Lateinamerika: Der weiße Ritter

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Lateinamerika: Der weiße Ritter

von Alexander Busch

China hilft der stagnierenden Wirtschaft mit Krediten und Investitionen.

Im April vergangenen Jahres schickte Ecuador einen ersten Satelliten ins All, ein halbes Jahr später folgte ein weiterer aus Bolivien. Die Staaten verdanken ihre Mitgliedschaft im Club der Raumfahrtnationen China – die Flugkörper starteten in Jiuquan und in Xichang. Von China wollen die beiden Länder auch lernen, wie man Satelliten baut, entwickelt und betreibt – statt nur Bananen, Öl oder Gas zu exportieren. „China ist unser wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner geworden“, sagt María Fernando Espinosa, die ehemalige Verteidigungsministerin Ecuadors.

Das gilt nicht nur für den Andenstaat. Lateinamerikas Außenhandel mit China stieg von gerade mal zehn Milliarden Dollar in 2000 auf 257 Milliarden Dollar in 2013. Für Brasilien, Peru und Chile ist das Reich der Mitte inzwischen der größte Handelspartner.

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Brasilien

  • Wirtschaftswachstum

    2013: 2,5 Prozent

    2014: 3,1 Prozent

  • Inflation

    2013: 6,2 Prozent

    2014: 5,6 Prozent

  • Arbeitslosenquote

    2013: 5,5 Prozent

    2014: 5,6 Prozent

  • Quelle der Daten

    IHS Global Insight

Die USA überholen

Bis 2030, schätzt die Investmentbank HSBC, wird China die USA als wichtigsten Handelspartner Lateinamerikas überholt haben. Mit Erz, Soja und Öl beladen, legen die Schiffe aus Santos, Valparaíso oder Callao nach China ab, zurück kommen sie mit Fernsehern, Mikrowellengeräten, Motorrädern und Textilien. Für den PC-Hersteller Lenovo ist Brasilien inzwischen zum wichtigsten Markt außerhalb Chinas aufgestiegen – ein Fünftel seiner Kunden weltweit kommt von dort.

Daneben steigen die Investitionen chinesischer Konzerne in der Region rasant. Der Telekomausrüster Huawei baut in Patagonien seine Schaltgeräte zusammen, die chinesischen Autobauer Chery und JAC ziehen eigene Produktionsanlagen in Brasilien hoch. Rund ein Fünftel aller ausländischen Direktinvestitionen Chinas weltweit gehen nach Lateinamerika; 2013 stiegen sie um 132 Prozent – so schnell wie in sonst keiner Region weltweit.

Führend dabei sind die vier großen staatlichen chinesischen Ölkonzerne. CNOOC will in Argentinien Schiefergas fördern – in den vermutlich größten Reserven weltweit. Selbst im Bergbau haben chinesische Konzerne mit der Übernahme einer Kupfermine in Peru von Glencore Xstrata für sechs Milliarden Dollar im April dieses Jahres Fuß gefasst. So sichern sich Chinas Staatskonzerne Rohstoffe für Jahrzehnte.

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Auch den Kredithunger der Staaten, die unter sinkenden Rohstoffpreisen leiden, stillt China schnell und unbürokratisch. Präsident Xi Jinping erschien den Regierungen von Venezuela und Argentinien bei seinem Besuch im Juli wie ein weißer Ritter: Von den 100 Milliarden Dollar, die seit 2005 von China an lateinamerikanische Staaten verliehen wurden, flossen 65 Milliarden in diese beiden Länder. Als Sicherheit dienen Öllieferungen aus Venezuela und Sojaimporte aus Argentinien. Darüber hinaus finanziert China Eisenbahnen, Stromlinien, Kraftwerke – verbunden mit der höflichen Bitte, doch die Maschinen und Anlagen aus Fernost zu beziehen.

Inzwischen bewerben sich auch andere Staaten Südamerikas um Chinas Gunst. Brasiliens Wirtschaft stagniert, auch in Chile, Peru und Kolumbien läuft es schlecht. Investitionen aus China in die lokale Infrastruktur dieser Länder werden zwar bislang von einheimischen Lobbygruppen noch verhindert. Doch die Frage ist: Wie lange können sich die klammen Regierungen das noch leisten?

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