Künftiger Ex-Präsident Obama: Ruhelos im Ruhestand

Künftiger Ex-Präsident Obama: Ruhelos im Ruhestand

, aktualisiert 16. Januar 2017, 13:40 Uhr
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Die frühe Rente: Der scheidende Präsident hat sich nach seiner Amtszeit viele Aufgaben vorgenommen.

Quelle:Handelsblatt Online

Er ist 55 Jahre jung und schon in Rente: Langweilig dürfte es Barack Obama jedoch nicht werden, denn der scheidende Präsident hat einige Pläne. Zunächst braucht er laut eigenen Angaben aber erstmal eines: Schlaf.

WashingtonAuf Barack Obama warten nach dem bevorstehenden Ablauf seiner Amtszeit als US-Präsident eine Menge Aufgaben: der Aufbau einer Präsidentenbibliothek, das Auftreiben von Spendengeldern, das Engagement für wohltätige Zwecke und ein weiteres Buch, das er schreiben möchte. Und nicht zu vergessen ein Urlaub, den er seiner Frau Michelle versprochen hat. In einen echten Ruhestand verabschieden wird sich der 44. US-Präsident demnach nicht.

Das nächste Kapitel schlägt Obama am Freitag auf, wenn er zum Ex-Präsidenten wird. Ab dann kann er sich öffentlich freimütiger äußern als bisher, ist Herr über seine Termine und kann Geld verdienen. Wie aus seinem Umfeld verlautete, nahm er bereits Kontakt zu dem Hollywood-PR-Agenten Ari Emanuel auf. Dabei könnte es unter anderem um Engagements als Redner gegangen sein. Einer von Emanuels Brüdern ist Obamas früherer Stabschef und der jetzige Bürgermeister von Chicago, Rahm Emanuel. Ob es aber tatsächlich zu einer Zusammenarbeit mit Ari Emanuel kommt, ist unklar.

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Mit 55 ist Obama noch äußerst jung für einen scheidenden Präsidenten. Er hat, ebenso wie seine Frau, ausgeschlossen, sich noch einmal um ein politisches Amt zu bewerben. Doch er hat in Aussicht gestellt, in der nationalen Debatte weiter aktiv zu bleiben. Viele Demokraten wünschen sich, dass er die Rolle eines Schattenpräsidenten übernimmt und jenen Amerikanern Halt gibt, die mit dem Wahlsieg von Donald Trump ihre politische Zuversicht verloren haben.

Obama hat erklärt, er habe viele Ideen, wie sich seine Partei erneuern könne. Doch nach acht Jahren als Präsident sehe er sich als Berater, der sich nicht in jedes Detail einmische. Er werde lediglich Ratschläge geben, „weil ich ein bisschen Schlaf brauche“, sagte Obama dem öffentlichen Rundfunksender NPR im Dezember. „Und ich habe Michelle einen netten Urlaub versprochen.“ Zudem seien seine beiden Töchter in einem Alter, in dem er die letzten Augenblicke genießen wolle, „bevor sie aus dem Haus sind“.

In den ersten Monaten nach Trumps Amtsantritt dürfte sich Obama öffentlich zurückhalten. Nach einer Zeit des Ausspannens mit seiner Frau und den Töchtern an einem nicht genannten Ort wird die Familie nach Washington zurückkehren, wo sie ein Anwesen im vornehmen Kalorama-Viertel gemietet hat.

In der Vergangenheit lobte Obama seinen Vorgänger George W. Bush wiederholt dafür, dass dieser auf öffentliche Kommentare zu Entscheidungen seines Nachfolgers verzichtete. Obama behält sich nun aber das Recht vor, gegen mögliche Entscheidungen Trumps Stellung zu beziehen, die er als besonders verabscheuungswürdig betrachtet, wie ein Einwanderungsverbot für Muslime oder eine Massenabschiebung von Kindern, die illegal in die USA gekommen sind.

„Die Partei ist in einem schlechten Zustand, und es gibt noch keine offensichtlichen Sprecher für die Demokraten“, sagt Julian Zelizer, ein Präsidentenhistoriker an der Universität Princeton. „Wenn es jemanden gibt, der einem Präsidenten Trump die Stirn bieten kann, wird es der frühere Präsident Obama sein.“


Im nächsten Jahr erscheint sein Buch

Öffentlich könnte Obama zur Zeit der Veröffentlichung seines Buches wieder verstärkt in Erscheinung treten, vermutlich im kommenden Jahr. Beim Schreiben der Fortsetzung seiner beiden früheren Bestseller dürfte Obama von seinem Chef-Redenschreiber des Weißen Hauses, Cody Keenan, Unterstützung erhalten.

Was auch immer Obama künftig anpacken wird, unter finanziellem Druck steht er nicht. Für sein Buch dürfte er eine Vorauszahlung von mehr als 20 Millionen Dollar (rund 19 Millionen Euro) erhalten, sagt Keith Urbahn, ein Literaturagent, der sich mit Bestsellern von Spitzenpolitikern auskennt. „Das halbe Land betrachtet ihn immer noch als seine Führungspersönlichkeit“, sagt Urbahn. „Er wird vermutlich den höchsten Vorschuss für einen Ex-Präsidenten in der Geschichte bekommen.“

Bald dürften Obama und seine Frau auch anfangen, Geld für die Barack-Obama-Stiftung zu sammeln, die seine Präsidentenbibliothek und das dazugehörige Zentrum in Chicago aufbaut. Die Kosten dafür werden auf etwa eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. Bis das Zentrum in Betrieb geht, vergehen noch mehrere Jahre, doch werden die Obamas in den kommenden Monaten bereits erste Mitarbeiter einstellen.

Obama will sich zudem weiterhin in seiner Initiative My Brother's Keeper engagieren, die jungen schwarzen und hispanischen Männern bessere Bildungs- und Aufstiegschancen vermitteln will. Mit seinem früheren Justizminister Eric Holder arbeitet er in einem Ausschuss zusammen, der die Chancen der Demokraten bei der Neufestlegung politischer Bezirke 2020 verbessern soll.

Zentrum seiner Tätigkeit wird Obamas persönliches Büro sein, angesiedelt in der Zentrale der Naturschutzorganisation WWF ganz in der Nähe seines künftigen angemieteten Wohnsitzes. Sechs Monate lang steht ihm darüber hinaus noch ein von der Regierung finanziertes Büro zur Verfügung, das den Übergang ins Privatleben regelt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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