt, unterbrochen von oft einstudierten Jubelchören. Dabei sparte er nicht an deutlichen Worten in Richtung des „imperialistischen Feindes“.

Ohnehin gehörte Diplomatie nicht zu seinen Stärken. Auch auf internationalem Parkett waren Castros Wutausbrüche legendär. Mindestens 30 Attentatsversuche, verübt durch den US-Geheimdienst CIA oder exilkubanische Gruppen, hat er unversehrt überstanden. Dabei reichte die Palette von Gift in Zigarren über LSD bis hin zu versuchten Anschlägen mit Schusswaffen.

In der heutigen Geschichtsschreibung gilt die kubanische Revolution von 1959 als das Werk von drei Männern: Fidel Castro war das „Herz“, Raúl Castro die „Faust“ und Ché Guevara das „Gehirn“ der Revolution. 1956 landeten diese Männer und 80 weitere Mitkämpfer mit der „Granma“ in einer Nacht- und Nebel-Aktion an der kubanischen Küste. Zwei Jahre führte Fidel Castro als „Comandante en jefe“ die Rebellenarmee im Kampf gegen Diktator Fulgencio Batista, der schließlich am 1. Januar 1959 aus Kuba flüchtete.

Fidel Castro wurde am 13. August 1926 (in manchen Quellen wird auch 1927 angegeben) in einfachen, aber wohlhabenden Verhältnissen geboren. Er verbrachte fast die gesamte Kindheit in Pflegefamilien und in einem Jesuitenkolleg.

Erste politische Erfahrungen sammelte Castro in den 40-er Jahren an der Universität von Havanna, wo er Jura studierte. Schon damals pflegte er sein ausgeprägtes rhetorisches Talent - sehr zur Unterhaltung seiner Mitstudenten. Das erste militärische Abenteuer des jungen Rebellen war der fehlgeschlagene Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba am 26. Juli 1953.

Castro verwandelte den Prozess gegen ihn in eine einzige Anklage des Batista-Regimes. Unter dem Titel „Die Geschichte wird mich freisprechen“ wurde seine Verteidigungsrede weltbekannt. Zwtl: Ein untypischer Kubaner Castros Privatleben war immer ein gut gehütetes Geheimnis. Seine Zurückhaltung war Teil des Mythos einer lebenden Legende. Vier Lebensgefährtinnen spielten für ihn wohl eine bedeutende Rolle, zahlreiche Affären wurden ihm angedichtet. Selten gab Castro Interviews. Eine Ausnahme bildete der Dokumentarfilm „Comandante“ (2003) von Oliver Stone. Erstmals ließ Castro die Begleitung eines westlichen Kamerateams über einen längeren Zeitraum zu.

Unter seinen Landsleuten gilt Castro als untypischer Kubaner. Er kann nicht tanzen, hat vor gut 20 Jahren das Zigarre-Rauchen aufgegeben und frönt auch dem kubanischen Nationalgetränk Rum nur in Maßen. Allerdings teilt Castro die Leidenschaft für Sport. Noch Ende der 90er Jahre trug er ein Baseball-Spiel mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez aus, den er als aufrechten Freund bezeichnet.

Auch der kolumbianische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger, Gabriel García Márquez, hält trotz aller Kritik als einer der wenigen Intellektuellen zu Castro. In seinem Roman „Der General und das Labyrinth“, der melancholisch das Scheitern einer Idee beschreibt, sind die Ähnlichkeiten zu Kubas Staatschef unverkennbar.

Der französische Regisseur Regis Debray allerdings, einst glühender Verehrer des „máximo líder“, soll einmal über ihn gesagt haben „... er ist Trotzki, Lenin und Stalin verpackt in einem einzigen Caudillo“.

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