Künftiger US-Präsident: Staatsschulden einfach weginflationieren?

ThemaUSA

Künftiger US-Präsident: Wie Trumps Wirtschaftspolitik (nicht) funktioniert

Staatsschulden einfach weginflationieren?

Das „Tax Policy Center“ in Washington D.C. hat ausgerechnet, welche Auswirkungen Trumps Steuersenkungen hätten, die sich über alle Einkommensschichten erstrecken würden. Samt Zinsbelastung würde innerhalb der nächsten zehn Jahre die Gesamtverschuldung um 7,2 Billionen Dollar steigen, bis zum Jahr 2036 gar um knapp 21 Billionen Dollar. Für Josef Braml ist das „Vodoo-Wirtschaftspolitik“, die nicht funktionieren kann. „Die US-Wirtschaft wird zu zwei Dritteln von der Nachfrage getrieben. Steuererleichterungen dürften den Konsum aber nicht noch weiter ankurbeln.“ Anders als Trump hofft, werden sich dessen Steuersenkungen also nicht selbst finanzieren, argumentiert Braml. „Das hatte schon Ronald Reagan gehofft und ist in den 80er Jahren damit gescheitert.“

Insbesondere die langfristigen Folgen sind problematisch. Denn das strukturelle Haushaltsdefizit, also permanente Unterfinanzierung würde durch die Steuersenkungen steigen. Zumal die Schuldenlast in den kommenden Jahren immer drängender werden dürfte, wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht und die Kosten für die Sozialkassen unkontrollierbar werden. Das Congressional Budget Office, der Wissenschaftliche Dienst des Parlamentes, geht davon aus, dass die Staatsverschuldung in den nächsten Jahrzehnten dramatisch steigen dürfte. Insgesamt liegt die Schuldenlast aktuell bei 104 Prozent in Relation zum BIP. Einen Teil der Schulden macht die US-Regierung bei eigenen Regierungsinstitutionen und Staatsfonds (intragovernmental debt), den weitaus größeren Teil borgt sie sich im Ausland, bei der Notenbank sowie weiteren Fonds und Banken (Debt Held by the Public). Letzterer Wert liegt derzeit bei 75 Prozent in Relation zum BIP. Das Congressional Budget Office fürchtet, dass der Wert innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 86 Prozent steigen könnte - bis zum Jahr 2046 sogar auf 141 Prozent. Eine Reform des Systems würde entweder bedeuten, dass Renten und sonstige Leistungen gekürzt oder Steuern erhöht werden. Steuersenkungen wären in jedem Fall eine zusätzliche Belastung. Akut werden diese Probleme aber erst, wenn Donald Trump längst nicht mehr im Amt ist.

Ein bisschen Donald...: Trump-Vorschläge, die auch Deutsche bei uns gerne verwirklicht sähen

  • Zur Umfrage

    Die Deutschen mögen Donald Trump nicht. Nur wenige Prozent hätten für den Republikaner gestimmt, ergaben Umfragen vor der US-Wahl. Doch ist ihnen womöglich nur der Mensch zuwider, nicht sein Programm? Und fürchtet die überwiegende Mehrheit, dass Trump ein gefährlicher Präsident wird? Eine aktuelle Ipsos-Umfrage im Auftrag der WirtschaftsWoche liefert dazu erstaunliche Erkenntnisse.

  • Abschiebung von allen illegalen Ausländern

    Auf die Frage, welche Trump-Vorhaben die Deutschen auch hierzulande gerne umgesetzt sähen, antworteten satte 56,3 Prozent, sie wollten die Abschiebung aller illegalen Ausländer.

  • Mehr Durchgriffsrechte für die Polizei

    34 Prozent der Befragten stimmen Trumps Forderung nach mehr Durchgriffsrechten für die Polizei zu.

  • Senkung der Einkommensteuer

    Immerhin 30,6 Prozent wünschen sich weniger Einkommensteuer.

  • Strikte Einreiseregulierung für Muslime

    26,2 Prozent wünschen sich gar eine strikte Einreiseregulierung für Muslime.

  • Ende/Neuverhandlung Freihandelsverträge

    Die Ablehnung der Deutschen gegen Freihandelsabkommen wie TTIP oder TPP zeigt sich auch in dieser Umfrage. 19 Prozent sähen auch hierzulande gerne ein Ende/Neuverhandlung der Freihandelsabkommen.

  • Aufbau engerer Beziehungen zu Russland

    15 Prozent der Befragten sind für den Aufbau engerer Beziehungen zu Putins Russland.

  • Abschaffung der Erbschaftsteuer

    Die Erbschaftssteuer ist bei den Deutschen derart unbeliebt, dass sie 13 Prozent der Befragten auch in Deutschland gerne abgeschafft sähen.

  • Einführung von (Schutz-)Zöllen für Importe

    Immerhin 4 Prozent wünschen sich eine Einführung von (Schutz-)Zöllen für Importe.

  • Austritt aus dem Pariser Klimavertrag

    Mehrfach drohte der designierte US-Präsident mit dem Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen. Nur 2 Prozent der Befragten sind für einen Austritt beziehungsweise Rückzug aus dem Klimavertag.

  • Keine davon

    17 Prozent der Befragten ist nicht nur die Person Donald Trump zuwider. Auch das Programm des Republikaners stößt auf Ablehnung.

  • Wird Donald Trump die Welt politisch destabilisieren?

    Gemessen an der Ablehnung seiner Person, sehen die Bundesbürger Trumps Rolle in der Welt noch vergleichsweise milde. 57,2 Prozent der Deutschen gehen davon aus, Trump werde vom Weißen Haus aus die Welt politisch destabilisieren.

  • Negative Auswirkungen für Deutschland

    55,9 Prozent erwarten negative Auswirkungen für Deutschland.

  • Mögliche Folgen für die USA

    Zu den möglichen Folgen für die USA ist die Skepsis viel größer: Nur 12,2 Prozent sagen, Trump werde die internationale Position seines Landes nachhaltig verbessern.

Braml glaubt, dass „Trumps Wirtschaftsnationalismus“, wie er dessen Politikansatz nennt, kurzfristig durchaus funktionieren kann. Schließlich würde das Konjunkturpaket zunächst einmal für Wachstum und Jobs sorgen. „Trump könnte so die Abgehängten, die ihn gewählt haben, zufriedenstellen.“ Der künftige US-Präsident dürfte wohl versuchen, die ausufernde Staatsverschuldung über eine höhere Inflation in den Griff zu kriegen, meint Braml. Steigt die Inflationsrate in den USA an und bleiben die Zinsen niedrig, würde das der US-Regierung helfen, ihre Schulden zu verringern. Geld, das zunehmend weniger wert ist, kennt aber auch Verlierer: die Bürger. Trumps Plan – Make America great again – kann also zeitweilig erfolgreich sein. Langfristig dürfte er den Amerikanern aber schaden.

Anzeige
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%